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Ebersberg:Lernen von den Jungen

Medienwerkstatt für Senioren, Mittelschule Ebersberg

Ebersberger Mittelschüler vermitteln Senioren in einem Workshop des Seniorenbeirats und der Stadt den praktischen Umgang mit ihrem Handy.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

An drei Freitagen bringen Ebersberger Mittelschüler Senioren bei, was sie mit ihrem Handy so alles anstellen können

Wer kennt schon alle Funktionen des eigenen Handys? Oder gar jede App, die er benutzen kann? Manche sind beim München-Navigator überfordert, anderen fällt es schwer, Google Maps statt einer Landkarte zu nutzen, und wieder andere verzweifeln bei dem Versuch, auf WhatsApp eine Sprachnachricht aufzunehmen. Während Jugendliche das alles scheinbar mühelos in den Kopf kriegen, stellt die Handynutzung wahrscheinlich für Senioren die größte Herausforderung dar. Daher hat der Seniorenbeirat Ebersberg nun den kostenlosen Workshop "Medienwerkstatt für Senioren" organisiert. An drei Freitagen werden die teilnehmenden Senioren an der Grund- und Mittelschule Ebersberg in Sachen Handy unterrichtet. Unterstützt werden sie dabei von Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse.

Den ersten Workshop-Vormittag am vergangenen Freitag übernahm Thomas John, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Er ist Initiator des Projekts, das er mit Hilfe von Schulleiter Alexander Bär und Peter Hölzer, bei der Stadt Ebersberg zuständig für Familie und Kultur, organisiert hat. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Rund 20 Senioren kamen zum ersten Treffen, um mehr über Online-Shopping, Soziale Netzwerke, WhatsApp und Co zu lernen. "Wir wollen heute mit den Grundlagen beginnen und erst einmal schauen, wie die Zusammensetzung ist", so John. Einige der Teilnehmer hatten bereits einen ähnlichen Workshop gemacht, in der kurzen Zeit aber nicht allzu viel gelernt, das wollten sie nun ändern. Zu Beginn wurde jedem von ihnen ein Schüler oder eine Schülerin zugeteilt, der sie über die nächsten Wochen begleiten wird.

Geübt wird auf eigenen Handys, manche musste John vor Beginn noch einrichten. Von Anfang an merkte man die positive Aufregung der Teilnehmer. Freundlich begrüßten sich Schüler und Senioren, die sofort ihre Probleme ansprachen und Tipps von ihren Partnern bekamen. Schon als die Handys angeschaltet werden sollten, stieg der Lärmpegel im Klassenzimmer. Es wurden wild Fragen und Tipps ausgetauscht und John hatte große Probleme, die Gruppe zum Zuhören zu bringen. Zu beschäftigt waren alle damit, sich WhatsApp erklären zu lassen oder die Einstellungen zu verstehen, bevor der Vorstand des Seniorenbeirats ihnen die Navigator-App, Spotify, Facebook oder die Wetter-App näherbringen konnte. Der enorme Altersunterschied zwischen Senioren und Schülern stellte kein Problem dar, es machte viel mehr den Eindruck, als wäre dies gerade der Reiz an der Sache. Dass die Nachfrage für den Workshop John zufolge sehr hoch war, ist verständlich, wenn man gesehen hat, welche Freude sowohl Schüler als auch Senioren an diesem Projekt haben. Und auch die anfängliche Aufregung des Organisators legte sich relativ schnell. Er könne sich gut vorstellen, dieses Projekt im Sommer zu wiederholen, erklärte er.

An den kommenden zwei Vormittagen werden die Senioren mehr über das Einrichten und Bedienen von Smartphones sowie das Online-Banking lernen. Unterstützt wird der Seniorenbeirat von Mitarbeitern der Kreissparkasse und der Firma Fonland. Die fehlenden Unterrichtsstunden für die Schülerinnen und Schüler sind dabei kein Problem. Wie Schulleiter Alexander Bär erklärte, wird der Workshop als Projekt und somit als Teil des Unterrichts angesehen. Besonders die Stunde über Online-Banking passe dabei gut zum Lehrplan.

© SZ vom 17.02.2020
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