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Ebersberg:Impfstart an der Kreisklinik

Erste Corona-Impfungen im Landkreis

Impfungen für das Personal gibt es in der Klinik und im Testzentrum.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Etwa 50 Prozent des Personals sind bereit, sich das Vakzin gegen den Covid-19-Erreger verabreichen zu lassen.

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Am Mittwoch haben die Impfungen gegen den Covid-19-Erreger für das Personal der Ebersberger Kreisklinik begonnen. Laut Plan sollen in den kommenden vier Wochen jeden Tag 25 Impfungen vorgenommen werden, wie Klinik-Geschäftsführer Stefan Huber auf Nachfrage mitteilte. Eine Umfrage unter dem Personal vor etwa vier Wochen ergab eine Impfbereitschaft von etwa 50 Prozent. Bei einem Mitarbeiterstab von insgesamt 1050 Personen sind das also 525 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. "Ich hätte schon gedacht, dass die Bereitschaft höher liegt", so Huber. Er rechnete mit einem Ergebnis von um die 80 Prozent. Aber er betonte auch: "Es ist eine rein persönliche Angelegenheit, ob sich jemand impfen lässt oder nicht."

Bayernweit sind in der ersten Januar-Woche bereits mehr als 15 000 Impfungen an Pflegekräften und ärztlichem Personal erfolgt, wie die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) in einer Pressemitteilung schreibt. Demnach habe bei einer ersten groben Schätzung die Impfbereitschaft im November noch zwischen 50 und 70 Prozent gelegen. Da die Anmeldelisten für die Impfungen des medizinischen Personals derzeit jedoch voll seien, geht die BKG davon aus, dass die Impfbereitschaft aktuell deutlich höher liegt als noch vor zwei Monaten.

Auch Stefan Huber vermutet, dass mittlerweile mehr Personen unter seinem Klinik-Personal bereit sind, sich impfen zu lassen, als es zum Zeitpunkt der Umfrage vor vier Wochen der Fall war. "Manche fühlen sich jetzt informierter als damals", so der Klinik-Chef. Sein Eindruck ist, dass die Bereitschaft beinahe täglich variiert.

Die 25 Impfdosen täglich sollen so lange verabreicht werden, bis alle aus dem Personal, die Bedarf angemeldet haben, geimpft sind - in etwa vier Wochen dürfte das der Fall sein. Sollten darüber hinaus noch Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen den Wunsch nach einer Impfung äußern, werde dementsprechend nachgeordert, so Huber. Für die Reihenfolge, in der die Impfungen erfolgen, wurde das Personal in zwei Kategorien eingeteilt: Solche ohne Kontakt zu Covid-Patienten oder Verdachtsfällen werden erst geimpft, wenn alle mit direktem Kontakt eine Impfung erhalten haben. Letzteres betrifft Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte in der zentralen Notaufnahme, auf der Intensivstation, der Covid-Station, der Covid-Verdachtsstation sowie für dort eingesetzte Reinigungskräfte oder therapeutisches Personal.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich einmal geimpft sein werden, wird Huber nie sicher wissen, wie er erklärt. "Unsere Mitarbeiter können sich auch individuell beim Landratsamt oder Gesundheitsamt melden, um beim dortigen Testzentrum einen Impftermin zu vereinbaren." Weder bestehe ja eine allgemeine Pflicht, sich impfen zu lassen, noch müsse eine Impfung in der Kreisklinik erfolgen. Darüber hinaus herrscht ärztliche Schweigepflicht; der Betriebsarzt, der in der Klinik die Impfungen vornimmt, sowie das Personal des Ebersberger Testzentrums dürfen also keine Informationen weitergeben, bei wem die Impfnadel angesetzt wurde.

"Grundsätzlich würden wir uns wünschen, dass sich alle impfen lassen", sagt Huber. "Aber wir nehmen da sicherlich keine Bevormundung vor." Eine Impflicht für medizinisches Personal, wie sie derzeit diskutiert wird, muss laut Huber eine politische Entscheidung sein und keine, die die Geschäftsführung einer Klinik trifft. Die derzeit geltenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssten so oder so in Kraft bleiben, da Geimpfte zwar nicht mehr an Corona erkranken, aber noch unklar ist, ob sie im Fall einer Infektion den Virus weitertragen können. Er selbst lässt sich auf jeden Fall impfen.

© SZ vom 15.01.2021
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