Der Wille wäre da – allein, es mangelt an Geld. Der Landkreis Ebersberg wird das Ansinnen des Bundes Naturschutz (BN), eine zentrale Auffangstation für kranke und verletzte Igel einzurichten, vorerst nicht unterstützen. Zumindest nicht finanziell. So das Ergebnis einer neuerlichen Debatte im Umweltausschuss.
Angesichts seiner finanziellen Lage hat der Kreis beschlossen, bis auf Weiteres keine neuen freiwilligen Leistungen mehr zu genehmigen. Außerdem hat Landrat Robert Niedergesäß (CSU) eine Haushaltssperre angekündigt. Dem gegenüber steht die Not der Igel und ihrer Helferinnen und Helfer: Die Zahl der verletzten und kranken Tiere nehme zu, aus vielerlei Gründen, wie Frank Burkhardt von der Unteren Naturschutzbehörde sagt. Im Landkreis gehe man derzeit von rund tausend hilfsbedürftigen Igeln pro Jahr aus. Momentan beruht deren Rettung nahezu komplett auf ehrenamtlichem Engagement und Spenden – ein Modell, das jedoch zunehmend an seine Grenzen stößt. Personell wie finanziell.
Deswegen möchte der BN eine zusätzliche, zentrale Auffangstation einrichten, inklusive einer medizinisch geschulten Teilzeitkraft. Dass auch die Bevölkerung hinter einem solchen Pilotprojekt stünde, hatte eine Online-Petition mit mehr als 6000 Unterschriften gezeigt. Der Kreis reagierte mit der Einberufung eines runden Tischs, um die Situation der Igelhilfe im Landkreis Ebersberg zu analysieren und mögliche Optionen aufzuzeigen. Das Ergebnis fasste der Landrat so zusammen: „Die Sympathie und die Notwendigkeit sind da.“ Trotzdem wird der Landkreis seine bisherige Unterstützung von 2000 Euro pro Jahr nicht ausweiten. Weder kann er geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, noch Kosten für Miete oder Personal übernehmen.
Ein Hoffnungsschimmer aber bleibt den vielen Igelfreunden, die unter den Zuhörern waren: Von zwei Rathauschefs im Gremium kam der Vorschlag, das Projekt in der nächsten Sitzung aller Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Landkreis vorzustellen. „Bitte erklärt genau, was für Räume ihr braucht – vielleicht finden wir irgendwo eine Lösung“, sagte Kathrin Alte (CSU) aus Anzing, und ihr Kollege Michael Eisenschmid (CSU) aus Moosach überschlug die Zahlen: Die benötigten 25 000 Euro seien, aufgeteilt auf 21 Kommunen, ja gar nicht so dramatisch.
Für die Rettung der Tiere soll ein Verein gegründet werden
Angeregt wurde außerdem, für die Igelrettung einen eigenen Verein zu gründen. Einerseits, um Mitgliedsbeiträge generieren und zielgerichtet Spenden akquirieren zu können, andererseits, um in der Bevölkerung mehr Bewusstsein zu schaffen für die Belange der Igel. Denn letztlich sei die Pflege verletzter oder kranker Tiere nur eine Symptombekämpfung, so Burkhart. Um der Art langfristig zu helfen, sei es notwendig, Lebensgrundlagen wieder herzustellen und zu erhalten. Zum Beispiel Biotope auszubauen und zu vernetzen, das Klima zu schützen und auf igelfreundliche Gärten zu drängen. Diese Öffentlichkeitsarbeit will auch die Naturschutzbehörde unterstützen.

