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Ebersberg:Erleichterung und Enttäuschung

GRÜNE zu Windkraft im Forst Bürgerentscheid

Freuen sich über das Ergebnis pro Windkraft: Grünen Landeschef Thomas von Sarnowski, Kreisrätin Waltraud Gruber und Bundestagskandidat Christoph Lochmüller in Hamberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Nach dem knappen Ausgang des Bürgerentscheids freuen sich die Befürworter, die Gegner beklagen eine Spaltung der Bevölkerung.

Von Johannes Korsche und Alexandra Leuthner, Ebersberg

Die Wahlbeteiligung war hoch, das Ergebnis knapp: 52,74 Prozent stimmten für die Windräder im Ebersberger Forst, 47,26 Prozent dagegen. Die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis haben also gesprochen. Und was sagen diejenigen dazu, die sonst das Sagen haben? Ein Rundruf bei Politikern und Verbänden, zwischen Freude und Enttäuschung.

Landrat Robert Niedergesäß (CSU) stellt vor allem die hohe Wahlbeteiligung heraus: "Gewinnerin ist auf jeden Fall die Demokratie." Es sei richtig gewesen, "die Bürgerinnen und Bürger zu befragen", folgert er. Nun sei es wichtig, "die Situation zu befrieden". Zwar gehe von dem Ergebnis, "ein klarer Auftrag" aus, "den wir annehmen." Allerdings sei es nun wichtig "Sachlichkeit und Ruhe reinzubekommen." Den Menschen im Landkreis, die nun befürchten, dass im Forst der Kahlschlag beginnt, sichert er zu: "Es werden nicht mehr als fünf Windräder werden. Wir werden die Sorgen um den Ebersberger Forst ernst nehmen." Die nächsten Schritte im Kreistag will Niedergesäß vor der Sommerpause in den Ausschüssen gehen.

Natürlich ist die Erleichterung bei Thomas von Sarnowski, Kreisrat und Vorsitzender der bayerischen Grünen groß, als das Endergebnis am Sonntagabend feststeht. "Die Menschen sagen deutlich Ja zu mehr Klimaschutz und Energiewende, die Bevölkerung ist damit weiter als unsere Staatsregierung." Ein Ergebnis mit klarer Signalwirkung sei das Ja zum Ebersberger Bürgerentscheid, gerade im Hinblick auf die sehr zugespitzte Debatte angesichts der hohen Bedeutung des Ebersberger Forsts. Eines sei damit deutlich geworden, dass die 10 H-Regel endlich fallen müsse.

Waltraud Gruber, Grünen-Fraktionssprecherin, freut sich: "Ich habe damit gerechnet das es knapp wird." Das Ergebnis sei ein großer Schritt für die Energiewende. "Das freut mich schon sehr." Sie hofft, dass all die Prüfungen positiv ausgehen und die fünf Windräder dann tatsächlich im Ebersberger Forst stehen. "Dann werden wir zurückblicken und sagen: Das haben wir richtig gemacht."

Catrin Dietl vom Landschaftsschutz Ebersberger Land ist an diesem Sonntagabend natürlich unzufrieden. Das Ergebnis zeige, was schon vorher klar war: "Die Bevölkerung ist tief gespalten." Sie habe es sich nicht vorstellen können, dass die Ebersberger Bevölkerung "dieses Schloss des Landschaftsschutzgebietes brechen würde". Aufgeben werde sie "selbstverständlich nicht." Sie werde eine Klage anstrengen. "Die Landschaftsschutzgebietsverordnung sagt, dass Bauen dort nicht in Ordnung ist", auch Windräder.

Erleichterung ist dafür bei Poings Altbürgermeister Albert Hingerl (SPD) zu spüren. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Entscheidung knapp werden würde, sagt er, jetzt aber komme es darauf, auf der nächsten Etappe auch diejenigen mitzunehmen, die gegen die Windräder gestimmt haben. Auch die hätten schließlich ihre Gründe gehabt. Was ihm Sorge mache, sei die Wahlbeteiligung von knapp 62 Prozent, offenbar gebe es trotz teils emotionaler Einlassungen viele Leute, die dem Thema nicht genug Bedeutung beimäßen. Dabei gehe um die Verantwortung für die Zukunft, betont er.

Martin Wagner, CSU-Fraktionsvorsitzender, sieht dagegen eine "Sensation" in der Wahlbeteiligung. Der Vorsprung des Pro-Lagers sei zwar "kein überragendes Ergebnis", aber doch genug, "um damit zu leben und darauf aufzubauen." Aber: "Ich hätte es mir schon etwas besser gewünscht." Es sei nun wichtig, "auf den Forst ganz besondere Rücksicht zu nehmen" und Eingriffe in den Wald "so gering wie möglich zu halten."

Hans Gröbmayr, ehemaliger Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg, hat als Vertreter der Energieagentur unermüdlich für ein Ja geworben. "Schön", sagt er, "es freut mich natürlich, dass es so ausgegangen ist." Vor allem ist es ihm wichtig, sich bei dem Bündnis aus allen Parteien (außer Bayernpartei und AFD) und Verbänden zu bedanken, die sich dafür eingesetzt und auch privates Geld investiert hätten. Gerade weil der innerparteiliche Widerstand, dem sich manche entgegenstellen musten, so groß gewesen sei, sei ihr Engagement nicht hoch genug einzuschätzen. Benedikt Sommer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz im Landkreis, auch er Vertreter der Gegner, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

© SZ vom 17.05.2021
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