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Demo in Ebersberg:"Die Maßnahmen richten mehr Schaden an als das Virus"

Wolfgang Darchinger - Demo gegen Einschränkung Bürgerrechte.

Wolfgang Darchinger, 34, aus Steinhöring.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

In Bayern gilt wegen der Coronakrise Versammlungsverbot. Dennoch organisiert Wolfgang Darchinger in Ebersberg eine Kundgebung. Wie kann das sein?

Traditionell wird am 1. Mai demonstriert - auch zu Corona-Zeiten. Wolfgang Darchinger, 34, Medizinprodukteberater aus Steinhöring, organisiert an diesem Freitag eine Kundgebung gegen die Einschränkungen der Bürgerrechte durch die Covid-19-Verordnungen. Beginn ist um 15 Uhr auf dem Marienplatz in Ebersberg. Warum Interessierte der Demonstration trotzdem bitte fernbleiben sollen, und was er erreichen will, berichtet Darchinger der SZ Ebersberg.

SZ: Moment mal - voraussichtlich erst vom 4. Mai an sollen in Bayern wieder Demonstrationen erlaubt sein. Wie haben Sie es geschafft, jetzt schon eine Erlaubnis dafür zu bekommen?

Wolfgang Darchinger: Das wurde uns auch vom Landratsamt Ebersberg gesagt. Nachdem ich aber recherchiert hatte, dass das Landesgericht Baden-Württemberg Demos bis zu 30 Personen legalisiert hat, bin ich noch mal an das Landratsamt herangetreten und bekam die Genehmigung.

Sind Sie sich sicher, dass nur 30 Leute kommen?

Wir haben explizit keine Aufrufe in den sozialen Medien dazu gemacht und führen Listen darüber, wer kommt. Wir wollen konstruktiv demonstrieren, es werden auch Kinder und Frauen dabei sein.

Was treibt Sie auf die Straße?

Unser Motto ist "Gegen das Maßnahmenpaket Covid-19/für die Bürgerrechte". Wir möchten auf keinen Fall leugnen, dass es das Virus gibt, wir sind keine Verschwörungstheoretiker. Wir glauben, dass die Maßnahmen am Ende des Tages mehr Schaden anrichten als das Virus selbst.

Was stört Sie besonders?

Das Social Distancing und das komplette Zurückfahren der Wirtschaft. Unser Leitspruch ist: Wer Freiheiten aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren. Wir möchten die ergriffenen Maßnahmen nicht pauschal in Frage stellen. Die uns aufgezeigte Datenbasis weniger Experten überzeugt uns nicht. Wir würden uns vielmehr einen offenen Dialog unter Miteinbeziehung der Bürger und auch kritischer Gegenstimmen wünschen.

Wer sind "wir"?

Ich habe mit Freunden und Bekannten telefoniert, die derselben Meinung sind. Vergangenen Samstag haben wir beschlossen, die Demo durchzuziehen. Unser Ziel war, 30 Leute per Telefon zusammen zu bekommen. Am Sonntagmittag hatte ich dann das Feedback, dass sich knapp 500 Leute angeschlossen hätten. Da hab ich gesagt: Stopp! Damit sprengen wir jeden Rahmen. Letztlich haben wir jetzt alles auf 30 Teilnehmer heruntergebrochen.

Waren Sie schon mal politisch aktiv?

Nein. Das ist mir auch wichtig zu betonen: Wir sind weder rechts noch links, wir sind ganz normale Bürger, die goldene Mitte.

Wie werden Sie die Demo organisieren mit Blick auf die Schutzmaßnahmen?

Wir möchten die Schutzmaßnahmen einhalten und halten daher lieber mehr Abstand zueinander als weniger. Da wir nicht in Bewegung sind - ein Demonstrationszug wurde uns untersagt -, kann der Sicherheitsabstand zueinander sicher problemlos eingehalten werden. Selbstverständlich wird auch jeder der Teilnehmer den verordneten Mundschutz tragen.

Stellen Sie die Aktion auch online, damit auch andere mit dabei sein können?

Nein. Wir möchten uns explizit an die Vorgaben der Behörden halten und nur im Rahmen der genehmigten Personenanzahl agieren.

Was wollen Sie mit der Demo erreichen?

Wir werden die Welt nicht verändern können. Aber wenn wir es schaffen, dass bei dem ein oder anderen am Wohnzimmertisch diskutiert wird, wenn am Montag in der Arbeit über uns geredet wird oder eine andere Kommune auch sagt: Vielleicht machen wir das auch, eine Demo, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, dann haben wir unser Ziel erreicht. Entscheiden müssen dann andere.

© SZ vom 30.04.2020

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