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Ebersberg:Die Helfer brauchen Hilfe

Spenden

Tafeln erhalten ihre Lebensmittel zum Großteil von Supermärkten und Bäckereien, die ihnen nicht verkaufte, aussortierte, aber qualitativ gute Ware zur Verfügung stellt. Sie verteilen das Essen ein- bis zweimal pro Woche an Menschen mit kleiner Rente, Hartz-IV-Empfänger, kinderreiche Familien mit wenig Einkommen oder Alleinerziehende, die ihre Bedürftigkeit nachweisen und in den jeweiligen Gemeinden leben. Auch Asylbewerber sind in vielen Gemeinden bezugsberechtigt. Wer der Grafinger Tafel mit einer Sach- oder Geldspende oder mit Tatkraft helfen will, kann sich an Christine Deyle von der Caritas, Telefon (08121) 22 07 13 oder E-Mail christine.deyle@caritasmuenchen.de, wenden. Bei der Zornedinger Tafel ist Heidrun Pfefferkorn, Telefon (08106) 220 79, die Ansprechpartnerin, in Vaterstetten Monika Klinger von der Nachbarschaftshilfe, Telefon (08106) 36 84 73 oder klinger@nbh-vaterstetten.de. imei

Mit der Ankunft von Asylbewerbern kommt mehr Arbeit auf die Tafeln im Landkreis zu, doch es fehlt an Ehrenamtlichen. Auch sind bestimmte Lebensmittel knapp

Sie unterstützen Menschen in Notlagen, jetzt brauchen sie selbst Hilfe: Die Tafeln im Landkreis suchen Mitarbeiter und Essenspenden. Vielerorts sind einige der Ehrenamtlichen alt und nicht mehr voll einsetzbar, und mit der Ankunft von Flüchtlingen in den Gemeinden wachsen auch für die Tafeln die Aufgaben. Besonders brisant ist die Lage in Grafing: Hier hat sich die Zahl der Abnehmer in zweieinhalb Jahren von 30 auf derzeit 90 bis 100 verdreifacht, zwei von drei Bedürftigen sind hier Flüchtlinge.

Die Grafinger Tafel stellt das vor organisatorische und personelle Herausforderungen. Inzwischen werden die Lebensmittel an zwei Tagen pro Woche verteilt, weil der Raum in der Griesstraße zu klein ist für knapp 100 Abholer. Am Dienstag kommen überwiegend Asylbewerber, am Mittwoch die übrigen Hilfsbedürftigen. "Zwei Tage, das ist doch recht anspruchsvoll", sagt Hans Rombeck vom Organisationsteam. "Im Moment ist das eine sehr schwierige Situation." Wie vor zweieinhalb Jahren sind 25 bis 30 Helfer im Einsatz, doch viele, so Rombeck, seien alt. Die Tafel brauche vor allem junge, kräftige Männer, die bei der Abholung der Ware helfen. Auch gewisse Lebensmittel sind knapp: Reis, Zucker, Öl, Nudeln, Tee und Konserven geben die Supermärkte nicht in den Mengen ab, in denen sie benötigt werden. Bei diesen Waren hofft die Tafel auf Lebensmittelspenden oder sie kauft sie dazu. Das hat sich offenbar herumgesprochen: Inzwischen müssen wieder die Tafelausweise kontrolliert werden, denn zunehmend sind auch Bedürftige aus anderen Orten nach Grafing gekommen, wie Rombeck sagt: "Wir können uns nicht leisten, alle zu unterstützen." Zumindest beim Personalmangel hat es inzwischen etwas getan: Auf einen Hilferuf der Tafel auf der Homepage der Stadt Grafing meldeten sich bisher acht Personen.

Bei der Vaterstettener Tafel ist die Lage "auch nicht viel besser", wie Monika Klinger von der Nachbarschaftshilfe sagt. Hier werden zusätzlich zu der Donnerstagsausgabe Lebensmittel zu denjenigen nach Hause gebracht, die etwa wegen einer Krankheit oder wegen ihres Alters nicht in die Möschenfelder Straße kommen können. Und dann müssen die Lebensmittel ja auch von den Supermärkten und Bäckereien abgeholt werden. "Da brauchen wir Unmengen an Helfern", sagt Klinger. Momentan teilen sich vier Fahrer die Touren auf; "wenn da zwei im Urlaub sind und einer krank ist, habe ich schon ein Problem". Die Vaterstettener Tafel versorgt mit ihren 30 Helfern derzeit rund 70 Erwachsene und 25 Kinder, auch hier hat ist Zahl in den vergangenen Monaten gestiegen. Die Asylbewerber im Technopark Grasbrunn erhalten ebenfalls Lebensmittel; für sie holt der Asylhelferkreis die Lieferung ab.

In Zorneding sind 60 Bedürftige bezugsberechtigt. Asylbewerber kommen manchmal auch zur Ausgabe, zuletzt waren es zehn. Auch hier sind die Lebensmittel kürzlich knapp geworden. Kurzerhand startete die Tafel eine zweistündige Sammelaktion vor dem Rewe-Supermarkt in Pöring. "Die Reaktion war super, wir haben viel bekommen", sagt Vorsitzende Heidrun Pfefferkorn. "Die Spender waren sehr großzügig." Doch das Personalproblem bleibt. In diesem Jahr haben drei Personen aufgehört, bleiben noch 22 Helfer - die meist auch schon älter seien, so Pfefferkorn: "Wir sind immer auf der Suche nach Freiwilligen."

© SZ vom 07.10.2015
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