Die Jugendlichen im Wahlkreis Erding-Ebersberg halten es mit dem „Alten“. Das war bekanntlich der Beiname des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, und nicht ganz 76 Jahre nach dessen erstem Wahlsieg scheinen die Unter-18-Jährigen dessen Motto zu teilen: „Keine Experimente“. Zumindest legt dies das Ergebnis der U18-Wahl des Kreisjugendrings Ebersberg nahe, bei der 1561 noch nicht wahlberechtigte junge Leute ihre Präferenzen für den kommenden Bundestag äußern konnten. Mit dem Ergebnis, dass die Parteien der Mitte deutlich am beliebtesten waren.
Bereits seit 29 Jahren veranstaltet der Bundesjugendring stets vor einer überregionalen Wahl eine Abstimmung für junge Leute, die noch nicht offiziell wählen können, sich aber für Politik interessieren. Im Rahmen dieser U18-Wahlen können sie bei denselben Parteien ihr Kreuz machen, die auch bei der jeweiligen Landtags-, Bundestags- oder Europawahl antreten. Wie der Kreisjugendring Ebersberg schreibt, hatte es diesmal bundesweit insgesamt 1971 Wahllokale gegeben, im Wahlkreis Erding-Ebersberg waren es elf. Von den insgesamt 1561 jungen Leuten, die in den beiden Landkreisen teilnahmen, haben 1518 eine gültige Stimme abgegeben.
Populistische Parteien schneiden bei den Jugendlichen im Wahlkreis schlechter ab als bei den Erwachsenen
Dabei zeigt sich zum einen, dass die Unter-18-Jährigen etwas weiter links stehen als die Erwachsenen. Zum anderen, dass kleinere Parteien bei den Jugendlichen besser abschneiden als bei den Volljährigen, die beiden populistischen Parteien, die es in den Bundestag schaffen könnten, dagegen schlechter.
So kommt die CSU bei der U18-Wahl in Erding-Ebersberg auf 30,5 Prozent. Das entspricht zwar ziemlich genau dem bundesweiten Wert der Union bei jüngsten Umfragen, für die CSU in Bayern indes ergibt sich dabei ein Wert um die 42 Prozent. Im Vergleich zu Gleichaltrigen wiederum scheint bei den Unter-18-Jährigen im Wahlkreis die Union recht gut wegzukommen: Bundesweit gibt es bei der U18-Wahl nur 16,2 Prozent, im Freistaat sind es 21,8.
Dafür scheint die AfD für junge Leute im Wahlkreis Erding-Ebersberg eher unattraktiv zu sein, gerade einmal 9,6 Prozent würden für die Rechtspopulisten stimmen. Bei den Erwachsenen sind es laut aktuellen Umfragen derzeit rund 16 Prozent in Bayern und sogar 20 bundesweit. Auch bei der U18-Wahl schneidet die Partei ansonsten besser ab: Knapp 16 Prozent sind es bundesweit und sogar 18 im Freistaat. Die zweite populistische Partei, das BSW, kommt dagegen bei jungen Leuten nicht gut an: Im Wahlkreis würden nur 2,5 der Unter-18-Jährigen die Wagenknecht-Partei wählen, bayernweit 2,6 und bundesweit auch nur 3,4 Prozent. Dort steht das BSW in aktuellen Umfragen nur unwesentlich besser bei vier Prozent, in Bayern ist es unter die drei Prozent gerutscht und rangiert in Umfragen bei den „Sonstigen“.

Bei der SPD sind die Ausschläge kleiner: Die Genossen kommen bei den Jugendlichen im Wahlkreis auf 17,2 Prozent, in Bayern sind es 15,9 und bundesweit 17,6 Prozent. Der Mittelwert kommt den jüngsten Umfragen schon recht nahe, die sehen die Sozialdemokraten im Bund bei 16 Prozent – in Bayern allerdings nur bei zehn. Die Grünen hingegen scheinen bei den jungen Leuten in den Landkreisen Erding und Ebersberg überdurchschnittlich beliebt zu sein, 13,7 Prozent gibt es hier, im Gegensatz dazu kommt die Ökopartei bundesweit bei den Unter-18-Jährigen nur auf 11,9 und im Freistaat lediglich auf 9,3 Prozent. Bei erwachsenen Bayern sind es immerhin noch 14 Prozent, den gleichen Wert ergeben auch aktuelle Umfragen für das gesamte Bundesgebiet.
Der bundesweite Sieger bei den U18-Wahlen ist die Linkspartei, sie kommt auf 20,7 Prozent, aktuelle Umfragen sehen sie tatsächlich allerdings lediglich bei sieben. Und auch bayernweit scheint Die Linke bei den Jungen überdurchschnittlich gut anzukommen: 16,6 Prozent bekommt sie bei der Jugendwahl, während sie beispielsweise in der jüngsten BR-Umfrage gar nicht eigenständig gelistet unter die „Sonstigen“ fällt. Im Landkreis kommen die Linken bei der U18-Wahl mit 8,3 Prozent zwar deutlich besser weg, liegen aber auch deutlich unter dem Bundes- und Landesschnitt.

Die FDP wiederum, darin sind sich die Jugendlichen im Wahlkreis mit jenen im Land und im Bund sowie mit den Erwachsenen ziemlich einig, soll nicht wieder in den Bundestag: 4,2 Prozent gibt es von den jungen Menschen in Erding-Ebersberg, 3,6 im Freistaat und nur 3,4 Prozent im Bund. Dort würden, den Umfragen zufolge, vier Prozent der Wahlberechtigen für die Liberalen stimmen, ebenso in Bayern. Auch die Freien Wähler finden bei Jung und Alt wenig Anklang: 2,5 Prozent gibt es bei den Jugendlichen im Wahlkreis, 3,6 bei jenen in Bayern und nur 1,7 bundesweit. Bei der jüngsten Umfrage unter Erwachsenen listet die Forschungsgruppe Wahlen die FW lediglich unter die „Sonstigen“, in Bayern stehen sie bei fünf Prozent.
Drei Parteien, die in den Umfragen stets unter diese Kategorie fallen, sind bei Jüngeren teilweise beliebter als FDP, FW und BSW: Ganz vorn liegt hier die Tierschutzpartei, die im Wahlkreis auf 4,2 Prozent kommt und gleichauf mit den Liberalen liegt, bundesweit diese mit 3,7 sogar überflügelt und bayernweit immerhin noch 3,3 Prozent der Unter-18-Jährigen begeistert.

Ebenfalls beliebt – zumindest im Wahlkreis – ist die Europa-Partei Volt, sie kommt hier auf 3,3 Prozent. Bayernweit sind es allerdings nur 1,5 und bundesweit 1,8 Prozent. Die Satirepartei „Die Partei“ findet bundesweit noch bei 1,5 Prozent der Jugendlichen Zustimmung, in Bayern bei 1,2 und im Wahlkreis bei 1,4 Prozent.
„Diese Wahlergebnisse spiegeln eine bemerkenswerte Diversität wider und zeigen, dass die politischen Präferenzen der Jugendlichen vielschichtig sind“, heißt es dazu seitens des KJR Ebersberg: „Für die Direktkandidatinnen und -kandidaten bietet sich die Möglichkeit, diese Ergebnisse als Anstoß zu nutzen, um zu reflektieren, inwieweit sie die Anliegen der jungen Wählerinnen und Wähler aufgreifen und repräsentieren können.“


