EbersbergGrün und zahm

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Flüchtlingskonzept der Partei enthält wenig Konkretes

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"Mehr als 1000 Menschen haben auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Aussichtslosigkeit in ihrer Heimat den Weg in unseren Landkreis gefunden. Und es werden noch deutlich mehr werden." Mit dieser Feststellung beginnt das Flüchtlingskonzept, das Kreisverband und Kreistagsfraktion der Grünen diese Woche vorgelegt haben. Waffenexporte, Agrarexporte, Klimawandel: Die Grünen führen eine Reihe von Gründen auf, warum Deutschland Mitschuld am Elend der Welt trägt. Die Hälfte des dreiseitigen Dokuments besteht aus Forderungen zur Landes-, Bundes- und Europapolitik. Es folgen Abschnitte mit Landkreisbezug. Konkret oder kontrovers wird es selten. So treten die Autoren für "eine dezentrale Aufnahme in möglichst kleinen Einheiten" ein. Wer möchte das nicht? "Da unterscheiden wir uns nicht vom Landrat", gibt Fraktionsvize Reinhard Oellerer zu. Es sollen "rasch solide Gebäude" errichtet werden, etwa in Holzfertigbauweise. Man brauche "deutlich mehr Sozialwohnungen". Mit welchen Schritten sich das umsetzen lässt, verrät das Papier nicht. Was man dagegen nicht will: dass ein Teil der Unterhaltszahlungen durch Sachleistungen ersetzt werden. Nur will das, nach derzeitigem Stand, auch sonst niemand im Landkreis. Nächster Punkt: "Intensive Betreuung im Landkreis". Die Grünen "unterstützen den Vorschlag der Kreisverwaltung", fünfzig zusätzliche Stellen im Asylbereich zu schaffen. Das Problem ist, dass der Landkreis niemanden für diese Stellen findet.

Es folgt ein interessantes Detail: Den Grünen ist es wichtig, bei der Betreuung der Asylbewerber mehr die freien Träger einzubeziehen. Oellerer: "Wenn es um Abschiebungen geht, brauchen die Leute einen Ansprechpartner außerhalb des Landratsamts." Dieses führe ja schließlich die Abschiebungen durch, da gebe es einen Interessenskonflikt. Überhaupt brauche man nicht nur eine Willkommenskultur, sondern "auch eine Abschiedskultur". Was das bedeutet, steht nicht im Text, erklärt Oellerer auf Nachfrage aber so: "Wir wollen nicht, dass im Landkreis jemand um vier Uhr morgens aus dem Bett geklingelt wird." Kreisvorstand Tobias Vorburg ergänzt: "Die Leute sollen sich untereinander verabschieden können." Vorburg gehört zu den Initiatoren des Asyl-Helferkreises in Markt Schwaben. Dort standen 200 Ehrenamtliche bereit, bevor die ersten Flüchtlinge ankamen. Den Helfern ist ein eigener Abschnitt des Konzepts gewidmet. Diese müssten "alle wichtigen Informationen für ihre Arbeit vor Ort von der Verwaltung erhalten." Oellerer sagt, dass im Landratsamt teilweise keiner ans Telefon gehe: "Weil sie nicht mehr können." Es brauche einen eigenen Ansprechpartner für die Helfer. Vorburg legt besonderen Wert auf Supervision, also psychologische Beratung für die Ehrenamtlichen: "Man hört Geschichten, die nicht schön sind", das verkrafte nicht jeder ohne Hilfe, sagt er.

© SZ vom 13.11.2015 / CHEN - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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