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Musikvideos made in Ebersberg:Fathers and Sons

Wie die Väter, so die Söhne: Drei Bands aus dem Landkreis teilen die Leidenschaft zur Musik zwischen den Generationen - und trotzen online dem Corona-Blues.

Von Tobias Schweitzer

Die Kamera läuft, der Ton ebenso. Karl Kneidl sitzt hoch konzentriert am Schlagzeug, präzise setzt er mit seinen Sticks Schläge auf Trommeln und Becken. Harald Müllers Finger hüpfen, ja fliegen über die Tasten seines Keyboards. Vollkommen entspannt zupft Thom Lauber den E-Bass oder spielt auf der Stratocaster seine Riffs, immer wieder ergänzt durch geniale Gitarrensoli. Auf dem Programm der Band stehen Balladen und Rocksongs, die Sänger Uwe Peters gefühlvoll interpretiert.

Quiet Violence ist eine Alternative Rockband aus dem Landkreis Ebersberg

Die Band "Quiet Violence".

(Foto: Moritz Heinrich/oh)

Alles war für das Jubiläum von Blue Delight vorbereitet, gefeiert werden sollte mit einem Konzert im Café Wunderbar in Steinhöring, als die Corona-Pandemie den Plänen der Coverband aus dem Landkreis im März 2020 einen gehörigen Strich durch die Rechnung machte. Bereits seit Anfang 2015 besteht die Gruppe in ihrer jetzigen Zusammensetzung aus Uwe Peters, Thom Lauber, Karl Kneidl und Harald Müller - doch wie so vielen anderen Musikern fehlt der vierköpfigen Herrenrunde seit fast einem Jahr all das, was den Alltag einer Band sonst so ausmacht. Gemeinsame Proben, regelmäßige Auftritte oder das entspannte Zusammensitzen zum lockeren Austausch entfallen. Nur für einen einzigen Auftritt in einem Biergarten im Sommer habe es vergangenes Jahr gereicht, erzählt Uwe Peters aus Grafing, Sänger und Bassist von Blue Delight. Deswegen sei man, nach dem Vorbild zahlreicher anderer Musiker, auf Online-Videos umgestiegen. Ob "Twist In My Sobriety", "Sunny Afternoon" oder "Pilgrims Progress": Die eingängigen Rocksongs der 1960er und 70er, die Blue Delight normalerweise in Kneipen oder auf Festen live zum Besten gibt, finden sich nun als Videoversionen auf Youtube.

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Die Band "Black Dia".

(Foto: Veranstalter)

Doch Blue Delight sind nicht die Einzigen, die unter der jetzigen Situation leiden. Um das zu bemerken, muss Thom Lauber, Gitarrist der Band, ganz Corona-konform nicht einmal den eigenen Haushalt in Jacobneuharting verlassen: Seit zwei Jahren spielt sein Sohn Jakob Lauber gemeinsam mit Kindergartenfreund Jakob Riedl sowie Adrian Bösl und Jonas Maas in der Vierer-Formation Quiet Violence. Doch auch für die Nachwuchsmusiker stehen die Uhren momentan still. Geplante größere Auftritte außerhalb des Landkreises in Ulm, Regensburg und Passau sind abgesagt. Mögliche Livestream-Auftritte in München werden von Mal zu Mal verschoben. Und die Inspiration zu neuen Texten und Kompositionen sei während des Lockdowns ebenfalls schwieriger geworden, sagt Jakob Lauber, Frontmann der Band, am Telefon. Dennoch bleiben Quiet Violence am Ball und planen, Anfang Frühjahr zwei neue Songs auf Spotify zu veröffentlichen. Stilistisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen 90er-Indie-Rock und 2000er-Alternative-Rock, die Stücke sind alle selbst komponiert. Er habe immer viel von den musikalischen Aktivitäten seines Vaters mitbekommen, sagt Jakob Lauber, Led Zeppelin oder Pink Floyd seien gemeinsame musikalischen Helden. Dass der musikalische Funke früher oder später vom Vater auf den Sohn überspringen musste, scheint also nur folgerichtig.

Blue Delight Coverband aus dem Landkreis Ebersberg

Die Väter aus der Band "Blue Delight" können stolz sein auf ihre Söhne, die ebenfalls Musik machen.

(Foto: Veranstalter)

Auch in der Familie des Blue-Delight-Drummers Karl Kneidl in Steinhöring weiß man von solchen musikalischen Synergieeffekten zu berichten - wenn auch in die andere Richtung. Seit der ersten Grundschulklasse nahm Sohn Kilian Klavierunterricht, sein Interesse galt jedoch schnell dem Schlagzeug in der Ecke, auf dem ihm sein Klavierlehrer regelmäßig begleitete. Als Vater Karl dann in Rente ging und künftig mehr Zeit für neue Projekte aufbringen konnte, bekam er von Sohn Kilian eine Schlagzeug-Schnupperstunde geschenkt - aus der sich dann auch beim Vater bald eine musikalische Leidenschaft entwickelte. Heute spielt Kilian Kneidl in zwei verschiedenen Bands, Black Dia und Jalopy Cat. Black Dia produzierte jüngst ein Musikvideo über die Ländergrenzen hinweg: Der "Africa Song" war ein Beitrag für das "Welt-Raum"-Projekt des Alten Kinos in Ebersberg. Weiter komponiert wird auch bei den fünf Bandmitgliedern von Jalopy Cat. Für sie entfallen zwar momentan ebenfalls die wöchentlichen Proben, dennoch soll bald - dem zermürbenden Lockdown zum Trotz - ein ganzes Album in Eigenregie aufgenommen werden. Das Resultat ihres musikalischen Schaffens beschreibt das oberbayerische Quintett auf seiner Internetseite als "wild bis gechillt, lädt ein zum Tanzen und sich im Gefühl zu verlieren".

Von der Nachwuchsgeneration zurück zu den Vätern. Obwohl die Musiker sich momentan nur unregelmäßig in Form von Videokonferenzen sehen können, tut die Pandemie dem inneren Zusammenhalt von Blue Delight keinen Abbruch. Erst in der Krise beweist sich der Charakter - dieser Spruch scheint auch auf die vier Ebersberger Hobbymusiker zuzutreffen. "Es reicht nicht, wenn man gut zusammenarbeiten kann, es muss auch auf der persönlichen Ebene stimmen", sagt Uwe Peters, der jahrelang Mitstreiter für ein gemeinsames Bandprojekt gesucht - und in Blue Delight endlich gefunden hat. Für den Sänger jedenfalls steht fest: Diese nun seit fünf Jahren bestehende musikalisch-menschliche Verbindung wird auch ein dritter oder vierter Lockdown nicht zerstören können.

Weitere Infos: https://www.blue-delight.de/ https://www.facebook.com/QuietViolenceOfficial/ https://jalopycat.de/

© SZ vom 03.03.2021
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