Kunsttherapie:Malen gegen Kummer

Kunsttherapie: Klinik-Clownin Rosa versteigert Bilder von Kindern krebskranker Mütter zugunsten des Nachsorgeprojektes Kleeblatt. Daneben Cornelia Höß. Die damalige Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe hatte die Initiative 2008 federführend ins Leben gerufen.

Klinik-Clownin Rosa versteigert Bilder von Kindern krebskranker Mütter zugunsten des Nachsorgeprojektes Kleeblatt. Daneben Cornelia Höß. Die damalige Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe hatte die Initiative 2008 federführend ins Leben gerufen.

(Foto: Christian Endt)

Seit 20 Jahren unterstützt das Ebersberger Kleeblatt schon Brustkrebspatientinnen und ihre Familien. Bilder, die in Workshops für Kinder krebskranker Mütter entstanden sind, wurden nun der Öffentlichkeit präsentiert und versteigert.

Von Greta Wach, Ebersberg

Trotz der Eiseskälte und dem Schneechaos auf den Straßen fanden sich auch diesmal wieder zahlreiche Gäste im Foyer der Ebersberger Kreisklinik ein, um die Werke der jungen Künstler zu bestaunen. Leinwände - kleine und große - so weit das Auge reicht. Manche zeigen klare Motive, andere sind eher abstrakt gehalten - teils in satten Farben, teils schwarz-weiß. Doch eines verbindet die Bilder alle miteinander. Sie entstanden in einer Reihe von Kunstworkshops mit dem Titel "Ich schenk' Dir einen Traum" unter Leitung der beiden Kunsttherapeutinnen Jutta Seyfried und Gaby Müller. Das Projekt ist Teil des Ebersberger Kleeblatts - einem Projekt zur psychosozialen Unterstützung und Nachsorge von Brustkrebspatientinnen und ihren Familien, das an der Klinik in Ebersberg angesiedelt ist.

Kinder von an Krebs erkrankten Frauen können hier mehrmals im Jahr künstlerisch tätig werden und ausdrücken, was oft nicht in Worte passt. "In der Kunst gibt es kein Schön und kein Hässlich. Es gibt kein Richtig und kein Falsch", erklärt Gaby Müller. So könnten die Kinder ihre Gedanken und Gefühle jenseits von Worten völlig wertneutral verarbeiten. Die Krankheit der Mutter wird hier bewusst nicht sprachlich thematisiert, was durchaus entlastend für die Kinder sein kann. Aber wer reden möchte, kann das natürlich jederzeit tun.

Die Teilnahme am Kurs ist für die Kinder kostenlos

Das Ganze sei mit keinerlei Erwartungen oder Druck verbunden, wie Paula, eine Teilnehmerin der Workshops, berichtet. "Man geht einfach hin und malt. Ich geh eigentlich immer entspannter raus als vorher", erzählt sie. Die Teilnahme am Kurs ist für die Kinder kostenlos. Sie können kommen, so oft sie wollen, doch die Nachfrage ist groß. Nicht selten begleiten die beiden Therapeutinnen die Kinder in dieser schwierigen Situation über Jahre hinweg und es entsteht eine enge Bindung. "Die Kinder werden erwachsen mit uns. Mit manchen haben wir immer noch Kontakt", erzählt Müller.

Kunsttherapie: Einfach hingehen und malen - und vielleicht dabei einige Sorgen vergessen, das ist die Idee hinter dem Workshop.

Einfach hingehen und malen - und vielleicht dabei einige Sorgen vergessen, das ist die Idee hinter dem Workshop.

(Foto: Christian Endt)

"Man hat einfach gemerkt, ganze Familien sind von solchen Schicksalen betroffen. Kinder - egal welches Alter - merken, dass da etwas los ist", erklärt Cornelia Höß. Die damalige Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe hatte die Initiative 2008 federführend ins Leben gerufen. Deshalb umfasst das Programm nicht nur Angebote wie Gesprächs -, Tanz- oder Kunsttherapien, Sportkurse und Kosmetikseminare für die Patientinnen. Auch Familiensprechstunden, Seminare, an denen auch Angehörige teilnehmen können und die Kunstworkshops für Kinder und Jugendliche gehören dazu.

Seit 20 Jahren gibt es das Nachsorgeprojekt Kleeblatt in Ebersberg bereits

Dank moderner Medizin können von Brustkrebs betroffene Frauen schon nach nur wenigen Tagen im Krankenhaus wieder entlassen werden. Doch auch dann herrsche unter den Patientinnen und ihren Familien häufig noch viel Angst und Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit, erklärt Höß weiter. Wichtig sei daher auch eine ganzheitliche, poststationäre Versorgung der Patientinnen und ihrer Angehörigen, die das Ebersberger Kleeblatt seit nun schon 20 Jahren leistet. Denn es hat sich gezeigt, dass eine verbesserte Lebensqualität der Frauen trotz aller Belastungen möglich ist und Unterstützungsangebote den Heilungsprozess beschleunigen können.

Kunsttherapie: Für nahezu alle Bilder haben sich Abnehmer gefunden, manche Werke gingen für mehr als 100 Euro weg.

Für nahezu alle Bilder haben sich Abnehmer gefunden, manche Werke gingen für mehr als 100 Euro weg.

(Foto: Christian Endt)

"Es ist gut zu wissen, dass dann jemand da ist, wenn wir die Patientinnen nach Hause schicken", sagt auch der leitende Oberarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe Stephan Hasmüller bei seiner Begrüßung der Gäste an diesem Abend und bedankt sich für die großartige Arbeit. Auch Landtagsabgeordnete Doris Rauscher und Bürgermeister Ulrich Proske wandten sich in ihren kurzen Ansprachen mit lobenden Worten an das Team des Ebersberger Kleeblatts. Im Jahr 2017 wurde dieses einzigartiges Engagement beim Bayerischen Krebspatientenpreis mit dem dritten Platz ausgezeichnet.

Wie in den Jahren zuvor werden die Bilder auch diesmal wieder von Klinik-Clownin Rosa - mit buntem Hut und roter Nase - versteigert. Vom Erlös werden Materialkosten gedeckt, sodass die Workshops für die Betroffenen auch in Zukunft kostenlos angeboten werden kann. Es ist die erste Vernissage, die nach vier Jahren coronabedingter Pause nun wieder stattfinden kann. Umso ausgelassener war die Stimmung und umso großzügiger waren die Gäste auch mit ihren Geboten. So manches Mal wurde für einzelne Bilder mehr als 100 Euro geboten. Am Ende des Abends sind nahezu alle Bilder versteigert. Die heiß begehrten Werke werden wohl künftig das Büro des Bürgermeisters, das Gästezimmer der stellvertretenden Landrätin oder das Badezimmer der übrigen Auktionsteilnehmer schmücken.

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