Sport in EbersbergNeues Becken, neue Preise

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Der Schwimmverein Grafing-Ebersberg soll nicht in die Röhre schauen, mit großer Mehrheit hat der Ebersberger Finanzausschuss nun eine Ermäßigung für die Sportler im frisch sanierten Hallenbad beschlossen.
Der Schwimmverein Grafing-Ebersberg soll nicht in die Röhre schauen, mit großer Mehrheit hat der Ebersberger Finanzausschuss nun eine Ermäßigung für die Sportler im frisch sanierten Hallenbad beschlossen. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wer das frisch sanierte Hallenbad ab Herbst nutzen will, muss deutlich mehr Eintritt zahlen als früher. Nur der Schwimmverein hat nun interveniert, mit Erfolg.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

„Wenn das so kommt, können wir den Verein zumachen.“ Mit diesen drastischen Worten wandte sich in der jüngsten Sitzung des Ebersberger Finanzausschusses Sebastian Rumler an dessen Mitglieder. Die hatten an diesem Abend unter anderem über die Eintrittspreise für das frisch sanierte Hallenbad zu befinden – und das, was die Verwaltung als Gebühr für den Schwimmverein Grafing-Ebersberg (SVGE) vorgeschlagen hatte, nannte der Vereinsvorsitzende unbezahlbar.

Tatsächlich werden die Preise in Zukunft deutlich über jenen liegen, die man in der Kreisstadt bisher fürs Schwimmen bezahlt hat. Der Eintritt für Erwachsene kostet künftig sechs Euro – zum Vergleich: Als die Stadt vor gut fünf Jahren die Sanierung auf den Weg brachte, war es ein Drittel davon. Allerdings – auch das war in der Sitzung zu erfahren – sind die Kosten für die Renovierung seitdem ebenfalls stark gestiegen: Bei knapp 7,1 Millionen Euro lag die Kalkulation im Jahr 2019, nun, kurz vor Abschluss der Maßnahme, nannte Kämmerer Josef Gibis eine geschätzte Gesamtsumme von rund zwölf Millionen.

Unter anderem ein neues Becken wurde im Ebersberger Hallenbad eingebaut, voraussichtlich nach den Sommerferien ist Eröffnung.
Unter anderem ein neues Becken wurde im Ebersberger Hallenbad eingebaut, voraussichtlich nach den Sommerferien ist Eröffnung. (Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vor diesem Hintergrund soll es auch darum gehen, so viele Einnahmen wie möglich zu erzielen – das war im Ausschuss unstrittig. Neben Preiserhöhungen könnte man das aber auch über eine bessere Auslastung erreichen, schlugen einige vor. Marina Matjanovski (CSU) regte an, bei örtlichen Firmen anzufragen, ob diese das Bad nicht für den Betriebssport nutzen wollten. Vielleicht könnte man auch mit der Polizei, dem Landratsamt oder der Kreisklinik ins Geschäft kommen.

Stefan Mühlfenzl (SPD) schlug vor, auch aktiv auf Schulen in der Region zuzugehen, die vielleicht kein Schwimmbad am Ort haben – das habe neben finanziellen auch andere Vorteile: „Immer weniger Kinder können schwimmen, da sollten wir schauen, dass so viele wie möglich ins Schwimmbad reinkommen.“ Mühlfenzl regte zudem an, zusätzlich zu einer Einzelkarte für sechs Euro noch eine günstigere anzubieten, die dann nur ein oder zwei Stunden gilt. Dies könnte das Bad für Kurzzeitnutzer attraktiv machen.

Die neuen Eintrittspreise entsprechen dem, was man auch in der Umgebung von Ebersberg zahlt

Das sei aus technischen Gründen derzeit nur schwer möglich, sagte Christian Stalla, im Bauamt zuständig für die Badsanierung – es fehle nämlich an Automaten, wo man nachzahlen könne. Die Kosten dafür wären aber vermutlich höher als der Gewinn, den man über mehr Stundennutzer einnehme. Man solle nicht noch vor der Eröffnung Beschlüsse fassen, wonach „möglichst viele möglichst ermäßigt eingelassen werden“, warnte Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos). Außerdem sei „die alte Kiste nicht mit dem neuen Bad zu vergleichen“ – die Sanierung sei schon ein Mehrwert, der sich auch an der Kasse niederschlagen dürfe.

Tatsächlich liegen die nun geplanten Eintrittspreise in einem Bereich, den man auch anderswo zahlt: So kostet die Einzelkarte für Erwachsene im Grafinger Freibad fünf Euro, das Gleiche zahlt man im 2020 neu eröffneten Vaterstettener Hallenbad – also jeweils nur einen Euro weniger als in Ebersberg. Dort soll die Zehnerkarte künftig 54 Euro kosten, in Grafing sind es 37 und in Vaterstetten 45 Euro. Allerdings gilt man in Ebersberg schon ab 14 Jahren als „erwachsen“, in der Bärenstadt und der Großgemeinde zahlt man voll erst ab dem 16. Geburtstag.

Für Gruppen gelten ebenfalls neue Preise, nur die Ebersberger Wasserwacht kann das Bad auch weiter kostenlos nutzen. Am teuersten ist es für gewerbliche Nutzer – etwa kommerzielle Schwimmkurs-Anbieter – und für Schulen, sie zahlen 180 Euro pro Stunde. Für Vereine liegt der Stundensatz bei 60 Euro, für den SVGE sowie die Moosacher Wasserwacht sollte er die Hälfte betragen.

Schwimmunterricht
:Teurer Badespaß

Weil das örtliche Hallenbad geschlossen ist, muss der ATSV Kirchseeon mit seinen Schwimmkursen auf das Becken im Berufsförderungswerk ausweichen. Die Gebühren dafür sind jedoch deutlich höher als zunächst angenommen.

Von Andreas Junkmann

Was, wie Rumler vorrechnete, nicht zu stemmen sei: Bei 30 Euro käme der Verein bei seiner geplanten Belegungszeit auf jährliche Kosten von 19 200 Euro – bei derzeit jährlichen Mitgliedsbeiträgen von 18 000 Euro. Im Verein sehe man durchaus die Vorteile, welche das sanierte Bad habe, so Rumler, und weiter: „Wir wollen auch unseren Beitrag leisten.“ Aber eben nur, wenn es finanziell machbar sei. Rumler nannte einen Betrag von 20 Euro pro Stunde.

Der soll, zumindest bis auf Weiteres, nun für den SVGE gelten. Der Ausschuss beschloss die Preisliste wie vorgeschlagen – mit einer Abweichung, eben die 20 Euro pro Stunde für den Schwimmverein. Ob es bei dem Betrag bleibt, wird sich in gut einem Jahr zeigen. Dann steht fest, wie hoch die Betriebskosten sind, anhand derer sollen dann die Gebühren festgelegt werden. Das erste Mal Eintritt zahlen können die Ebersberger voraussichtlich im September, dann ist die bereits mehrmals verschobene Wiedereröffnung geplant.

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