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Im Landkreis Ebersberg:Betrüger geben sich als Energieagentur-Mitarbeiter aus

Die Ebersberger Energieagentur um Geschäftsführer Hans Gröbmayr versteht sich als neutrale Anlaufstelle.

(Foto: Christian Endt)

Trittbrettfahrer benutzen offenbar den Namen der Energieagentur Ebersberg-München, um Bürgern Photovoltaikanlagen zu verkaufen.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Menschen dadurch übers Ohr zu hauen, indem sich Betrüger als jemand anderes ausgeben, ist eine alte Masche. Meist schlüpfen die Gauner dann in die Rollen von Polizisten oder Enkel - umso bemerkenswerter ist es deshalb, was nun seit einigen Tagen im Landkreis Ebersberg vor sich geht: Offenbar geben sich Vertreter dubioser Firmen als Mitarbeiter der Energieagentur Ebersberg-München aus und wollen den Bürgern auf diese Weise Photovoltaikanlagen verkaufen. Mehrere solcher Fälle sind der Agentur bereits bekannt, eine Anzeige hat sie bislang jedoch noch nicht erstattet.

Es ist eine Berliner Telefonnummer, die auf dem Display der möglichen Kunden angezeigt wird. In den Gesprächen sollen die Opfer zu Beratungsterminen rund um das Thema Photovoltaik überredet werden - angeblich im Auftrag der Ebersberger Energieagentur. Dort allerdings distanziert man sich entschieden von einer solchen Verkaufsmasche. "Das ist eine glatte Lüge", sagt Energieberaterin Veronika Preißinger. Sie vermutet, dass die tatsächlich existierenden Firmen - offenbar drei verschiedene - den guten Ruf der Energieagentur ausnutzen wollen. "Wir sind eine neutrale Beratungsstelle. Wenn unser Name genannt wird, dann kommt das natürlich schon seriös rüber", so Preißinger.

Umso besorgter ist man deshalb nun, dass der gute Name der Beratungsstelle durch die falschen "Mitarbeiter" in den Schmutz gezogen wird. "Es war klar, dass unsere Beratungsangebote Trittbrettfahrer auf den Plan rufen würden", sagt Preißinger. Mit so einer kriminellen Energie sei allerdings nicht zu rechnen gewesen.

Die Energieagentur Ebersberg-München bietet sogenannte Nachfrage-Bündelungen für Photovoltaikanlagen an. Dabei können sich Bürger zunächst unverbindlich über Angebote informieren, wer Interesse hat, bucht anschließend einen Beratungstermin. Der Kontakt zu den Installationsbetrieben läuft schlussendlich auch über die Beratungsstelle. Genau hier klinken sich die Betrüger ein: Indem sie sich als Ebersberger Energieagentur ausgeben, wollen sie ihre eigenen Solaranlagen an den Mann bringen.

Auf diese Machenschaften sei man eher zufällig aufmerksam geworden, wie Preißinger sagt. In Oberpframmern seien Vertreter der dubiosen Firmen von Tür zu Tür gegangen und hätten den Bürgern ihre Angebote im Namen der Energieagentur schmackhaft machen wollen. Dabei seien sie auch an eine Kollegin der Beratungsstelle geraten, die den Vorfall schließlich gemeldet hat. Auch in Forstinning hätten die Trittbrettfahrer Preißinger zufolge per Telefon bereits mehrere Versuche unternommen, über das Vorspielen falscher Tatsachen zum Erfolg zu kommen. "Dort erleben wir gerade eine neue kriminelle Qualität. Die Bürger werden glatt angelogen und es wird der Eindruck erweckt, der Anruf geschehe in unserem Namen", so die Energieberaterin.

Anzeige habe man bislang allerdings noch nicht erstattet. Man wolle noch abwarten, ob sich noch mehr Personen finden lassen, die in jüngster Zeit vermeintliche Angebote der Ebersberger Beratungsstelle erhalten haben. Preißinger bittet deshalb darum, sich bei der Energieagentur zu melden, falls es zu solchen Anrufen oder Haustürgesprächen gekommen sei.

Würde die Angelegenheit tatsächlich ein Fall für die Justiz werden, stünden die Erfolgsaussichten der Energieagentur jedenfalls gar nicht schlecht. "Wenn das angezeigt wird, dann würden wir auf jeden Fall Ermittlungen aufnehmen", sagt Ebersbergers Polizeichef Ulrich Milius. Es gehe hier ja offenbar darum, dass sich jemand durch Vorspielen falscher Tatsachen einen Vermögensvorteil verschaffen wolle, "und das ist dann irgendwo auch ein Betrug".

© SZ vom 25.02.2020/aju
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