Jagd:Kopfgeld für Schwarzwild

Wildschweinjagd mit Nachtsichgerät

Wildschweine zu jagen ist nicht ganz einfach. Jäger brauchen deshalb teure Ausrüstung, wie Wärmebildkameras und Nachtsichtvisiere.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Kreis Ebersberg zahlt künftig 80 Euro pro geschossener Wildsau. Gründe sind Ernteschäden und die Schweinepest.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Die Wildschweinjagd kennen die meisten wohl nur aus dem Comic: Obelix geht kurz in den Wald, kommt mit einem Arm voll Schwarzkitteln zurück, die dann großen Anklang beim Dorffest finden. In der Realität ist die Jagd auf die wilden Schweine deutlich anstrengender, wie Gerhard Griesbeck, Leiter der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt nun im Umweltausschuss des Kreistages erklärte. Auch die Lust auf Wildschweinbraten ist weniger ausgeprägt, als es den Jägern lieb wäre. Darum sollen diese nun unterstützt werden, rückwirkend zum April und bis Ende März 2023 gibt es vom Landkreis 80 Euro pro erlegtes Wildschwein.

Denn die Jagd auf die Tiere sei alles andere als kostendeckend, erläuterte Griesbeck: "Schwarzwild ist sehr schlau und anpassungsfähig", die Schweine seien fast nur nachts unterwegs, was es für die Jäger schwer macht, eines zu erwischen. Es sei denn, man rüstet technisch auf mit Drohnen, Wärmebildkameras und Nachtsichtvisieren. Was aber sehr teuer kommt, zwischen 7000 und 8000 Euro seien für eine solche Zielvorrichtung fällig. Der andere Grund, warum die Jagd ein Verlustgeschäft ist, seien die niedrigen Preise für Wildschweinfleisch. Laut Griesbeck gibt es aktuell - auch wegen der Schließung der Gaststätten - gerade einmal 30 bis 40 Cent pro Kilo. Außerdem wurde im Frühjahr die Untersuchung auf Trichinen - parasitäre Fadenwürmer, die in den Schweinen leben aber auch menschliches Gewebe befallen können - für Jäger kostenpflichtig. Pro Sau macht das zwischen elf und 16,50 Euro. Weitere Kosten entstehen durch die Untersuchung auf Radioaktivität. Da Wildschweine im Boden wühlen, nehmen sie die dort seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl 1986 abgelagerten radioaktiven Isotope verstärkt auf. Weisen die Schweine einen zu hohen Wert auf oder werden Parasiten gefunden, müssen die Kadaver zudem entsorgt werden, was ebenfalls zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Umgekehrt gibt es ein übergeordnetes Interesse an der Wildschweinjagd: Die Tiere vermehren sich "explosionsartig", wie Griesbeck sagte. Die genaue Größe des Bestandes ist unbekannt, aber die Zahl der erlegten Tiere werde immer höher. 2019 wurden im Landkreis 383 Wildschweine geschossen, 27 kamen als sogenanntes Fallwild etwa durch den Straßenverkehr ums Leben. Die Zahlen lägen um gut das Doppelte über denen vergangener Jahre.

Die vielen Schweine brauchen natürlich auch viel Nahrung und die holen sie sich dann auf den Feldern. Laut Griesbeck nehmen die Ernteschäden durch Wildschweine zu, was für die Jäger weitere Kosten bedeutet. Die meisten Revierinhaber seien vertraglich verpflichtet, durch Schwarzwild angerichteten Schaden zumindest anteilig zu ersetzen. Da könnten pro Jahr schon einmal mehrere 1000 Euro zusammenkommen, so Griesbeck.

Nicht zuletzt steige mit der Zahl der Wildschweine die Gefahr einer Übertragung der Afrikanischen Schweinepest. Die breitet sich seit Jahren von Osteuropa her aus, erste Fälle seien in Brandenburg und Sachsen nachgewiesen. Für Menschen ist die Krankheit zwar ungefährlich, für Schweine - wilde oder domestizierte - aber fast immer tödlich. Erstere, so die Befürchtung, könnten die Krankheit in die Ställe einschleppen, mit der Folge, dass die Bestände notgeschlachtet und nicht mehr verkauft werden können.

Laut Verwaltung werde die Abschussprämie, die nur für die Bejagung außerhalb des Wildparks gilt, etwa 40 000 Euro pro Jahr kosten, weitere 5500 Euro koste ein Zuschuss von je elf Euro für die Trichinenuntersuchung auch für im Forst geschossene Schweine. "Der Schaden, wenn bei uns die Schweinepest kommt, ist größer, als das, was wir hier zahlen", so Kreisrat Martin Lechner (CSU). Auch Karl Schweisfurth (ÖDP) begrüßte den Zuschuss. "Wir haben massiv viele Schweine frei herumlaufen." Er schätzt, dass außerhalb des Wildparks im Forst gut 10 000 Schweine durch den Landkreis streifen. Allerdings sieht er auch die Bauern in der Pflicht: "Wir müssen vom Mais wegkommen, der zieht die Schweine an." Der Maisanbau sei schon wichtig, so Ludwig Maurer (FW), allerdings müsse man darauf achten, dass die Felder weit genug vom Wald entfernt und in diesen Schneisen für die Jagd angelegt würden. Die Prämie von 80 Euro begrüßte er ebenfalls, aber "die Kosten sind dabei bei weitem nicht gedeckt".

Zumindest zwischen Dezember dieses und März des nächsten Jahres gibt es voraussichtlich mehr Geld pro Sau. Der Freistaat will eine Prämie von 70 Euro zahlen. Thomas von Sarnowski (Grüne) forderte, diesen Bonus mit dem des Landkreises zu verrechnen. Dem schloss sich die Mehrheit des Gremiums nicht an, weshalb der Antrag mit einer Gegenstimme beschlossen wurde.

© SZ vom 01.12.2020
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