Demografie:Ein Landkreis für alle Menschen

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Demografie: Jedes Jahr treffen sich die neu eingebürgerten Ebersberger - hier ein Bild aus dem Jahr 2016 - zu einem Empfang im Alten Speicher. Die Idee dazu stammt aus dem Demografiekonzept.

Jedes Jahr treffen sich die neu eingebürgerten Ebersberger - hier ein Bild aus dem Jahr 2016 - zu einem Empfang im Alten Speicher. Die Idee dazu stammt aus dem Demografiekonzept.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Mit Hilfe eines Demografiekonzeptes sollte der Ebersberger Raum besonders lebenswert für seine Bürgerinnen und Bürger werden. Nun ist das Projekt nach sieben Jahren beendet. Wurde das Ziel erreicht - und wie geht es jetzt weiter?

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Die bestmöglichen Lebensbedingung für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, das war das recht ambitionierte Ziel, das der Ebersberger Kreistag im Jahr 2015 mit seinem "Demografiekonzept" erreichen wollte. In dem mehr als 60 Seiten langen Papier wurden Handlungsfelder und darauf aufbauende Maßnahmen definiert, welche die Bedürfnisse von verschiedenen Personengruppen abdecken sollten - die Spanne reichte von Neugeborenen bis hin zu Senioren. Nun, sieben Jahre später, endet das damalige Vorzeigeprojekt. Was wurde also in dieser Zeit tatsächlich für die Ebersberger erreicht - und wie geht es jetzt weiter?

Diesen Fragen widmete sich nun Jochen Specht, Leiter des Teams Demografie im Landratsamt, in der jüngsten Sitzung des zuständigen Kreisausschusses. Und sein Fazit über das Demografiekonzept fällt durchaus positiv aus: "Man kann von einem erfolgreichem Abschluss sprechen", so Specht. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in Zahlen wider, denn von den insgesamt 62 Handlungsfeldern sind lediglich vier nicht umgesetzt worden. "Manche sind inzwischen einfach überholt und nicht mehr zeitgemäß", erklärte Specht. Dazu zählen unter anderem die Gründung einer Bürgerstiftung, Fahrtrainings für ältere Menschen oder Fortbildungen für Lehrkräfte und pädagogisches Personal. Letzteres sei keine Aufgabe des Landkreises, während es etwa für die Fahrtrainings bereits alternative Anbieter gebe, heißt es in einer Begründung aus dem Landratsamt.

Demografie: Auch die jährliche Ehrenamtsmesse im Alten Speicher ist aus dem Demografiekonzept hervorgegangen.

Auch die jährliche Ehrenamtsmesse im Alten Speicher ist aus dem Demografiekonzept hervorgegangen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ohnehin viel wichtiger ist der Blick auf jene Projekte, die der Landkreis durch das Demografiekonzept tatsächlich auf den Weg gebracht hat. Da wäre etwa im Bereich Inklusion die Anschaffung einer mobilen barrierefreien Toilette. "Das klingt zwar klein, ist aber ein großer Schritt", sagte dazu Jochen Specht. Als sehr nützlich in diesen Tagen zeige sich auch der Aufbau eines Laien-Dolmetscher-Netzwerks, das der Verwaltung im Landratsamt aktuell eine große Hilfe sei. Weitere Projekte aus dem Demografiekonzept sind der inzwischen jährlich stattfinde Einbürgerungsempfang, die lange Nacht des Sports oder der Unternehmerpreis. Auch die Ehrenamtskarte, bei der soziales Engagement mit bestimmten Vergünstigungen belohnt wird, wollte Specht nicht unerwähnt lassen.

Das Konzept endet zwar, viele Projekte sollen aber fortgesetzt werden

Viele Projekte, wie etwa der Arbeitskreis Demenz oder Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsregion Plus, sind bereits seit mehreren Jahren fest im Landkreis verankert. Sorge, dass diese Angebote nach dem Ende des Demografiekonzepts mit einem Schlag beendet sind, muss allerdings niemand haben. "Gut etablierte Maßnahmen fallen jetzt nicht einfach weg, sondern sollen fortgesetzt werden", sagte Jochen Specht.

Das gilt auch für das Demografiekonzept als solches, für das ein Impulsgremium aus Verwaltungsmitarbeitern und Kreisräten nun eine Neuausrichtung erarbeiten soll. Ziel, so Specht, sei es, die einzelnen Maßnahmen etwas offener als bisher zu gestalten und auch gleich mit einem konkreten Preisschild zu versehen. "Das wird viel Kreativität erfordern", ist sich der Leiter des Teams Demografie sicher - dieses wird in dem Zuge auch einen neuen Namen bekommen: Sachgebiet für Sozialplanung und Demografie. Dadurch solle schneller ersichtlich werden, für welche Aufgaben die Abteilung eigentlich zuständig ist.

Demografie: Durch die Ehrenamtskarte wird soziales Engagement mit bestimmten Vergünstigungen belohnt.

Durch die Ehrenamtskarte wird soziales Engagement mit bestimmten Vergünstigungen belohnt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dass das Demografiekonzept auch nach dem offiziellen Ende fortgesetzt wird, freut besonders Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der die Idee dafür als eine seiner ersten Amtshandlungen im Jahr 2013 auf den Weg gebracht hat. "Das Konzept war in der Region einmalig. Da können wir stolz drauf sein", so Niedergesäß. Man habe versucht, alle Lebenslagen und Generationen darin einzubinden. "Inzwischen ist es von einem kleinen Pflänzchen zu einem stattlichen Baum geworden, den wir weiter pflegen wollen", sagte der Landrat. Projekte und Ideen gebe es zuhauf, allerdings müsse man auch immer die Kosten im Blick behalten. Für das bisherige Demografiekonzept hatte der Kreistag bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr bewilligt, die man laut Jochen Specht aber nie komplett aufgebraucht habe.

"Wir wollen ein liebens- und lebenswerter Landkreis für alle Generationen bleiben."

Dass die geplante Neuausrichtung nun aber günstiger wird, darf angesichts der spontanen Wunschliste der Kreisräte jedoch bezweifelt werden. So machte sich etwa Marlene Ottinger (Linke) für die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum stark. "Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Da müssen wir ran", so Ottinger. Marina Matjanovski (CSU) forderte eine stärkere Berücksichtigung der Themen Senioren-Einsamkeit, Pflege und Wohnberatung, während Ottilie Eberl (Grüne) für den Bau eines echten Mehrgenerationenhauses im Landkreis aussprach.

Viele Projekte also, die das Impulsgremium nun in eine neue Leitlinie gießen muss. Der Aufwand aber lohnt sich, denn von den Ergebnissen sollen die Ebersberger Bürger in den nächsten Jahren unmittelbar profitieren können, oder wie Landrat Niedergesäß sagte: "Wir wollen weiterhin ein liebens- und lebenswerter Landkreis für alle Generationen bleiben."

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