Flüchtlingsunterbringung:"Durchschnaufen gibt es im Moment nicht"

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Flüchtlingsunterbringung: Marion Wolinski ist im Landratsamt für die Unterbringung und Betreuung von Geflüchteten zuständig. Sie ist froh, dass das Ankunftszentrum rechtzeitig fertig geworden ist.

Marion Wolinski ist im Landratsamt für die Unterbringung und Betreuung von Geflüchteten zuständig. Sie ist froh, dass das Ankunftszentrum rechtzeitig fertig geworden ist.

(Foto: Christian Endt)

Das Ankunftszentrum für Geflüchtete am Ebersberger Bahnhof ist fertig, an diesem Mittwoch kommen die ersten Bewohner. Im Landratsamt werden wieder Überstunden geschoben - die Rückkehr zu einer Art von Normalität bleibt ein Wunschtraum.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Ein paar Kabel liegen noch im Vorraum, vier Feuerlöscher warten neben einer Besucherbank auf ihre Installation, in der Küche wird klappernd Geschirr verstaut. Da und dort fehlen am Dienstagmorgen noch Kleinigkeiten, doch insgesamt ist der Wettlauf mit der Zeit wieder mal gewonnen: Wenn an diesem Mittwoch ein Bus mit Geflüchteten in Ebersberg eintrifft, ist das frühere Sparkassengebäude am Bahnhof für sie bereit. In dem neuen Ankunftszentrum werden die Menschen die ersten Tage leben, bevor sie dann - sofern es möglich ist - in dezentrale Unterkünfte umziehen.

Flüchtlingsunterbringung: Wo bis vor kurzem die Tische der Kreisräte standen, sind jetzt Stockbetten und Spinde aufgebaut.

Wo bis vor kurzem die Tische der Kreisräte standen, sind jetzt Stockbetten und Spinde aufgebaut.

(Foto: Christian Endt)
Flüchtlingsunterbringung: Handtücher, Bettwäsche und Decken liegen schon bereit.

Handtücher, Bettwäsche und Decken liegen schon bereit.

(Foto: Christian Endt)

52 Menschen können im Sitzungssaal der früheren Sparkassenzentrale, die seit 2017 dem Landkreis gehört, Platz finden. Dort, wo sonst um diese Jahreszeit meist viele Versammlungen stattfinden und über den Haushalt des Landkreises debattiert wird, haben die Mitarbeiter des Landratsamts mit Metallgitterwänden und weißer Kunststoffplane innerhalb des Raumes so etwas wie Zimmer geschaffen: jeweils vier Stockbetten und zugehörige Metallspinde, auf den Matratzen liegen schon Handtücher und blau-weiß karierte Bettwäsche bereit.

Voraussichtlich werden hier zunächst alleinstehende Männer schlafen, jedenfalls ist es dem zuständigen Team im Landratsamt so angekündigt, wie Marion Wolinski, Leiterin des Sachgebiets Sozialhilfeverwaltung und Asyl im Landratsamt, bei einem Rundgang erzählt. Die meisten Menschen, die erwartet werden, stammen aus Jemen oder Syrien, sie werden vom Ankerzentrum in Ingolstadt nach Ebersberg kommen. Noch ist unklar, wie bald nach ihnen der nächste Bus mit Geflüchteten in die Kreisstadt geschickt wird. Die Regierung von Oberbayern kündige weitere Zuweisungen mit etwa zehn Tagen Vorlauf an, sagt Wolinski.

Ein entspanntes Weihnachtsfest? Eher nicht

Sie hatte eigentlich zwischendurch die Hoffnung, dass nach zwei Weihnachtsfesten im Krisenmodus nun wirklich entspannte Feiertage ganz ohne Stress folgen würden, doch das kann sie inzwischen wieder einmal weder für sich, noch für ihr Team garantieren: "Durchschnaufen gibt es im Moment nicht." Sie habe glücklicherweise hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch keine Probleme damit hätten, Überstunden zu schieben, sagt sie. Freilich sind Überstunden nach den Krisen der vergangenen Jahre eher Normalität statt Ausnahme, Wolinski gesteht, dass sie eher nicht damit gerechnet hat, dass nach den großen Zuwanderungsbewegungen 2015 und in den Jahren danach schon wieder so eine Situation zu bewältigen ist. Mit dem Bus von diesem Mittwoch sind es schon 200 neue Flüchtlinge, die dem Landkreis innerhalb kurzer Zeit zugewiesen wurden - dabei leben in einigen Unterkünften immer noch die Menschen, die vor Jahren in den Landkreis gekommen sind, aber nicht ausziehen können, weil sie partout keine bezahlbaren Wohnungen finden.

