Ebersberg Der Glücksschmied aus Ebersberg

Die Ebersberger haben Manfred Bergmeister (rechts) einiges zu verdanken. Bürgermeister Walter Brilmayer und Landrat Robert Niedergesäß (links) gratulieren.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Zu seinem 90. Geburtstag erinnert sich Ebersbergs Ehrenbürger Manfred Bergmeister an sein bewegtes Leben zwischen Handwerk, Kunst und Nächstenliebe.

Von Viktoria Spinrad, Ebersberg

Als die bewegenden Stücke "In den Bergen" und "Il Silenzio" auf der Trompete erklingen, da wird der für sein Alter fast hibbelige Manfred Bergmeister plötzlich ganz ruhig. Es sind bedachte Klänge zu Ehren des 90. Geburtstags dieses ikonischen Ebersberger Kunstschmieds, dessen Kreuze, Portale, Skulpturen, Gitter, Geländer und Treppen in ganz Europa zu finden sind.

"Da haut's die alten Soldaten direkt vom Bett raus", scherzt der Jubilar, als der letzte Ton verstummt, der gut gelaunte und vielfach geehrte Künstler wird seine Gäste noch öfter zum Lachen bringen. 90 Jahre, in denen der gebürtige Ebersberger Armut und Wohlstand, Krieg und Frieden erlebte - und für sein Schaffen zahllose Preise wie gleich zwei Mal den Bayerischen Staatspreis, den Bayerischen Verdienstorden und auch das Bundesverdienstkreuz gewann. Heute säumen seine zeitgenössischen Gitter die Seitenkapellen der Münchner Frauenkirche, sein Wüstentor in El Alamein, Ägypten, ist weltbekannt.

Eine herausragende Karriere, die sich bereits in seiner Kindheit im Ebersberg der 1930er Jahre angebahnt hatte: "Ich bin von einem Handwerker zum anderen rein und hab geschaut, was die machen", schildert er, "eine schöne Zeit". Aber auch eine Zeit, in der sich bald ein Weltkrieg anbahnte, und die bescheiden lebende Familie zu Vernunft mahnte. "Meine Mutter hatte Angst, dass ich einbreche, wenn ich Schlosser werde", sagt er schmunzelnd.

Also wurde er zunächst Elektriker bei den Isaramperwerken, bevor er mit gerade einmal 17 Jahren mit der Marine in den Krieg ziehen musste - und als Kriegsgefangener im englischen Dover landete. "Die waren wunderbar zu uns", schildert er und legt die Hände ineinander. Er hatte Glück, die Engländer ließen den jungen Burschen ziehen. Zurück ging es zu den Isaramperwerken, "viel Arbeit, gute Leute", fasst er zusammen und streicht sich ein paar Krümel von der Hose. Wie es ihm dort gefallen habe? Für einen kurzen Moment schaut er runter. "Das wichtigste damals war, dass man etwas Exaktes schafft."

Ein Zufall war es dann, der seine Berufung aus der frühen Kindheit doch zu seinem Beruf machte. Bei einem Treffen ehemaliger Marinesoldaten in München begegnete er seinem zukünftigen Lehrmeister, der ihn an die Handwerksakademie in der Luisenstraße holte. "Du spinnst, du bist doch der einzige, der hier was verdient", habe seine Mutter gemahnt, rund 70 Jahre nach Antritt der Lehre zum Kunstschlosser spricht Bergmeister von einer wunderschönen Zeit, "und das, obwohl ich keine Mark verdient habe." Schelmisch imitiert er Peitschenhiebe: "Wir wurden da richtig angetrieben."

Ein Mann mit gutem Gespür

Dann steht er plötzlich auf und fordert einen auf, ihm in seine Sammlung zu folgen. Es ist frisch, unzählige Grabkreuze säumen die Räume, seine 2001 gegründete Sammlung ist sein Lebenswerk. Er macht vor dem Bild eines imposanten Gipfelkreuzes halt, das heute am Gardasee steht. "Das ist die Kunst eines Kunstschmieds", erleutert er: "Dass man die Größenverhältnisse spürt und dass die Materialstärke stimmt."

Sein gutes Gespür kam auch seiner Schmiede zugute: 1954 gegründet, ist sie heute mit rund 70 Mitarbeitern in die drei Bereiche Kunstschmiede, Leuchten und Metallbau unterteilt. Mittlerweile leitet sein Neffe den Betrieb, für dessen Erfolg er auf seine vor 13 Jahren verstorbene Frau verweist: "Sie war ganz wichtig, ohne Frau kriegt man nichts zusammen." 120 Lehrlinge haben seine Talentschmiede durchlaufen, "acht davon wurden Bundessieger im Handwerk", schildert Bergmeister stolz.

Erfolge, über die hinaus Bergmeister, der sich als CSU-Mitglied 36 Jahre lang im Stadtrat engagierte, nie seine eigenen, bescheidenen Anfänge vergaß. "Wenn irgendwo Notstand war, half er gleich", berichtet eine Mitarbeiterin. 1947 gründete Bergmeister eine Lehrwerkstatt für arbeitslose Jugendliche, "die treffe ich heute noch manchmal im Ort". Woher er sein soziales Gewissen habe? "In einer Familie mit fünf Kindern ist die Hilfsbereitschaft immer da." Da sind mittlerweile auch endlich seine beiden Urenkel, die zu einem Geburtstagsständchen anstimmen. Bergmeister springt auf, und wieder: dieses breite, grundzufriedene Lächeln aus 90 Jahren gelebtem Leben.