Ebersberg:Gemeinsam am Zug

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Ebersberg: Die S2 soll die Stationen zwischen Erding und München, hier der Bahnhof in Poing, öfter anfahren, fordern Fahrgäste, Wirtschaft und Politik.

Die S2 soll die Stationen zwischen Erding und München, hier der Bahnhof in Poing, öfter anfahren, fordern Fahrgäste, Wirtschaft und Politik.

(Foto: Christian Endt)

Die Initiative "S-Bahn-Bündnis Ost" will den Ausbau der Linie S2 vorantreiben

Von Annalena Ehrlicher, Ebersberg

Viele Jahrzehnte lang haben die Politiker allein versucht, den Ausbau der Linie S2 voranzutreiben - vergeblich. Nun will sich ein "Bündnis aus Politik und Wirtschaft", wie es Landrat Robert Niedergesäß (CSU) formulierte, gemeinsam dieser Aufgabe widmen. Die auf Anregung der Messe München gegründete Initiative "S-Bahn-Bündnis Ost" hat am Freitag in der Messe München ihre Kernforderungen präsentiert. Ganz oben auf der Liste stehen dabei der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke vom Münchner Osten bis Markt Schwaben und die Verdichtung des Fahrplanangebots: Konkret fordert die Initiative einen Zehnminutentakt der S-Bahn. Die Messe München hofft dann auch endlich direkten Anschluss an die S-Bahn zu bekommen - durch eine seit Jahren geplante Schienenschleife. An den Kosten hierfür wolle man sich auch beteiligen, sagte Messechef Klaus Dittrich.

"Wir sind am Anfang eines Marathonlaufs", merkte Niedergesäß an: "Wir wollen nicht auf halber Strecke schlapp machen." Deshalb will man nun die Kräfte bündeln: Gemeinsam am Tisch sitzen die Landräte aus Ebersberg, Erding und München, die Bürgermeister aus den betroffenen Kommunen entlang der Bahnlinie, sowie Vertreter der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern und der Messe München. Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter habe signalisiert, enger mit der Region zusammenzuarbeiten, sagte Niedergesäß, darüber freue man sich.

Die Kommunalpolitiker aus den Landkreisen östlich der Landeshauptstadt haben bei ihren Bestrebungen vor allem die Pendler im Blick: Allein zwischen 2003 und 2013 sei die Zahl der Auspendler von München ins Umland um 30 Prozent gestiegen, darauf wies Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) hin. Die Zahl der Arbeitsplätze im Umland steige stetig. Doch vor allem pendeln die Menschen aus dem Münchner Osten zur Arbeit in die Landeshauptstadt - und wie eng es seit Jahren, oder eher Jahrzehnten, in der S2 zugeht, das wissen die Bürgermeister teilweise aus eigener Erfahrung. Schon vor acht Jahren, so Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann (SPD), sei in Poing ein Sitzplatz ein "absolutes Luxusgut" gewesen. Und entspannen wird sich die Situation in den nächsten Jahrzehnten nicht, wie die Mitglieder der Initiative unterstreichen: In München entstünden schließlich bis 2030 schätzungsweise 190 000 neue Arbeitsplätze, und das Bevölkerungswachstum in den östlichen Landkreisen sei "besonders dynamisch". Dem Landkreis Ebersberg wird ein Bevölkerungswachstum von 14,9 Prozent bis 2032 vorausgesagt. Die Auslastung der S2 werde also weiter steigen, selbst die S-Bahn-München GmbH erwarte, dass die Kapazitätengrenze bereits in einigen Jahren erreicht sei. Hinzu kommt, dass im Osten weitere wichtige Bahnprojekte geplant sind, die ebenfalls eine Zunahme des Schienenverkehrs bewirken werden: der Ausbau der Strecke Richtung Freilassing, die sogenannten ABS 38, und der S-Bahn-Ringschluss zum Flughafen.

Bereits im Frühjahr hatten die Mitglieder der neuen S-Bahn-Initiative über ein mögliches gemeinsames Vorgehen beraten, jetzt sind die Pläne schon etwas konkreter. Messechef Klaus Dittrich zufolge sind Kosten und Bilanzierung des angedachten Projektes zwar immer noch unklar, "das macht zu diesem Zeitpunkt noch keinen Sinn", sagt er. Erst später im Rahmen der "Detailplanungen" werde der Kostenaspekt wieder relevant. Am Ausbau der U-Bahn habe sich die Messe mit einem einstelligen Millionenbetrag beteiligt - bei der S-Bahn werde die Beteiligung sicher höher ausfallen, so Dittrich. Für die Messe sei das Projekt erstrebenswert, weil sie in diesem Zusammenhang zu einem eigenen S-Bahnhalt auf dem Messegelände kommen könnte, bisher müssen die Messebesucher auf Busse oder U-Bahnen umsteigen.

Ihr Anliegen wollen die Sprecher der neuen Initiative - Dittrich, Niedergesäß und Böltl - im November auch in Berlin vortragen. Man müsse in der Hauptstadt spürbar machen, dass es ein Fehler wäre, München als Region zu vernachlässigen, betonte Niedergesäß. Nach Angaben der Initiative haben Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) in Gesprächen bereits bekundet, dass sie das Projekt befürworten und es unterstützen wollen.

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