Museum Wald und Umwelt:Unterwegs mit den "Flausmeistern"

Museum Wald und Umwelt: Die Ruhestörung im Nistkasten registrieren einige Bewohner mit erkennbarem Unwillen - hier eine Fransenfledermaus.

Die Ruhestörung im Nistkasten registrieren einige Bewohner mit erkennbarem Unwillen - hier eine Fransenfledermaus.

(Foto: Viktoria Pezzei/Repro: Christian Endt)

Im Sommer 2021 hat Fotografin Viktoria Pezzei Ehrenamtliche begleitet, die sich für den Schutz von Fledermäusen im Ebersberger Forst engagieren. Nun werden die beeindruckenden Bilder in einer Sonderausstellung im Museum Wald und Umwelt gezeigt.

Von Greta Wach, Ebersberg

Es war ein bisschen wie bei einem Adventskalender: Man konnte nie sicher sein, was man hinter dem Türchen vorfand. Allerdings ging es in diesem Fall nicht um Schokolade oder kleine Geschenke. Langohrfledermaus oder Großes Mausohr? Wespen oder vielleicht eine Siebenschläferfamilie? Das waren die Fragen, die das jüngste Projekt der Fotografin Viktoria Pezzei so spannend machten. Sie hat Ehrenamtliche begleitet, die sich um den Schutz und Erhalt der Fledermauspopulation im Ebersberger Forst kümmern. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist von diesem Samstag an im Museum Wald und Umwelt in Ebersberg zu sehen.

Museum Wald und Umwelt: Viktoria Pezzei hat die sogenannten "Flausmeister" im Jahr 2021 begleitet.

Viktoria Pezzei hat die sogenannten "Flausmeister" im Jahr 2021 begleitet.

(Foto: Christian Endt)

Der Ebersberger Forst ist Heimat für einige seltene Fledermausarten. Bislang konnten zwölf verschiedene Arten nachgewiesen werden. Doch ihre Populationszahlen schwanken. Auch in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Fledermäuse wieder zurückgegangen. Gründe hierfür sind vielfältig, doch ein gravierendes Problem ist die "Wohnungsnot" im Forst. Denn im Frühjahr müssen Fledermäuse nach geeigneten Unterkünften wie Baumhöhlen und Felsspalten suchen, um in den sogenannten "Wochenstuben" ihre Jungen gebären und aufziehen zu können. Doch es gibt zu wenig alte und absterbende Bäume, die als Quartiere genutzt werden können. Dadurch entsteht Konkurrenz um den knappen Wohnraum.

Mehr als 1000 Ersatz-Wohnhöhlen wurden angebracht

Im Jahr 2008 wurde deshalb von den Bayerischen Staatsforsten das Artenschutzprojekt "1000 Fledermauskästen" ins Leben gerufen. Mehr als 1000 Kästen aus Beton wurden als Ersatz-Wohnhöhlen angebracht, um dem Rückgang der Naturhöhlen entgegenzuwirken. Seitdem schwärmen jedes Jahr Ehrenamtliche - genannt "Flausmeister", eine Kreuzung der Wörter Fledermaus und Hausmeister - unter Koordination von Kerstin Mertens von der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst und Anleitung von Henriette Hofmeister aus. Ihre Aufgabe ist es, die Nutzung und den Inhalt der Kästen zu protokollieren, sie auf etwaige Beschädigungen zu prüfen und gegebenenfalls zu reinigen.

Im Sommer 2021 begleitete Fotografin und Fotojournalistin Viktoria Pezzei die Freiwilligen einige Wochen lang bei ihrer Arbeit. "Ich wollte die wichtige Arbeit der Ehrenamtlichen visuell darstellen", so die 30-Jährige aus dem Landkreis über ihre Motivation für dieses Projekt. "Artenschutz findet auch hier bei uns - quasi vor unserer Haustüre statt", erklärt die Fotografin weiter. Sie sehe ihre Aufgabe darin, über das regionale Artensterben aufzuklären und aufzuzeigen, wie lokaler Artenschutz aussehen kann.

Die Fotografin stand vor besonderen Herausforderungen

Die kleinen, scheuen und auch empfindlichen Tiere stellten die erfahrene und bereits mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnete Fotografin dabei vor besondere technische Herausforderungen. "Mir ist es wichtig, ethisch korrekt zu arbeiten", erklärt Pezzei. Die Fotos entstanden daher in enger Zusammenarbeit mit den erfahrenen Flausmeistern und unter sparsamen Einsatz von Blitz - trotz der dunklen Verhältnisse im Forst.

Ein Lieblingsbild aus der Serie hat die Fotografin nach eigenen Angaben nicht. "Jedes Bild erzählt eine ganz eigenen Geschichte", so Pezzei. Erst beim Öffnen der Kästen war klar, ob und vor allem welche Tiere sich hier verbargen, denn auch andere Tiere wie Siebenschläfer, Bienen, Wespen, Hornissen und einige Vogelarten haben die Behausungen für sich entdeckt. Doch auch diese sogenannten "Fehlbeleger" dürfen bleiben. "Wie die Fledermäuse stehen auch sie unter Naturschutz", erklärt Diplom-Biologin Ursula Kunz, die an der Ausstellung mitwirkte.

Museum Wald und Umwelt: Ursula Kunz mit einem jener Fledermauskästen, wie sie auch im Forst als Unterschlupf dienen.

Ursula Kunz mit einem jener Fledermauskästen, wie sie auch im Forst als Unterschlupf dienen.

(Foto: Christian Endt)
Museum Wald und Umwelt: Außer Fotos sind auch einige andere Exponate zu sehen, hier das Skelett eines Großen Abendseglers.

Außer Fotos sind auch einige andere Exponate zu sehen, hier das Skelett eines Großen Abendseglers.

(Foto: Christian Endt)

Die Ergebnisse ihrer Arbeit lassen sich von Samstag, 4. November, bis Montag, 1. April, im Ebersberger Museum Wald und Umwelt bestaunen. Alle Samstage, Sonn- und Feiertage steht die Ausstellung "Alles im Kasten - Fledermausschutz im Ebersberger Forst" allen Fledermausbegeisterten von 12 bis 17 Uhr offen. Nähere Informationen und das Begleitprogramm der Ausstellung sind auf der Homepage des Museums zu finden.

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