Kinder und Familien im Landkreis EbersbergMehr Geld für Tageseltern

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Um die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit von Tageseltern ging es im Jugendhilfeausschuss des Ebersberger Kreistages.
Um die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit von Tageseltern ging es im Jugendhilfeausschuss des Ebersberger Kreistages. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Der Landkreis Ebersberg will für die Kindertagespflege höhere Zuschüsse zahlen. Das könnte letztlich die Kommunen entlasten.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Wer im Landkreis Kinder im Rahmen der Tagespflege betreut, soll mehr Geld bekommen. Dies hat der zuständige Ausschuss des Kreistages nun mit großer Mehrheit beschlossen. Rückwirkend zum Beginn des Betreuungsjahres am 1. September gibt es für Tageseltern 8,7 Prozent mehr Vergütung.

Unter Kindertagespflege versteht man ein Betreuungsangebot, das nicht von öffentlichen Einrichtungen wie Krippen, Kindergärten oder Horten, sondern von selbständig arbeitenden Tageseltern – meist Tagesmüttern – geleistet wird. Es richtet sich grundsätzlich an Kinder bis 14 Jahre, meist werden dort aber Kleinkinder bis drei Jahre betreut. Eltern zahlen derzeit monatlich knapp zehn Euro pro Wochenstunde Betreuung in der Kindertagespflege, bei 30 Wochenstunden also etwa 300 Euro.

Tageseltern sind Selbständige, bezahlten Urlaub und Krankentage gibt es nicht

Das Geld geht ans Jugendamt, welches die Summe dann aufstockt, um die entstehenden Sachkosten der Tagespflegeeinrichtungen zu decken. Das sind beispielsweise Miete, Strom, Wasser oder Heizung. Auch Essen und Getränke, Hygieneprodukte, Spielsachen und Fahrtkosten, etwa für Ausflüge, sind enthalten. Der Landkreis erstattet, je nach Förderbedarf, zwischen 2,23 und 10,81 Euro pro Kind und Stunde, außerdem gibt es je nach Qualifizierung der Pflegeperson einen Stundenzuschlag zwischen 1,22 und 2,99 Euro.

Die Elternbeiträge und Zuschüsse von Staat, Landkreis und Kommunen reichen nicht aus, um diese Kosten zu decken: Das Defizit liegt laut Verwaltung derzeit bei etwa 223 000 Euro im Jahr, künftig könnte es auf bis zu 273 000 Euro steigen. Diese Summe muss aus dem Landkreis-Haushalt bezahlt werden.

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Tageseltern arbeiten als Selbständige, im Gegensatz zu Angestellten in den Kitas gelten bestimmte arbeitsrechtliche Vorgaben nicht. Es gibt beispielsweise keine bezahlten Kranken- oder Urlaubstage. Einige Leistungen übernimmt der Landkreis Ebersberg auch bisher schon, etwa die Unfallversicherung sowie den Arbeitgeberanteil für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Künftig, so hatte es der zuständige Ausschuss bereits im Juni beschlossen, sollen wenigstens sogenannte „betreuungsfreie Tage“ regulär vom Zuschuss des Landkreises gedeckt werden.

Rund 50 000 Euro wird der Landkreis für den Zuschuss pro Jahr mehr ausgeben müssen

Wie Jugendamtsleiter Florian Robida nun im Jugendhilfeausschuss erläuterte, habe man diese bezahlten Urlaubs- und Krankentage in die entsprechenden Richtlinien eingearbeitet. Künftig sollen die Stundensätze der Tageseltern „mit dem Faktor 1,087 multipliziert“ werden, was also eine Erhöhung um 8,7 Prozent bedeutet. Für die Eltern, die ihre Kinder in die Betreuung geben, soll sich preislich aber nichts ändern.

Robida wies aber auch darauf hin, dass die zusätzlichen rund 50 000 Euro pro Jahr noch nicht im Budget der Jugendhilfe eingeplant sind. Dieses hatte der Kreis- und Strategieausschuss im Juni auf genau 19 Millionen Euro gedeckelt, ein Sachverhalt, der im Jugendhilfeausschuss sehr umstritten ist. Das Gremium lehnte diesen Haushaltsentwurf ab, nun muss der Kreistag final über den Etat entscheiden, die Debatte verspricht kontrovers zu werden.

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Die Erhöhung der Stundensätze für Tageseltern dürfte davon allerdings wohl unberührt sein, zumindest wenn man nach dem Abstimmungsverhalten im Jugendhilfeausschuss geht. Dort votierten sowohl die externen Experten als auch die Kreistagsmitglieder – mit Ausnahme von Grafings Bürgermeister Christian Bauer (CSU) – für die Erhöhung.

Dies sei zum einen eine Unterstützung für eine „sehr wertvolle Arbeit“, sagte Bianka Poschenrieder (SPD), zum anderen aber auch notwendig, damit überhaupt Menschen in dem Bereich arbeiten. Sie verwies auf eine aktuelle Kontroverse in München, wo unter anderem wegen der nicht bezahlten Krankentage einige Tagesmütter die Fortsetzung ihrer Tätigkeit in Zweifel ziehen.

Dass sich die Politik bemühen solle, mehr Tageseltern zu finden, forderte auch Ottilie Eberl (Grüne). Denn dies helfe sowohl den Eltern – aber vor allem den Städten und Gemeinden im Landkreis: „Alle Kommunen sind doch froh, wenn es die Tageseltern gibt – das spart Krippenplätze.“

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