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Schwimmen:Ebersberger Hallenbad soll 13 Stunden am Tag öffnen

Hallenbad Ebersberg

Das Hallenbad in Ebersberg.

(Foto: ohne Honorar)

Pro Stunde dürfen vier Leute schwimmen. So lautet das Corona-Konzept für alle im Hallenbad Ebersberg. Auch ein Freibad bereitet sich auf Gäste vor.

Ein weiterer Schritt Richtung Normalität ist getan. Zwei Kaderschwimmer des Schwimmvereins Grafing Ebersberg hatten am Montagmorgen um acht Uhr zum ersten Mal seit der Schließung der Hallenbäder Mitte März wieder Training in der Schwimmhalle Ebersberg. "Sie waren der Türöffner", sagt Jürgen Puls, Schwimmlehrer mit Leib und Seele, und spielt dabei auf sein Corona-Konzept an, das es in Zukunft allen Ebersbergern möglich machen soll, endlich wieder ins Hallenbad zu gehen.

Jürgen Puls, ehemaliger Betriebsleiter des Schwimmbads Kirchseeon, aktueller Betriebsleiter der Bäder Glonn und Ebersberg, ist nach eigener Aussage ein "norddeutscher Wadlbeißer". Er gibt nicht auf, und diese Beständigkeit war ihm wohl bei der vielleicht bald anstehenden Durchsetzung seines Plans zur Öffnung für Hallenbäder von Vorteil.

Vor etwa drei Wochen hat Puls, der auch eine Schwimmschule in Glonn und Kirchseeon besitzt, der Stadt Ebersberg seinen Plan vorgestellt. Die Stadt - das sind in diesem Fall Bürgermeister Uli Proske (parteilos), Geschäftsleiter Erik Ipsen und Abteilungsleiter Michael Neumeier. Er habe sie in das Hallenbad eingeladen, erzählt Puls, und gebeten, sich in die Position eines Bürgers zu begeben, der unter Coronabedingungen dort schwimmen möchte.

"Alles war systematisch durchgeplant", so der Schwimmlehrer, "jeder hatte eine Umkleide, eine eigene Dusche sowie Toilette, jeder hat einen eigenen der zehn Zugänge ins Wasser bekommen, und es wurde jedem jeweils eine Bahn zugeteilt." Auch der Weg zurück sei organisiert gewesen, bekräftigt Puls, beschriftete Wartepositionen mit den Ziffern eins bis vier und die Möglichkeit zur Händedesinfektion sorgen für Sicherheit. Mögliche Kontaktflächen in Form von Tischen, Stühlen und Schwimmgeräten, wie etwa Schwimmbrettern, wurden entfernt.

So können unter schärfsten Coronabedingungen 52 Personen täglich schwimmen

Der Probelauf war ein voller Erfolg. "Wir haben einen möglichen Schwimmbadbesuch durchgespielt, und alle, die dabei waren, haben festgestellt, dass die Umsetzung der Vorgaben hier sogar besser funktioniert, als zum Beispiel im Supermarkt", fasst Puls zusammen.

Doch ohne die Einverständnis des Gesundheitsamts kann auch die vorhandenen Zustimmung der Stadt Ebersberg nicht viel ausrichten, und zum damaligen Zeitpunkt gab es aufgrund eines generellen Verbots keine Genehmigung für Puls. Hier kommen nun die Kaderschwimmer ins Spiel: Nachdem später bekannt wurde, dass nach einer speziellen Verordnung einige Schwimmer der Nationalmannschaft in anderen Bädern im Freistaat Bayern bereits Schwimmtraining absolvierten, trat Puls erneut an das Gesundheitsamt heran - diesmal mit dem Ergebnis, das Schwimmbad der Kreisstadt für das Training von Kaderschwimmern vom vergangnen Montag an freigeben zu dürfen.

Mit dieser Erlaubnis erhofft sich Puls nun, dass der Weg zur Öffnung des Bads auch für alle anderen Bewohner des Landkreises geebnet ist. "Der Hintergedanke ist ganz klar", so der Schwimmlehrer, "Schwimmbäder werden mit Steuergeldern gebaut und unterhalten, nun soll auch dem Bürger schnell die Möglichkeit gegeben werden, diese Einrichtung zu nutzen."