Flüchtlingsunterbringung: Neben dem Schlafsaal gibt es einen Aufenthaltsbereich, hier wird auch gegessen.

Neben dem Schlafsaal gibt es einen Aufenthaltsbereich, hier wird auch gegessen.

(Foto: Christian Endt)
Flüchtlingsunterbringung: Die Mikrowellengeräte ermöglichen, dass sich nicht alle immer zur selben Zeit zum Essen versammeln müssen.

Die Mikrowellengeräte ermöglichen, dass sich nicht alle immer zur selben Zeit zum Essen versammeln müssen.

(Foto: Christian Endt)
Flüchtlingsunterbringung: Zwei Sanitärcontainer sind im Außenbereich aufgebaut.

Zwei Sanitärcontainer sind im Außenbereich aufgebaut.

(Foto: Christian Endt)

Immerhin hat das Team vom Landratsamt jetzt schon eins geschafft: aus einem Bürogebäude, das immer noch das große Sparkassenlogo ziert, eine Unterkunft zu machen. Abgetrennt vom Schlafsaal gibt es noch einen kleinen Aufenthaltsraum, in dem ein paar Biertischgarnituren stehen. Hier wird auch gegessen; ein Caterer wird die Menschen hier versorgen. Zwei blaue Sanitärcontainer mit Duschen sind vom früheren Sitzungssaal und heutigem Schlafsaal aus zugänglich, grüne Wände um das Gelände bieten Sichtschutz. An extra montierten Holzwänden sind Dutzende Steckdosen zu sehen: Hier können die Bewohner ihre Handys oder andere Geräte aufladen.

Der Brandschutz ist in dem Bürogebäude ein Problem

Bei der Planung hat das Team vom Landratsamt von den Erfahrungen aus anderen Großunterkünften profitiert. Beispielsweise haben die Bewohner die Möglichkeit, Mikrowellengeräte zu nutzen und sich somit dann zum Essen hinzusetzen, wenn es für sie passt. Auch Wasserkocher werden bereit stehen, um Tee oder andere Getränke zuzubereiten. Selbst kochen können die Geflüchteten in der Küche allerdings nicht, das lassen die Dimensionen gar nicht zu.

Wenn alles so läuft, wie erhofft, werden die Menschen hier auch jeweils nur wenige Tage verbringen. Die 78 Unterkünfte, die der Landkreis bisher nutzt, sind zwar weitgehend voll, doch einige neue Objekte seien in den vergangenen Wochen gemeldet worden, sagt Marion Wolinski. Man hoffe, dass diese schnell bezugsfertig gemacht werden könnten.

Grundsätzlich will der Kreis auch noch im Sparkassengebäude selbst zusätzliche Kapazitäten schaffen, um einen weiteren Puffer zu haben. 120 weitere Menschen könnten in Räumen untergebracht werden, die früher als Büros genutzt wurden - jedenfalls rein rechnerisch. Allerdings muss derzeit nach Angaben einer Landratsamtssprecherin noch geklärt werden, ob und wie hier Brandschutzauflagen eingehalten werden können. Denn der Brandschutz ist beim früheren Sparkassenbau schon immer ein großes Thema: Die aktuellen Vorschriften in diesem Bereich sind schließlich unter anderem dafür verantwortlich, dass das Gebäude nur mit massiven und extrem teuren Umbauten als Dependance des Landratsamt genutzt werden könnte, wie es beim Kauf ursprünglich geplant war.

In den Jahren nach 2015 waren für die Unterbringung von Geflüchteten auch landkreiseigene Schulturnhallen genutzt worden, zeitweise waren sechs von ihnen auf diese Weise zweckentfremdet. Dass dies erneut passiert, schließt Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bisher aus.

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