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Naturschutzorganisationen:Im Landkreis Ebersberg bleibt der Öko-Hype aus

Olaf Rautenberg

Beim Bund Naturschutz ist es laut Vorsitzendem Olaf Rautenberg eher schwierig, den Mitgliederstand zu halten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Obwohl das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft gestiegen ist, verzeichnen der Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz keinen größeren Mitgliederzuwachs.

Tausende Schülerinnen und Schüler weltweit haben im vergangenen Jahr den Umweltschutz für sich entdeckt. Bei den "Fridays for Future"-Demos waren - auch im Landkreis Ebersberg - zahlreiche Menschen auf den Straßen unterwegs, um für mehr Rücksicht auf den Planeten zu mahnen. Auch die Bundesregierung wurde schließlich aktiv und brachte im September ihr Klimaschutzprogramm auf den Weg. Zudem unterstützten im vergangenen Sommer knapp 1,8 Millionen Bürger in Bayern das Volksbegehren unter dem Motto "Rettet die Bienen". In der Gesellschaft scheint sich also ein gesteigertes Umweltbewusstsein breitzumachen - doch bekommen das auch die Naturschutzverbände zu spüren? Für den Landkreis lautet die Antwort: eher nicht.

Zwar haben sowohl Bund Naturschutz (BN) als auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in den vergangenen Jahren an Mitgliedern hinzugewonnen, der ganz große Hype blieb bislang allerdings aus. "Das vergangene Jahr hatte wenig Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen", sagt jedenfalls Benedikt Sommer. Er ist seit November neuer Vorsitzender des LBV-Kreisverbands und hat als solcher stets die Mitgliederentwicklung im Blick. Diese war zwar zuletzt recht positiv - in den vergangenen vier Jahren hat sich Zahl auf nunmehr rund 1200 verdoppelt -, aber den ganz großen Zuwachs gab es im Vorjahr dennoch nicht. "Vielleicht kommt das dann ja heuer mit etwas Verzögerung", sagt Sommer.

Beim Bund Naturschutz tut man sich schwer, den Mitgliederstand zu halten

Ähnlich ergeht es auch dem Bund Naturschutz. Dessen Kreisvorsitzender Olaf Rautenberg sagt, es sei sogar eher schwierig, den Mitgliederstand von derzeit knapp über 3800 zu halten. Sterbefälle und Wegzüge hätten immer wieder einen Schwund im Kreisverband zur Folge. So gesehen kann der BN mit dem vergangenen Jahr eigentlich zufrieden sein: "Der Rückgang war weniger hoch als normalerweise", so Rautenberg. Das liege unter anderem auch daran, dass in Kirchseeon im vergangenen Jahr eine neue Ortsgruppe und in Ebersberg eine Kindergruppe gegründet worden seien.

Den Schritt zur Mitgliedschaft wollen dem Vorsitzenden zufolge aber offenbar viele nicht gehen. Häufig würden Leute Hilfe wollen, ohne dem Verbund aber selbst beizutreten. "Vielen denken, dass der BN eine staatliche Institution ist", sagt Rautenberg, der zugleich klarstellt, dass für Anliegen wie das Entfernen eines Wespennestes eben nicht der BN, sondern die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt erster Ansprechpartner ist.

Ein weiteres Problem ist Rautenberg zufolge, dass viele Leute oft nur die Probleme vor der eigenen Haustüre im Blick hätten und nicht den Umweltschutz im Allgemeinen. Dann sei eben eine Bürgerinitiative der einfachere Weg, um sich einzubringen, anstatt eine eigene Ortsgruppe des BN zu gründen. Eine solche hätte als Träger öffentlicher Belange dann auch lokalpolitisches Mitspracherecht, etwa bei Bebauungsplänen.

Werbeaktionen sollen Menschen von den Naturverbänden überzeugen

Um mehr Menschen dazu zu bewegen, sich im Umweltschutz vor Ort aktiv einzubringen, rühren sowohl BN als auch LBV regelmäßig die Werbetrommel. Eine Haustüraktion brachte dem LBV vor etwa drei Jahren den letzten größeren Mitgliederschwung. Dieses Thema will der Vorsitzende Benedikt Sommer nun wieder verstärkt aufgreifen, auch um den Verein für die Zukunft zu rüsten. "Wir wollen schauen, dass wir noch mehr jüngere Mitglieder bekommen", sagt Sommer, für den der LBV aber auch weiterhin ein "Verein für alle" bleiben soll.

Um Menschen für den Vogelschutzbund zu begeistern, soll es Werbeaktionen geben, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit soll verstärkt werden. Derzeit feilen Sommer und Kollegen etwa an einem neuen Internetauftritt, wo dann auch besser auf Veranstaltungen und Aktionen hingewiesen werden kann. "Wir müssen für uns selber Werbung machen durch das, was wir tun", ist Sommer überzeugt.

Die Ärmel hochkrempeln will man auch weiterhin beim BN, zumal die bislang letzte Werbekampagne recht erfolgreich war. In 2018 habe man durch eine Haustüraktion im Landkreis auf einen Schlag zwischen 400 und 500 neue Mitglieder gewinnen können, wie Olaf Rautenberg sagt. Neben der jährlich erscheinenden Mitgliederzeitschrift versucht der BN auch regelmäßig mit Infoständen in der Region präsent zu sein.

Ob all diese Maßnahmen Wirkung zeigen, wird sich im Verlauf des Jahres herausstellen. Die Voraussetzungen dafür jedenfalls stehen so gut wie selten zuvor. Es finde ein spürbares Umdenken in der Gesellschaft statt, ist Benedikt Sommer überzeugt. Und noch etwas könnte den Verbänden nach Meinung des LBV-Vorsitzenden bei der Suche nach neuen Mitgliedern in die Karten spielen: "Naturschutz ist salonfähig geworden. Wir als Aktive sind inzwischen aus der Spinnerecke rausgekommen."

© SZ vom 22.01.2020/aju
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