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Gesundheitsamt:Immer mehr Ebersberger lassen sich gegen Meningokokken impfen

Masern

Die Krankenkassen zahlen nicht für die Impfung. Dafür übernehmen einige Arbeitgeber nun die Kosten (Symbolfoto).

(Foto: dpa)

Innerhalb weniger Wochen sind im Landkreis Ebersberg drei schwere Meningokokken-Erkrankungen aufgetreten. Nun folgen viele Bürger einer Empfehlung des Gesundheitsamts.

Die drei schweren Meningokokkenfälle im Landkreis haben in der Bevölkerung große Beunruhigung ausgelöst: Gerade in Grafing - dem Wohn- beziehungsweise Arbeitsort von zwei der Erkrankten - registrieren die Hausärzte eine stark erhöhte Nachfrage nach Impfungen. "Es ist ein großes Thema", sagt etwa Ulrich Huntgeburth, Allgemeinmediziner in Grafing.

Vor allem, nachdem das Ebersberger Gesundheitsamt offiziell dazu geraten habe, seien viele gekommen, um sich impfen zu lassen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten bei Erwachsenen nicht - in der Kreisklinik und in einigen anderen Organisationen, in denen die Mitarbeiter viel Kontakt mit Menschen haben, werden die Impfungen aber zum Teil vom Arbeitgeber bezahlt.

Die ersten beiden Meningokokken-Infektionen waren im März aufgetreten, die dritte Ende Mai. In allen drei Fällen handelte es sich um extrem schwere Erkrankungen, einer jungen Frau mussten sogar die Unterschenkel amputiert werden. Noch ist unklar, wo sich die drei Frauen angesteckt haben. Die dritte Betroffene, eine 56-jährige Frau, hatte zwar Kontakt mit einer der ersten Erkrankten - aber schon zwei Monate zuvor.

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In der Regel beträgt die Inkubationszeit nur wenige Tage. Daher vermutet - oder vielmehr befürchtet - Hermann Büchner, der Leiter des Ebersberger Gesundheitsamts, dass es eine Person geben könnte, die die Krankheit überträgt, ohne selbst daran zu leiden. Er hat daher dazu aufgerufen, sich möglichst mit einer Impfung vor einer Infektion zu schützen.

"Ich habe mehrere Menschen an Meningokokken sterben sehen"

Diesem Rat kommen nun offenbar viele nach. Ulrich Huntgeburth etwa impft normalerweise, wie er erzählt, Erwachsene selten gegen Meningokokken - höchstens vor Reisen in Länder, in denen das Risiko groß ist, oder auch im Einzelfall etwa bei Immunschwächeerkrankungen. Jetzt aber fragen immer wieder Patienten nach den Impfungen und lassen sich informieren, das geht auch Huntgeburths Ebersberger Kollegen Malte Dohmen ähnlich.

Gerade Dohmen weiß um die schrecklichen Folgen, die Meningokokkenerkrankungen haben können. Vor seiner Niederlassung als Hausarzt habe er auf einer Intensivstation gearbeitet, sagt er: "Ich habe selbst mehrere Menschen an Meningokokken sterben sehen." Bei anderen mussten Gliedmaßen amputiert werden oder sie erlitten schwere Hirnschäden. "Es ist furchtbar, was passiert ist", sagt er über die drei Fälle im Landkreis, "dramatisch und traurig".

Dass nun doch etliche Leute ihre Impfbücher ansehen und sich auch beim Arzt informieren, wie man sich schützen kann, sei aber nun eine wichtige Folge. Denn eine Impfung sei auf jeden Fall sinnvoll und das Risiko von Komplikationen verschwindend gering: Auf zehn bis 15 Millionen Impfungen komme gerade einmal ein relevantes medizinisches Problem, so Dohmen. "Die Impfung ist sehr gut verträglich", sagt auch Huntgeburth - doch mögliche Nebenwirkungen sind nicht das einzige Thema, um das es bei den Beratungen in seinem Sprechzimmer geht.

Die 50 Euro für die Impfung müssen die meisten Patienten selbst zahlen

Denn die meisten Patienten müssen die Kosten von etwa 50 Euro für die Impfung selbst übernehmen, sie gehört bei Erwachsenen nicht zu den Kassenleistungen. Der Chef des Gesundheitsamts hatte zwar versucht, ein Entgegenkommen der Kassen zu bewirken, doch bisher ohne Erfolg. Die AOK, einer der größten Versicherer auch im Landkreis, teilt auf Anfrage mit: "Für alle gesetzlichen Krankenkassen gilt: Kosten für Schutzimpfungen werden im Rahmen der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses übernommen. Die SI-RL sieht bei regionalen Häufungen von Meningokokken-Infektionen keine Kostenübernahme einer vorsorglichen Impfung durch die gesetzlichen Krankenkassen vor."

In der Kreisklinik, wo die drei Erkrankten vor ihrer Verlegung in eine Münchner Klinik kurz behandelt worden waren, kann sich allerdings ein Teil der Beschäftigten auf Kosten des Arbeitgebers impfen lassen. Dies gelte natürlich für die Mitarbeiter, die in Kontakt mit den Kranken gekommen sind, aber auch für Beschäftigte in Risikobereichen wie Ambulanz oder Intensivstation sowie in Funktionsbereichen wie der Röntgenabteilung, erläutert Peter Kreissl, der Ärztliche Direktor der Kreisklinik. Es handle sich um ein Angebot, das man aus der Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter heraus mache, so Kreissl, der selbst in 30 Jahren als Arzt noch keine solche Häufung schwerer Krankheitsfälle erlebt hat wie jetzt.

Auch beim BRK, wo in den Kitas, beim Rettungsdienst oder in der ambulanten Pflege viele Mitarbeiter in Kontakt mit anderen Menschen kommen, will man ihnen auf Wunsch die Impfung ermöglichen, wie Kreisgeschäftsführerin Elisabeth Seibl-Kinzlmeier erläutert: "Wenn Mitarbeiter sich impfen lassen wollen, werden wir einen Weg finden, dass sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben."

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