Jugendliche in Ebersberg:Per QR-Code zum Ziel

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Jugendliche in Ebersberg: Der Ebersberger Jugendschutzbeauftragte Ingo Pinkofsky, hier bei einem Projekt in der Korbinianschule, hat sich für die Seite "nur für Jugendliche" eingesetzt.

Der Ebersberger Jugendschutzbeauftragte Ingo Pinkofsky, hier bei einem Projekt in der Korbinianschule, hat sich für die Seite "nur für Jugendliche" eingesetzt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das Landratsamt Ebersberg bietet neuerdings eine eigene Seite, über die Heranwachsende mit einem Click zu Themen und Angeboten gelangen können, die für sie geeignet sind.

Von Alexandra Leuthner, Ebersberg

Ausschlusskriterien einmal anders: "Nur für Jugendliche" heißt neuerdings eine Seite innerhalb der Homepage des Landkreises Ebersberg. Während doch sonst oft Jugendliche das Nachsehen haben, wenn es um den Zugang zu Clubs, Filme ab 18 oder den Kauf von starkem Alkohol an der Supermarktkasse geht, sind sie hier einmal die Nummer eins. Was nicht heißen soll, dass Erwachsene nicht hineinklicken dürften in die Seite, wie der Kommunale Jugendschutzbeauftragte Ingo Pinkofsky den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses im Landkreis jüngst berichtete.

Vorbild für das neue Angebot des Präventiven Jugendschutzes ist das Forstinninger Kifferbankerl. Ein QR-Code, angebracht an der Lehne der kleinen Bank, die seit längerem zu einem Treffpunkt für junge Leute geworden ist, verweist dort zu einer Seite mit Aufklärungs- und Hilfsangeboten zum Cannabiskonsum. Ganz ähnlich sollen Heranwachsende im Raum Ebersberg künftig zu ihrer Seite im Online-Auftritt des Landratsamts gelangen. Wenn auch in diesem Fall jener Hintergedanke fehlt, dass man mit einem solchen Code, angebracht an mehr oder weniger geheimen Treffpunkten, jungen Leuten durchaus auch klarmacht, dass bekannt ist, womit sie sich dort beschäftigen - und dass sie sich mit einem Joint in der Hand bisher noch in einer rechtlichen Grauzone bewegen.

Die Coronazeit habe den Stress bei Heranwachsenden noch erhöht

Psychoaktive Substanzen - nicht nur Cannabis sondern auch Alkohol - sind natürlich auch ein Thema auf der Seite "nur für Jugendliche", aber nur eines unter vielen. Gelangt man über den QR-Code oder über die aktive Internetsuche auf die Seite, geleiten Ingo Pinkofsky und seine Kollegin Kerstin Meyer den Besucher mit einem kurzen Vorstellungsvideo hinein in die Themenblöcke. Versteckt hinter einer blauen und einer orangenen Sprechblase, die sich in Problemen, Sorgen und Nöte auf der einen, Starkmacher, Lösungen und Hilfen auf der anderen Seite aufteilen, können die Jugendlichen dann nachlesen, was sie interessiert.

"Die dunkle und die helle Seite der Macht", nennt Pinkofsky die beiden Bereiche. Da geht's dann beispielsweise um Stress, "man glaubt's ja immer nicht, aber die haben richtig Stress", erklärte der Jugendbeauftragte in der Ausschusssitzung. Und die Coronazeit habe den Stress bei den Heranwachsenden noch erhöht, "die Jugendlichen waren ja lange gar kein Thema für die Politik". Über einen grünen Button gelangt man also zu einer allgemeinen Hinführung zum Problem, seine Definition und die häufigsten Ursachen für Stress. In einem kurzen Video haben Mitglieder des Jugendforums Grafing sich des Themas angenommen. Tipps zur Selbsthilfe, Links zu professionellen Hilfsangeboten und eine Auflistung von Methoden, die innere Ruhe wiederzufinden, runden den Punkt schließlich ab.

Aufgebaut sind die Themenkomplexe alle gleich. Einsamkeit und Depression, Gewalt, Ängste und Risikoverhalten sind weitere Unterpunkte auf "der dunklen Seite", parallel dazu finden sich auf der anderen Seite Hinweise auf Kraftquellen, das Finden von eigenen Stärken, gesundes Leben, eigene Ziele, Schutzmöglichkeiten für besondere Situationen.

"Wir wollen keine Seite von Erwachsenen für Jugendliche."

Ähnlich wie beim Thema Stress seien junge Leute aufgerufen, sich mit eigenen Beiträgen einzuklinken, erklärte Pinkofsky den Ausschussmitgliedern. "Wir wollen keine Seite von Erwachsenen für Jugendliche, sondern das Ziel ist es, Jugendliche so zu begeistern, dass sie selber mitmachen." Um die Bekanntheit des Angebots zu steigern, wolle man zum einen Werbevideos via TikTok und Instagram verbreiten und auf alle Schulen, Jugendzentren und Jugendtreffs im Landkreis zugehen, dort mit Plakaten dafür werben. Auch an bekannten Treffpunkten sollen die Plakate, oder auch nur die QR-Codes angebracht werden. "Das mit dem QR-Code ist genial", die Idee dabei sei es, die Neugier zu wecken, dieses "mal schauen, was dahinter steckt".

Die Liste der angebotenen Themen sei dabei längst noch nicht vollständig, so Pinkofsky, Vorschläge aus der Sitzung wie etwa Diversität, Sexualität, Umgang mit Wut oder Straftatbestände sollen ebenfalls noch Eingang finden. Die Seite hat noch Platz für viele Ideen - nicht nur aber vor allem von Jugendlichen.

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