Ebersberg Jamaika im Klassenzimmer

Die Union und die Grünen sind die Sieger bei der Juniorwahl, aber auch die FDP kommt gut weg

Von Franca Wittenbrink, Ebersberg

Die Wahl ist gelaufen. Auch für die Schülerinnen und Schüler an 3490 Schulen - vier davon im Landkreis Ebersberg, die sich an der Juniorwahl beteiligt haben. Pünktlich zu den ersten offiziellen Hochrechnungen zur Bundestagswahl sind am Sonntagabend auch deren Ergebnisse veröffentlicht worden. Bundesweit hatten im Verlauf der vergangenen Woche über eine Million Schüler von der siebten Jahrgangsstufe an dem Projekt teilgenommen und ihre Stimmen abgegeben - nun können sie das Ergebnis 2017 mit dem des Jahres 2013 sowie mit der "echten Wahl" abgleichen.

Zum Direktkandidaten in Ebersberg haben die Schüler im Landkreis Andreas Lenz von der CSU gewählt, wie auch auf Bundesebene erhielt die Union außerdem die meisten Zweitstimmen. Die SPD schaffte es an allen vier teilnehmenden Schulen im Landkreis lediglich auf die Plätze drei und vier. Den zweiten Platz belegten sowohl am Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben mit 27,7 Prozent wie auch an der Dominik-Brunner-Realschule Poing mit 23,9 Prozent und am Humboldt-Gymnasium Vaterstetten mit 21,6 Prozent die Grünen. Für Peter Cube-Nisslein, der das Projekt am Gymnasium Vaterstetten betreute, ist das eine positive Überraschung: "Im Vergleich wählt die Jugend wohl weitaus ökologischer!"

An der Lena-Christ-Realschule Markt Schwaben sind derweil die Liberalen mit 26,1 Prozent zur zweitstärksten Kraft gewählt worden. "Das erstaunt mich ein bisschen", gesteht Projektleiter Jürgen Hansen, "aber erklären kann ich's mir eigentlich schon." Die Wahl-Kampagne der FDP habe die Schüler durchaus angesprochen, erzählt Hansen, vor allem die Plakate und der "jugendliche Auftritt" seien gut angekommen. Dennoch stehen auch die Grünen bei den Markt Schwabener Realschülern hoch im Kurs: Mit 13 Prozent belegen sie noch vor der SPD den dritten Platz.

Mit 27 Prozent ist die CDU/CSU bei den Unter-18-Jährigen auch auf Bundesebene stärkste Kraft - im Gegensatz zum "echten Wahlausgang", bei dem die Union kräftig Stimmen einbüßen musste, allerdings sogar mit einem kleinen Stimmenzuwachs im Vergleich zum Jahr 2013. Die SPD folgt beim bundesweiten Ergebnis der Juniorwahl mit 19,3 Prozent und verlor damit 2,9 Prozent, die Grünen sind mit 17,9 Prozent erneut drittstärkste Kraft. Mit 8,8 Prozent und einem Stimmenzuwachs von 3,1 Prozent folgt die FDP sowie mit 7,3 Prozent und ebenfalls leichtem Zuwachs die Linke. Die AfD belegt mit sechs Prozent den fünften Platz - das sind zwar weitaus weniger Stimmen als bei der tatsächlichen Wahl - dennoch konnte die Partei auch bei den Jugendlichen ihr Ergebnis im Vergleich zum Jahr 2013 mehr als verdoppeln.

Im Landkreis indes sind die Zahlen niedriger. "Ich bin sehr erleichtert, dass die Wahl bei uns so moderat ausgefallen ist", berichtet Cube-Nisslein vom Gymnasium Vaterstetten. 2,7 Prozent holte die Alternative an seiner Schule. Am Gymnasium Markt Schwaben und der Realschule in Poing sind es sogar nur 1,8 Prozent, an der Lena-Christ-Realschule freut sich Peter Hansen über nicht ein mal 1,5 Prozent der Jugendlichen, die sich für die AfD entschieden haben.

"Ich kann mir vorstellen, dass das mit dem Geschichtsunterricht zusammenhängt", vermutet Hansen. Die Schüler seien möglicherweise dadurch sensibilisiert, dass in der neunten Klasse das Thema Nationalsozialismus ausführlich behandelt werde. "Vielleicht liegt's aber auch an was anderem. Ein positives Zeichen ist es allemal!"