Fitnessstudios:Morgens bleibt die Sauna kalt

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Fitnessstudios: Eine Sauna ist ein echter Energiefresser. Viele Fitnessstudios im Landkreis Ebersberg haben deshalb die Öffnungszeiten der Dampfbäder reduziert.

Eine Sauna ist ein echter Energiefresser. Viele Fitnessstudios im Landkreis Ebersberg haben deshalb die Öffnungszeiten der Dampfbäder reduziert.

(Foto: Christoph Soeder/dpa)

Auch Fitnessstudios bekommen die steigenden Energiepreise zu spüren - und müssen darauf reagieren. Im Landkreis Ebersberg führt das in einigen Bereichen bereits zu Einschränkungen für die Sportler.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Fitnessstudios sind eigentlich die Orte, an denen Kräfte freigesetzt werden - allerdings lässt sich mit reiner Muskelpower nicht genug Energie freisetzen, um die Einrichtungen auch zu betreiben. Und so sind die Sportstätten, wie auch viele anderen Branchen, von den enormen Preissprüngen für die Stromversorgung und das Heizen betroffen. Angesichts langer Öffnungszeiten bleibt den Betreibern deshalb gar nichts anderes übrig, als nach Einsparpotenzialen zu suchen. Im Landkreis Ebersberg sind die Studios zum Teil bereits fündig geworden - was allerdings auch Auswirkungen für die Sportlerinnen und Sportler hat.

Wer etwa im Ebersberger Studio "Fit for Friends" gleich frühmorgens in der Sauna schwitzen will, hat Pech gehabt. Denn das Dampfbad bleibt in dem Zeitraum vorerst kalt. "Es macht keinen Sinn, schon um 7 Uhr einzuheizen, wenn der erste Gast um 11 Uhr kommt", sagt Studioleiter Eduard Dirksen. Auch dessen Poinger Kollege, "V-itness"-Geschäftsführer Markus Decker, bestätigt, dass gerade die Sauna ein "Energiefresser ohne Ende" sei. Er habe sich deshalb für sein Studio eine Türbeklebung besorgt, die wie eine Isolierung wirkt, dank derer die Hitze nicht so leicht entweichen kann. "Teilweise schalten wir die Sauna tagsüber aber auch ganz aus", so Decker. So handhabt es auch Florian Dillinger, Geschäftsführer der Studiokette "Speedfitness", die unter anderem Filialen in Grafing und Wasserburg betreibt. Um Energiekosten zu sparen, werde die Sauna an letzterem Standort mittlerweile nur noch auf Anfrage angeheizt.

Fitnessstudios: Eduard Dirksen leitet das Ebersberger Studio "Fit for Friends".

Eduard Dirksen leitet das Ebersberger Studio "Fit for Friends".

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für die Kunden bedeutet das entsprechend spürbare Einschränkungen, die aber nicht jeder bereitwillig akzeptiert. "Die Mitglieder sagen natürlich, wir bezahlen schließlich dafür", erzählt Markus Decker. Dabei sei man nach der schweren Corona-Phase mit Lockdowns und Komplettschließungen eigentlich darum bemüht, wieder mehr Sportlerinnen und Sportler in die Studios zu locken. Doch das gestaltet sich nach wie vor schwierig. "Wir leiden immer noch darunter. Das werden wir auch noch länger spüren", so der "V-itness"-Chef, der inzwischen sogar um sein Geschäftsmodell fürchtet: Durch den Mitgliederschwund fehlten die Einnahmen. Gleichzeitig aber steigen die Ausgaben - nicht nur im Energiesektor, sondern auch für die Mitarbeiter, die vor dem Hintergrund der Inflation natürlich mehr Gehalt wollen. Decker beklagt deshalb eine Ungleichbehandlung seiner Branche: Während es etwa für die Gastronomie Entlastungen wie die Senkung der Mehrwehrsteuer gebe, falle die Fitnessindustrie hinten runter. "Uns fehlt einfach die Lobby."

Bei den langen Öffnungszeiten drückt vor allem die Beleuchtung der Studios auf den Geldbeutel

Die Studios sind also vorerst auf sich selbst gestellt und müssen Maßnahmen ergreifen, um die Kosten zu senken. Neben der Sauna betrifft das vor allem die Beleuchtung, die sich wegen der langen Öffnungszeiten stark im Geldbeutel niederschlägt. Bei "Speedfitness" hat man deshalb für jede Filiale einen Energiebeauftragten benannt, der neben dem Studioleiter ein Auge auf unnötige Lichtquellen haben soll, wie Florian Dillinger erzählt. "Wenn die Frühschicht anfängt, ist es noch dunkel. Unsere Mitarbeiter werden aber schon angehalten, das Licht wieder auszuschalten, wenn es dann hell wird", so der Geschäftsführer. So verfährt man zwar auch bei "Fit for Friends" in Ebersberg, dort hat man allerdings den Vorteil, eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach zu haben, die selbst Strom produziert. Dennoch würden die Mitarbeiter in diesen Tagen verstärkt dafür sensibilisiert, auf unnötige Lichtquellen zu achten, so Studio-Chef Eduard Dirksen.

Fitnessstudios: Die Kunden trainieren vor allem für ihre körperliche Gesundheit. Das werde von der Politik zu wenig gewürdigt, klagen die Betreiber.

Die Kunden trainieren vor allem für ihre körperliche Gesundheit. Das werde von der Politik zu wenig gewürdigt, klagen die Betreiber.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Dunkeln sporteln muss in den Ebersberger Fitnessbetrieben allerdings niemand - und auch für eine warme Dusche danach ist weiterhin gesorgt. Dass dieses Angebot angesichts der steigenden Heizkosten nun verstärkt wahrgenommen wird, stellen die Betreiber indes nicht fest. "Leute, die nie im Studio geduscht haben, tun das nach wie vor nicht. Und die, die immer schon hier geduscht haben, machen das auch weiterhin", sagt Dirksen. Das bestätigt auch Kollege Florian Dillinger: "So extrem ist es noch nicht." Gerade Frauen würden ja jetzt nicht ihre ganzen Schminksachen mit ins Studio schleppen, nur weil sie daheim ein bisschen Energie sparen wollen.

"Das wird brutal", sagt der Studio-Chef über drohende Nachzahlungen im Energiebereich

Das müssen die Sportstätten dafür umso mehr tun, um auch nach dem drohenden Krisen-Winter eine Zukunft zu haben. "Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt", sagt Markus Decker über die zu erwartenden Preissteigerungen. Der "V-itness"-Chef ist sich mit Blick auf das Frühjahr und die dann drohenden Nachzahlungen im Energiebereich aber sicher: "Das wird brutal." Zu allem Übel habe das Poinger Studio gerade eine saftige Mieterhöhung bekommen, die den Handlungsspielraum weiter einschränke.

"Ich will nicht jammern, weil das hilft eh nichts", sagt Decker, "aber ich hätte gerne ein bisschen Gerechtigkeit." Er sieht deshalb die Politik in der Pflicht, bei weiteren Entlastungen auch seine Branche im Auge zu haben. "Es heißt immer so salopp, dass wir ja nur Muckibuden sind." Zumindest in seinen beiden Studios seien aber kaum echte Bodybuilder, sondern vor allem ganz normale Menschen, die sich einfach nur ein bisschen fit halten und etwas für ihre körperliche Gesundheit tun wollen. Markus Decker ist sich deshalb sicher: Gäbe es keine Fitnessstudios mehr, würden die Krankenkassenbeiträge um 20 bis 30 Prozent steigen. "Das ist Fakt."

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