Benefizprojekt in Ebersberg:Kleine Menschen, große Wünsche

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Benefizprojekt in Ebersberg: Das Ebersberger Rathaus als Atelier: Hortkinder malen ihre Wünsche für die Zukunft.

Das Ebersberger Rathaus als Atelier: Hortkinder malen ihre Wünsche für die Zukunft.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ebersberger Kinder malen, was in ihren Augen wichtig wäre für die Zukunft - in ihrer Stadt, aber auch auf der ganzen Welt. Ein Ziel ist dabei besonders hoch im Kurs. Anfang Mai soll es eine Versteigerung geben.

Von Viktoria Niggemann, Ebersberg

Im altehrwürdigen Rathaus Ebersberg, da, wo die Geschicke der Kreisstadt gelenkt werden, zieren an diesem Tag Malervlies und bunte Farbpaletten den Boden. Sitzend und liegend malen Kinder in Kitteln aus alten Herrenhemden ihre Wünsche für eine glückliche Zukunft in Ebersberg und auf der ganzen Welt. Leises Gemurmel und Kreativität hauchen den spätgotischen Räumen eine unbefangene Lebendigkeit ein. "Little Future" nennt sich das Projekt, bei dem nun nach zweijähriger Pause wieder Kinder malen, was sie bewegt. Die Werke sollen dann Anfang Mai versteigert werden, der Erlös wird an die Kinderkrebshilfe Ebersberg gehen.

Benefizprojekt in Ebersberg: Roland Günther hat das Projekt "Little Future" ins Leben gerufen, weil er dem Nachwuchs eine Bühne geben will.

Roland Günther hat das Projekt "Little Future" ins Leben gerufen, weil er dem Nachwuchs eine Bühne geben will.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die kleinen Künstler stammen aus dem Hort St. Sebastian, sie sind zwischen sieben und neun Jahren alt. Erfahrungsgemäß seien kindliche Wünsche in diesem Alter von globaler Tragweite, sagt Initiator des Projekts Roland Günther - und das ist unschwer zu erkennen. Auf hochwertigem Aquarellpapier malen die Kleinen all das, was unsere Welt wohl merklich verbessern würde: Frieden, Umweltschutz, Liebe. Beim Malen ist es ganz still im Raum, die Kinder sind hochkonzentriert. Davon zeugen auch die schönen Ergebnisse, die die kleinen Künstler sich am Ende gegenseitig vorstellen dürfen. Das Werk der kleinen Stella etwa zeigt vier ihrer Herzenswünsche. Sie findet, dass Häuser nicht mehr so viel Geld kosten sollten, damit sich alle Menschen ein Zuhause leisten können. Außerdem wünscht sie sich Liebe, Frieden und "dass alle Menschen mit ihrer Familie zusammen sein können", sagt sie. "Besonders die aus der Ukraine."

Viele Bilder thematisieren Natur- und Tierschutz

Theos Bild wiederum zeigt ein Windrad neben einem Haus, in dem Licht brennt. Er wünscht sich für die Zukunft, dass mehr Wind- und Sonnenenergie genutzt wird, um die Umwelt zu schützen. Das schreibt er so auch in Signalfarben - schwarz auf rot - auf das zweite Papier, das alle Kinder bekommen haben, um ihre Ideen auch in Worte fassen zu können. "Damit jeder euere Wünsche versteht", wie Günther ihnen erklärt.

Benefizprojekt in Ebersberg: Viele Kinder fordern mit ihren Kunstwerken mehr Einsatz für die Natur.

Viele Kinder fordern mit ihren Kunstwerken mehr Einsatz für die Natur.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dem Natur- und Tierschutz widmen sich auch Elena und Jana. Elena wünscht sich, dass weniger Bäume gefällt werden, und Jana, dass Tiere geschützt und ausgewildert werden. Auf eine grüne Fläche hat sie Pferde gemalt: "Wir haben eine große Wiese neben unserem Haus, die wächst immer ganz hoch. Da könnten Pferde, Kühe und Hasen gut frei leben", erklärt sie. Auch Alisa möchte, dass Ebersberg und die Welt "schön" sind und weniger Lebensraum von uns Menschen zerstört wird.

Andere Kinder wünschen sich Freude, Gesundheit und Freiheit. Und ganz besonders eines: Frieden. Nisa zum Beispiel, sie hat dieses Wort mittig auf ihr Blatt geschrieben und es umrahmt. Drumherum hat sie bunte Herzen und Blumen "zur Dekoration" gemalt, "damit die ganze Welt weiß, dass Frieden das Wichtigste ist". Jeder brauche Frieden", nicht nur in Ebersberg, sondern auf der ganzen Welt, stimmt auch Sara zu.

