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Im Landkreis Ebersberg:Worte mit Freiheiten

Die Ausstellung mit allen eingereichten Werken findet beim Ebersberger Kunstverein statt. 2019 lautete das Thema "Vorsicht, zerbrechlich!".

(Foto: Christian Endt)

"Wer braucht das alles?" - so lautet das Motto des diesjährigen Jugendkulturpreises. Teilnehmen können Menschen von sieben bis 21 Jahren

Von Nathalie Stenger, Ebersberg

Es sei kein Coronathema geworden, erklärt Philipp Spiegelsberger - obwohl die Planungen tatsächlich im Lockdown per Videokonferenz stattgefunden hätten. Nein, die Jury hat sich anders entschieden, das Motto des diesjährigen Jugendkulturpreises lautet: "Wer braucht das alles?" Denn diese Thematik beschäftige die Gesellschaft grundsätzlich schon länger", erklärt der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Ebersberg (KJR), "gerade der Aspekt der Nachhaltigkeit". Deshalb die Themenwahl.

Der Ebersberger Jugendkulturpreis richtet sich an alle jungen Künstlerinnen und Künstler im Alter von sieben bis 21 Jahren, er wird heuer bereits zum 21. Mal vom Kreisjugendring ausgelobt. Teilnehmen dürfen Einzelpersonen, Gruppen und Schulklassen, der Einsendeschluss ist am 5. Oktober. In welcher Form das Thema behandelt wird, ist nicht vorgeschrieben. Ganz im Gegenteil: "Alle Arten der Umsetzung sind erlaubt", heißt es in der Ausschreibung des KJR.

"Das macht den Jugendkulturpreis auch so besonders", betont Jurorin Barbara Lux. "Kinder und Jugendliche machen sich explizit zu einem Thema Gedanken". Dabei sei dieses aber so weitläufig gefasst, dass sich niemand eingeschränkt fühlen müsse. "Wir wählen stets einen Begriff oder Worte, die alles beinhalten, aber Freiheiten lassen", sagt die Filmkennerin vom Alten Kino in Ebersberg. So sind in den vergangenen Jahren zu den Themen "Freundschaft", "Glückskeks" oder "schöne neue Welt" schon Gemälde, Zeichnungen, Comics, Daumenkinos, Kurzfilme inklusive Storybook eingereicht worden, außerdem Songs oder sogar Hörbücher.

Weil so vieles aktuell ungewiss ist, lässt sich die Ausstellung beim Kunstverein Ebersberg zum jetzigen Zeitpunkt leider nur bedingt planen. Stattfinden soll sie aber unbedingt: "Das ist jedes Mal so besonders für die jungen Menschen, wenn sie ihre Kunstwerke in einer echten Galerie sehen - Ausstellung und Preisverleihung würden wir deshalb wirklich gerne veranstalten", betont Spiegelsberger. "Aber unter Vorbehalt", fügt er hinzu. "Wenn es die Lage im Oktober hergibt, werden wir mit einem umfassenden Hygienekonzept arbeiten." Es soll wie gewohnt Musik, Snacks und Getränke geben.

Wie viele Preisträger es 2020 im Endeffekt geben wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. "Das entscheidet die Jury frei je nach Anzahl der Teilnehmenden", erklärt Spiegelsberger. Auch die eingereichten Werke in Alterskategorien einzuteilen, sei der Jury überlassen. "Es gibt keine fixe Tabelle", sagt Spiegelsberger.

Neben Barbara Lux sitzen dieses Jahr der SZ-Fotograf Peter Hinz-Rosin, Janis Michal vom Kreisjugendring und Luci Ott vom Kunstverein Ebersberg in der Jury. "Die beiden Letzteren bringen durch ihr junges Alter andere Blickwinkel in die Bewertung", erzählt Barbara Lux, das sei bei der Entscheidungsfindung sehr hilfreich. Die Wahl der Preisträger erfolgt stets anonym und in zwei Runden. Einmal nur mit dem Hinweis auf eine Einzel- oder Gruppenarbeit, danach erst mit Angaben zum Alter der Künstlerinnen und Künstler.

Bei der Preisvergabe kann neben der Jury seit vergangenem Jahr auch das Publikum mitreden. "Das Prinzip ist super", so Spiegelsberger. Sobald die Ausstellung geöffnet ist, kann jeder Besucher per Zettel für sein liebstes Werks votieren . Bei der Finissage wird dann auch der Publikumsfavorit prämiert. "Theoretisch kann ein Wettbewerbsbeitrag sogar doppelt gewinnen", erklärt der Geschäftsführer des KJR. "Interessanterweise gehen die Meinungen dabei gar nicht so weit auseinander, der Publikumspreis 2019 ging an den von der Jury Viertplatzierten".

Weil der Sommerurlaub dieses Jahr für viele Ebersberger entweder ganz ausfällt oder zumindest sehr eingeschränkt stattfinden wird, rechnet das Team um Spiegelsberger durchaus mit reichlich Einsendungen. "Zumindest mit so vielen wie letztes Jahr", sagt er, da waren es 68, ein neuer Rekord.

Die Abgabe der Wettbewerbsbeiträge ist bis zum 5. Oktober um 16 Uhr in der Geschäftsstelle des Kreisjugendrings, Bahnhofstraße 12, Ebersberg, möglich. Das Preisgeld - insgesamt 2500 Euro - wird auf die Gewinner aufgeteilt. Die Ausstellung im Kunstverein Ebersberg, Studio an der Rampe, Klosterbauhof 6, wird eröffnet am Freitag, 30. Oktober, um 15 Uhr. Die Preisverleihung findet dann am Sonntag, 31. Oktober, um 15 Uhr statt.

© SZ vom 01.08.2020

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