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Architektur in Ebersberg:Formen im Einklang

Am Wochenende öffnen sich bei den "Architektouren" wieder die Türen zahlreicher Bauwerke. In Ebersberg zählt der Erweiterungsbau der Realschule zu den Objekten, in Grafing ein Einfamilienhaus.

Am Samstag dürfen in Ebersberg auch Erwachsene mal wieder in die Schule gehen. Der Unterricht ist abwechslungsreich, der Lernstoff anspruchsvoll. Auf dem Stundenplan steht der 2015 abgeschlossene Schulneubau der Dr.-Wintrich-Realschule . Anlass für den Besuch sind die "Architektouren" der Bayerischen Architektenkammer. Realisiert wurde das Projekt in Massivholz-Bauweise vom Büro Krug Grossmann in Rosenheim. Bauherr ist der Landkreis.

Bauten vermitteln uns Heimat, Schutz und Geborgenheit, können aber auch einengen oder gar abstoßen. "Architektur für alle!" - so lautet dieses Jahr das Motto der Führungen. Bayernweit öffnen am Wochenende 289 ausgewählte Objekte an 180 Orten in Bayern Tür und Tor. Im Landkreis sind es zwei Gebäude, die man besichtigen kann: der Erweiterungsbau der Dr.-Wintrich-Realschule und ein modernes Privathaus in Grafing.

Metall, das wie Stoffbahnen wirkt

Schulen sollten, so wie auch Büros, keine trostlosen Verwahr- oder Lehranstalten mehr sein, sondern Konzentration ebenso fördern wie Kreativität und Lebensfreude. Damit Menschen sich beim Lernen wohlfühlen, braucht es ausreichend Licht, Platz, ein gutes Klima und fröhliche Farben, so wie zum Beispiel die rot-gelb gestreifte, an eine sommerliche Markise erinnernde Westseite der Realschule.

Was hier wirkt wie Stoffbahnen, sind in Wahrheit Lamellen aus Rippenstreck-Metall - das ist Metall mit winzigen Schlitzen -, die elektrisch geführt werden und sich stufenweise, je nach Sonnenstand, öffnen und schließen. Der Vorteil: "Die Schüler haben auch dann Schatten, wenn die Sonne ins Fenster scheint, können aber jederzeit rausschauen", sagt Architekt Stefan Lippert. Sie haben immer den Durchblick. Was kann man von einer Schule mehr verlangen?

Architektouren - Realschule Ebersberg

Farbige Lamellen an der Westseite des Erweiterungsbaus der Realschule Ebersberg erzeugen die Illusion einer sommerlichen Markise.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Bau besteht aus einem Garten- beziehungsweise Kellergeschoss, aus Erd- und Obergeschoss sowie einem zurückversetzten Dachgeschoss mit Technikzentrale. Entscheidend für den Entwurf, so das Konzept des Büros, "war eine optimale Tageslichtversorgung für die Klassenzimmer. . . Dies wurde erreicht durch die konsequente Ausrichtung nach Westen in einer einfachen und klaren Grundrissanordnung. Zwischen den Bauteilen entsteht dadurch ein angenehmer kleiner Innenhof".

Eine enge und gute Zusammenarbeit

Bei der Planung des zertifizierten Passivhaus-Gebäudes war eines von vorneherein klar: Energie-Einsparung sollte Priorität haben. 550 Kubikmeter Holz wurden verbaut, umgerechnet rund 100 Fichten, die, so die Berechnung, in etwa 36 Jahren nachgewachsen sind. Die Schule spare gegenüber einem konventionellen Bau rund 80 Prozent Heizenergie, umgerechnet sind das jährlich 7000 Euro. Im vergangenen Jahr erhielt der Bau einen ersten Preis beim Energiepreis 2015 des Landkreises. Die Zusammenarbeit zwischen Kreis und Architekten hat auf allen Ebenen offenbar gut funktioniert. Mittlerweile habe man sogar schon eine neue Anfrage aus Ebersberg erhalten, freut Lippert sich.

Architektouren - Schammach EFH

Die Form des Einfamilienhauses in Schammach mit seiner erhöhten Terrasse korrespondiert mit dem Verlauf des Geländes.

(Foto: Hinz-Rosin)

Von einer engen und guten Kooperation berichten auch Andreas Kellner vom Architekturbüro Gassner und Zarecky in Riemerling und Bauherrin Anja Kleinhans in Grafing. Dort entstand im vergangenen Jahr ein Einfamilienhaus mit "hohem Gestaltungsanspruch", wie Kellner mit Stolz berichtet. Von der Seite erinnert das Haus ein wenig an ein Schiff, das auf dem Rasen angedockt hat. Die angeschrägte Form des Gebäudes mit erhöhter Terrasse folgt dem Verlauf des Grundstücks, das zu einem Feld hin leicht abfällt. "Klare Beziehungen zwischen Innen und Außen waren uns bei dem Entwurf wichtig", sagt Kellner, "Ortsrand und Landschaft treten in Dialog, Umgebung und Form sind im Einklang."

Vom Besucher zum Teilnehmer

Die Äste einer alten Eiche werfen gerade ihre Schatten gegen die helle Hauswand, "wir wollten ein homogenes Ganzes schaffen", erklärt die Hausherrin. "Formen, Farben, sogar der Küchenblock folgen der schrägen Hausform." Kleinhans ist Innenraum-Designerin und besitzt ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden. "Vor drei Jahren waren wir Besucher der Architektouren", erzählt sie. "Da lernten wir den Architekten kennen; und dieses Jahr wurden wir selber gefragt, ob wir mitmachen."

Die Dr.-Wintrich-Realschule in Ebersberg, Dr.-Wintrich-Straße 64, kann man am Samstag, 25. Juni, in der Zeit zwischen 10 und 15.30 Uhr besichtigen. Führungen sind jeweils um 10, 12 und 15 Uhr. Das Anwesen in Grafing steht am Samstag, 13 bis 15 Uhr, einer begrenzten Zahl von Besuchern offen. Anmeldungen unter andreas.kellner@gassner-zarecky.de Das ganze Programm findet man hier.