Süddeutsche Zeitung

Aktion der Bundesregierung:100 Euro für Kultur geschenkt

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Der Kulturpass wird dieses Jahr etwa 1600 Personen aus dem Landkreis Ebersberg angeboten. Ausgeben dürfen sie das Budget für Kulturangebote. Doch wird das Angebot überhaupt in Anspruch genommen?

Von Antonia Aţurcăniţei, Ebersberg

Geld für Konzerte, Bücher oder sogar Musikinstrumente. Das steht den - laut Landratsamt Ebersberg - 1547 Personen im Landkreis zu. Diese werden dieses Jahr nämlich 18 Jahre alt und haben deshalb seit 1. März Anspruch auf 100 Euro - im Rahmen der Initiative des Kulturpasses. Die vom Deutschen Bundestag ins Leben gerufene Aktion soll die junge Generation für die Kultur vor Ort begeistern und "die Kulturbranche unterstützen", heißt es auf der Webseite des Kulturpasses.

Das Budget von 100 Euro bekommen die 18-Jährigen, indem sie sich in der Kulturpass-App anmelden und sich dort identifizieren - ab ihrem Geburtstag wird ihnen das 100-Euro-Budget freigeschaltet. Laut der Webseite des Kulturpasses kann man sich als deutscher Bürger mit der Online-Funktion des Ausweises identifizieren. Dabei wird eine persönliche PIN gebraucht, die einem normalerweise nach Beantragung eines Personalausweises per Post zugeschickt wird. "Wenn man die PIN nicht mehr hat, kann man sie bei den örtlichen Behörden beantragen", erklärt ein Sprecher der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Für EU-Bürgerinnen und -Bürger gilt es ebenfalls, die PIN zu benutzen, denn sie haben die elektronische Identifizierungs-Karte (eID). Diese "können alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union und Angehörige des Europäischen Wirtschaftsraums, die mindestens 16 Jahre alt sind" beantragen, heißt es auf der Webseite des Kulturpasses. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, sich als Nicht-EU-Bürgerin oder -Bürger mit seinem elektronischen Aufenthaltstitel (eAT) zu identifizieren. Dabei sei die Online-Funktion dieses Aufenthaltstitels bereits angelegt und müsse noch aktiviert werden. Im Anschluss an die erfolgreiche Identifizierung wird geprüft, ob man die Voraussetzungen erfüllt - heißt, ob man im Jahr 2024 volljährig wird. Dann stehen den registrierten Personen ab ihrem Geburtstag 100 Euro zur Verfügung.

58 Personen im Landkreis Ebersberg haben das Budget bisher freigeschaltet

Laut eines Sprechers der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) haben seit dem 1. März bundesweit über 37 000 Personen des Jahrgangs 2006 ihr Budget von 100 Euro freigeschaltet. Im Landkreis Ebersberg waren es - bei 1547 berechtigten Personen - lediglich 58, die seit dem 1. März das Angebot in Anspruch genommen haben.

Woran liegt das? Annalena Ludwig ist Abiturientin am Gymnasium Grafing und wird dieses Jahr 18 Jahre alt. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, an ihre 100 Euro zu kommen. "Ich wollte es schon vor Monaten beantragen", sagt sie. Dabei sei sie über viele Hürden gestolpert - zum einen habe sie ihren Pass nicht in die App hochladen können, zum anderen habe sie nicht über ihre PIN verfügt, woraufhin sie diese erneut beantragen musste. "Ich glaube, das schreckt viele ab", sagt die Abiturientin. Ihr Budget möchte sie hauptsächlich für Kinogutscheine, Bücher, sowie Gutscheine für die Ticketplattform Eventim ausgeben. Von dem Angebot der Bundesregierung habe sie von ihren Freundinnen und Freunden erfahren. Und auf Tiktok - dort habe sie eine Werbung dafür gesehen.

Es gebe zu wenig Werbung für den Kulturpass, kritisiert Veranstalter Markus Bachmeier

Ebenfalls durch die sozialen Medien kam Sophie Oswald auf den Kulturpass. Auf Instagram habe die Abiturientin Werbung dafür bekommen, sonst sei das Angebot nicht viel beworben gewesen - auch nicht in der Schule. "Genauere Sachen habe ich eher von Freunden gehört", sagt die 17-Jährige. Die 100 Euro habe sie bisher nicht beantragt. Jedoch plant sie, das Geld dafür zu verwenden, Theaterveranstaltungen oder Konzerte in München zu besuchen. Lokale Veranstaltungen in Grafing und im Landkreis seien für sie nicht so präsent. "Was gibt's denn in Ebersberg?", fragt sich die Abiturientin. Oswald hielte es für besser, wenn das Budget aufgeteilt werden würde: "Ein Teil nur für klassischere Kultur" - sprich Opernaufführungen, klassische Konzerte oder Theater. Der andere Teil solle frei ausgegeben werden dürfen. Das würde, so Oswald, "eher motivieren, auch mal ein klassisches Konzert zu besuchen", sagt sie.

Wenn man in der Kulturpass-App nach Veranstaltungen in einem Zehn-Kilometer-Radius um das Ebersberger Zentrum sucht, sind die meisten angebotenen Veranstaltungen solche des Altes Kinos in der Kreisstadt. Geschäftsführer Markus Bachmeier hat im Programmheft eine Seite für den Kulturpass integriert. Dort wird darauf aufmerksam gemacht, dass man die Veranstaltungen des Altes Kinos in der Kulturpass-App findet. Dabei würden bestimmte Veranstaltungen freigegeben. Berücksichtigt werden die, die bei den Jugendlichen gut ankämen, so Bachmeier. Dieses Jahr habe es im Alten Kino bisher keine Reservierungen über den Kulturpass gegeben. "Ich glaube, viele wissen das nicht", sagt der Geschäftsführer. Bachmeier hält den Anmeldungsprozess über die Kulturpass-App ebenfalls für relevant. "Es stellt eine Hürde dar", sagt er.

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