Konkret sieht Puls Plan, der sich ihm zufolge teilweise auch auf andere Hallen im Landkreis übertragen lässt, folgendes vor: "Man öffnet das Bad 13 Stunden am Tag, von sieben bis 20 Uhr. Pro Stunde dürfen vier Leute schwimmen, nach 45 Minuten werden diese von einer Aufsicht aufgefordert, das Becken zu verlassen und sich umzuziehen. Danach erfolgt ein Wechsel." Das klinge vielleicht nach wenig, bestätigt Puls, aber in dieser Zeit könne man schwimmend schon mehr als einen Kilometer zurücklegen. "Auf dieses Weise können unter schärfsten Coronabedingungen 52 Personen täglich schwimmen", fasst er sein Konzept zusammen. Bei Lockerungen von Seiten der Regierung könne man die Anzahl der Schwimmgäste verdoppeln und stetig weiter anpassen, fügt er hinzu.

Das Schwimmbad der Kreisstadt soll schon seit Jahren saniert werden, bisher kam es nie dazu. Auch aktuell seien zukünftige Baumaßnahmen kaum einzuschätzen, so der Betriebsleiter. Gar nicht so schlecht angesichts des Virus, wie sich nun herausstellt. "Irrsinnigerweise kommt die alte Bauweise den Coronabedingungen zugute", erklärt Puls, "die Aufteilung der Räume ist so konzipiert, dass man Trennwände nutzen kann und die Leute automatisch mehr Abstand halten, als vorgegeben."

So zum Beispiel beim Duschen. Man wisse zwar nicht, ob das erlaubt sei, so Puls, man spreche diesbezüglich noch mit dem Gesundheitsamt. "Aber theoretisch geht das", erklärt er, "es gibt zwei Duschräume mit jeweils zwei Türen. Die kann man so abtrennen, dass kein Kontakt zum Anderen besteht." Das Haareföhnen sei aber mit Sicherheit verboten, so Puls, auch bliebe noch ungewiss, an welchen Wochentagen geschwommen werden darf.

Auch Nicht-Nationalschwimmer sind willkommen

Sollte die Öffnung des Bads genehmigt werden, erfolgen Anmeldung und Bezahlung online. "Homepage und Texte gibt es schon", sagt Puls und erklärt das Prinzip: "Man muss sich das vorstellen wie beim Friseur oder Arzt. Dort ruft man an und bekommt einen Termin, hier schaut man im Internet nach freien Bahnen und trägt sich ein." Ob Nationalteamschwimmer oder nicht, die Anmeldung laufe laut Puls Plan für jeden gleich ab. So gesehen spreche nichts dagegen, wenn sich nach dem Kadertraining eine Familie für vier Bahnen einbuche, bestätigt er.

Genau wie Jürgen Puls für das Hallenbad in Ebersberg, wartet auch der Grafinger Bürgermeister Christian Bauer (CSU) für das ortseigene Freibad auf das "Okay" von oben. "Nach Pfingsten können wir voraussichtlich wieder öffnen", verkündet er auf Facebook.

"Wir planen die Öffnung des Freibads ab dem 8. Juni und sind dementsprechend vorbereitet", erzählt Bauer auf Nachfrage. "Bademeister stehen bereit, das Wasser ist eingelassen. Die Temperatur wird nun auf 26 Grad Celsius erhöht und anschließend werden noch Wasserproben für den richtigen pH-Wert genommen."

Wie die tatsächliche Umsetzung mit allen Richtlinien dann aber aussieht, weiß er selbst noch nicht, Bauer kann nur Vermutungen anstellen: "Wir gehen davon aus, dass wir mit weniger Gästen öffnen dürfen, dazu natürlich mit Abstandsregeln und Markierungen. Der Ein- und Auslass muss womöglich über verschiedene Eingänge durchgeführt werden, da warten wir aber noch auf mehr Informationen."

© SZ vom 27.05.2020/koei
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