Kinder "wissen viel besser, was uns allen gut tut, als wir Erwachsenen"

Maßgeblich getragen wird das Projekt "Little Future" von Anna Renner und Roland Günther. Renner ist Erzieherin im Hort und leitet die Kinder beim Malen an. Sie hat das gesamte Projekt betreut und mitorganisiert. Bereits zwei Mal sei in diesem Jahr mit verschiedenen Gruppen aus dem Hort gemalt worden, sagt sie, und eventuell gebe es noch eine dritte Runde nach den Ferien. Initiator Günther ist sehr froh über die Kooperation mit dem Ebersberger Hort: Renners Beteiligung gebe den Kindern einen festen Bezugsrahmen und schaffe Vertrauen, sagt er.

Benefizprojekt in Ebersberg: Ist begeistert von den Kinderwünschen, die stets von globaler Tragweite seien: Roland Günther.

Ist begeistert von den Kinderwünschen, die stets von globaler Tragweite seien: Roland Günther.

(Foto: Christian Endt)

Für Roland Günther, Vorsitzender des Vereins Dachsberger Institut für Bewusstseinsforschung und Zukunftsgestaltung, ist "Little Future" eine Herzensangelegenheit. Der Heilpraktiker für Psychotherapie initiierte das Wunsch-Malen bereits 2018 - damals wie heute aus zweierlei Gründen: Erstens möchte er, dass die nächste Generation ein eigenes Bewusstsein für ihre Zukunftswünsche entwickelt. Und zweitens, dass sie eine Bühne bekommt. "Denn es ist deren Zukunft, nicht unsere", sagt er mit Blick auf die Kinder. "Und sie wissen viel besser, was uns allen gut tut, als wir Erwachsenen".

Deshalb möchte Günther die Wünsche der Kinder "an die große Glocke hängen" - mit einer Ausstellung im Landratsamt sowie der Versteigerung der Wunschwerke im Mai. Außerdem soll "Little Future" kein "Stand-Alone-Projekt'" sein: Der Vernetzungsgedanke spiele für ihn eine große Rolle, sagt der Ebersberger, deshalb wolle er zum Beispiel mit der Versteigerung der Kinderkunstwerke die Kinderkrebshilfe unterstützen. Der gesamte Erlös soll kranken Kindern zugute kommen. Was Günther sich wünscht? Mit der Vielfalt eine Gemeinschaft zu bilden. Zusammenzuhalten, auch wenn nicht alle explizit das Gleiche wollten, besonders in dieser chaotischen Zeit.

Der Bürgermeister soll zwei Bilder als Inspirationsquelle bekommen

Am Rande der Malstunde verrät Günther außerdem von einem "Geheimprojekt" für den Bürgermeister von Ebersberg, Ulrich Proske. Dafür seien zwei Gemeinschaftsbilder geplant. Das eine werden wieder Kinder aus dem Hort malen, das andere sollen Erwachsene auf der Benefiz-Versteigerung Anfang Mai gegen eine Spende malen können. Mit ihren Zukunftswünschen. Beide Werke sollen dann dem Bürgermeister für sein Amtsbüro geschenkt werden - und ihn bei seiner Arbeit für die Gemeinschaft inspirieren.

Benefizprojekt in Ebersberg: Bürgermeister Uli Proske soll für sein Amtszimmer zwei "Wunsch-Bilder" bekommen - als Inspirationsquelle.

Bürgermeister Uli Proske soll für sein Amtszimmer zwei "Wunsch-Bilder" bekommen - als Inspirationsquelle.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Versteigerung ist übrigens Teil einer größeren Veranstaltung für die Kinderkrebshilfe am Samstag, 7. Mai, in der Ebersberger Volksfesthalle: Bernd Matzke, Hobby-Radiomoderator und DJ, organisiert dort ein "Benefiz-Schlager-Open-Air". Los geht es um 11 Uhr, mit einem reichhaltigen musikalischem Programm, angekündigt sind unter anderem Edeltraut Rey, Stefan Laier und Udo Alexander. Darüber hinaus gibt es den ganzen Tag über ein großes Angebot an Aktivitäten. Bei einer Tombola kann man zum Beispiel eine Fahrt mit einem Oldtimer gewinnen, die Ebersberger Bastards MC und Motorpoint organisieren eine Motorradausstellung. Die kleinen Gäste dürfen sich freuen auf eine Hüpfburg und Kinderschminken von einer professionellen Bodypainterin. Und um die Halle herum soll ein Flohmarkt stattfinden.

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