Horstbau in EbersbergStörche sind sturer als die Bahn

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Ast für Ast, Zweig für Zweig bauen die beiden Weißstörche in Langwied ihren Horst wieder auf, den die Deutsche Bahn hatte abräumen lassen.
Ast für Ast, Zweig für Zweig bauen die beiden Weißstörche in Langwied ihren Horst wieder auf, den die Deutsche Bahn hatte abräumen lassen. Peter Hinz-Rosin
  • Störche bauen nach der Zerstörung ihres Nestes durch die Deutsche Bahn unbeirrt wieder einen Horst auf demselben Strommast in Langwied auf.
  • Anwohner verhindern durch spontanen Protest eine erneute Entfernung des Storchennestes und versammeln sich direkt unter dem Horst.
  • Die Deutsche Bahn lenkt nach Verhandlungen ein und duldet den Storchenbau in diesem Jahr, nachdem Kunstschmied Larasser einen Ersatzhorst angeboten hatte.
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Nach der Zerstörung ihres Nestes bauen die beiden Vögel es unbeirrt wieder auf. Und die Anwohner verhindern eine neuerliche Entfernung  - und bewegen die Bahn zum Einlenken.

Von Anja Blum, Ebersberg

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Unsereins resigniert ja recht schnell angesichts der vielen Unannehmlichkeiten, die einem die Bahn manchmal so bereitet. Die Ebersberger Störche allerdings haben sich davon nicht beirren lassen. Nachdem der Schienenkonzern ihr Nest auf einem Strommast hatte entfernen lassen, fingen die beiden Vögel gleich wieder an, an selber Stelle erneut einen Horst zu bauen. Unermüdlich fliegen sie den Brutplatz an. Erst mit etwas dickeren Ästen im Schnabel, für die Stabilität, dann mit dünneren. Schließlich soll es der Nachwuchs auch bequem haben.

Von Frust über die Zerstörung des Nestes also keine Spur? Storchenfachmann Richard Straub vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) wundert diese Beharrlichkeit der beiden Tiere überhaupt nicht: „Störche sind sehr stur. Auf diesem Mast hatten sie schon einmal einen guten Bruterfolg, deshalb ist es aus ihrer Sicht ein guter Platz.“

Das wussten offensichtlich auch die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn und schickten an diesem Freitagvormittag erneut zwei Mitarbeiter nach Langwied, um den recht weit fortgeschrittenen, neuen Storchenbau erneut zerstören zu lassen. Dieses Vorhaben aber entging den Anwohnerinnen und Anwohnern nicht – die sich prompt zu einer Protestaktion versammelten, und zwar mit Erfolg.

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Die Bahn lässt ein Storchennest auf einem Strommast in Ebersberg entfernen – ausgerechnet, als die Störche gerade erst wieder eingezogen waren. Die Ebersberger sind enttäuscht, Fachleute verärgert.

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Federführend bei den Verhandlungen mit der Bahn war Matthias Larasser, Chef der Kunstschmiede Bergmeister, auf deren Gelände sich der von den Störchen auserwählte Strommast befindet. Den Angestellten des Schienenkonzerns sei es grundsätzlich erlaubt, das private Areal zu betreten und den Mast zu besteigen, erklärt Larasser, weil eben jene Stromtrasse weiterführe bis nach Grafing-Bahnhof, um dort die Züge mit Strom zu versorgen.

„Doch dass sie vor ein paar Tagen einfach ohne Ankündigung gekommen sind, um den Horst zu zerstören: Das hat mich wahnsinnig geärgert“, sagt Larasser. So nämlich habe man keine Chance gehabt, rechtzeitig etwas gegen diesen Frevel an der Natur zu unternehmen. Überdies habe die Bahn angekündigt, Platten an dem Mast anbringen zu wollen, um einen weiteren Nestbau dort zu verhindern. „Aber das hätte bedeutet, dass dieses Paar heuer wohl überhaupt nicht mehr gebrütet hätte“, so Larasser.

Auch an diesem Tag hatte die Bahn niemanden über die neuerliche Entfernungsaktion informiert. Diesmal reagierten die Anwohnerinnen und Anwohner aber sofort: Die gesamte Belegschaft der Kunstschmiede sowie ein paar andere Ebersberger Storchenfreunde versammelten sich, und zwar direkt unter dem Horst. So nämlich war es den Bahnmitarbeitern nicht möglich, dessen Bestandteile einfach, wie beim ersten Mal, aus der großen Höhe auf den Boden zu schmeißen.

Der Strommast mit dem Horst befindet sich auf dem Gelände der Kunstschmiede Bergmeister, die ganz spontan einen Protest gegen die neuerliche Zerstörung des Storchenbaus initiiert hat.
Der Strommast mit dem Horst befindet sich auf dem Gelände der Kunstschmiede Bergmeister, die ganz spontan einen Protest gegen die neuerliche Zerstörung des Storchenbaus initiiert hat. Anja Blum

Und in der Diskussion legte Larasser sogar noch einen drauf: Wenn die Bahn auf ihren Plänen beharre, werde man auf der Wiese unter dem Mast ein Zeltlager errichten, samt Grill. Überdies bot der Langwieder an, für einen Ersatzhorst auf seinem Gelände zu sorgen. „Wir sind eine Kunstschmiede – wenn wir keinen Masten bauen können, wer dann? Und wir werden das Nest luxuriös ausstatten, sodass sich die Störche darin ganz bestimmt wohlfühlen.“

Und siehe da: Letztlich stieß der Appell, es sich bitte noch einmal zu überlegen, auf positive Resonanz. Nach mehreren Telefonaten mit ihrem Konzern sagten die beiden Bahnmitarbeiter zu, dass man den Storchenbau in diesem Jahr dulden werde. „Und ich hatte das Gefühl, sie waren selbst froh, ihren Auftrag diesmal nicht ausführen zu müssen“, erzählt eine Anwohnerin.

Freuen sich sehr über die erfolgreiche Intervention von Kunstschmied Matthias Larasser (rechts): Sepp Biesenberger, Martina Brenner und Antje Berberich.
Freuen sich sehr über die erfolgreiche Intervention von Kunstschmied Matthias Larasser (rechts): Sepp Biesenberger, Martina Brenner und Antje Berberich. Anja Blum

Ganz besonders groß ist die Freude freilich bei LBV-Experte Straub, der bereits seit Langem versucht, möglichst viele Störche im Landkreissüden anzusiedeln. Er sagt, er halte die Gefahr des Horsts für überschaubar, weil der Mast mit ungewöhnlich langen Hängeisolatoren versehen sei. Und selbstverständlich werde er der Kunstschmiede mit Rat und Tat beiseite stehen, um dem majestätischen Vogelpaar gemeinsam eine dauerhafte Bleibe in Langwied zu ermöglichen. Drei Küken haben die Weißstörche dort im vergangenen Jahr großgezogen. Nun besteht zum Glück die berechtigte Hoffnung, dass sie wieder so erfolgreich sein werden.

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