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Ebersberg:"Das versteht doch kein Mensch mehr"

SPD-Abgeordnete Doris Rauscher fordert Rückkehr zu regulärer Kinderbetreuung

Die geltenden Kita-Verbote wegen Corona müssen nach Ansicht der Ebersberger SPD-Abgeordneten Doris Rauscher, die den Sozialausschuss des Bayerischen Landtags leitet, komplett aufgehoben werden. "Ich fordere, dass nach den Pfingstferien endlich alle Kinder wieder in ihre Kitas zurückdürfen. Für 80 Prozent der Kindergartenkinder gilt das dann ohnehin schon. Warum dann nicht auch für die übrigen 20 Prozent? Das versteht doch kein Mensch mehr!"

Rauscher bemängelt in einer Pressemitteilung der SPD vor allem den derzeitigen "Regelungs-Wirrwarr der Staatsregierung", wie sie es bezeichnet. Generell gibt es für die Dreijährigen in Bayern noch keine Perspektiven für die Rückkehr in die Kitas. Sie müssen auf unabsehbare Zeit weiterhin zu Hause betreut werden. Es sei denn, ihre Eltern arbeiten in sogenannten systemrelevanten Jobs oder sind berufstätige Alleinerziehende, dann dürfen die Dreijährigen bereits in der Kita betreut werden. Auch für dreijährige Krippenkinder und für Geschwister von Vorschulkindern gelten Ausnahmen.

"Bis Mitte Juni stehen viele Familien schon seit drei Monaten unter Dauerbelastung - das muss ein Ende haben. Und mit Infektionsschutz lässt sich diese willkürliche Gängelung der Familien durch die Staatsregierung ohnehin nicht mehr begründen", kritisiert die SPD-Politikerin. Schließlich habe sogar der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte zusammen mit Infektionsmedizinern offiziell empfohlen, dass die Kitas wieder geöffnet werden können. Hintergrund sei die bei Kindern festgestellte geringere Ansteckungsrate. Rauscher, die vor ihrer Zeit als Abgeordnete selbst mehrere Kitas geleitet hat, fürchtet nach eigenen Angaben auch um die seelische und soziale Entwicklung der Dreijährigen, die in dieser entscheidenden Phase nun schon so lange ohne Kontakt zu Gleichaltrigen aufwachsen müssten: "Drei Monate Kita-Verbot bedeuten für ein dreijähriges Kind fast zehn Prozent seiner bisherigen Lebenszeit."

Rauscher erhält nach eigenen Angaben für ihre Forderung auch großen Rückhalt aus dem Bereich der Kita-Erzieherinnen und -Erzieher. "Ich bekomme viele Zu-schriften von Kindergartenbeschäftigten, die sich über das Chaos beschweren. Sie wünschen sich klare und nachvollziehbare Regelungen, denn sie stehen jeden Tag vor entnervten Eltern und müssen versuchen, ihnen zu erklären, warum der eine Dreijährige wieder in die Kita darf und das Nachbarkind nicht", erläutert die Abgeordnete.

© SZ vom 23.05.2020 / SZ

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