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Ebersberg:Das Herbstmärchen

Die Veranstalter des 1. Ebersberger und Grafinger Jazzfestivals freuen sich über die tolle Stimmung, volle Häuser und viel Zuspruch von Publikum und Musikern. Eine Neuauflage 2017 ist in Arbeit

Über eine schwarze Null freut sich nicht nur Wolfgang Schäuble, auch die Veranstalter des ersten Jazzfestivals Ebersberg sprechen in puncto Finanzen von einer "soliden Nullnummer". Von 22 Veranstaltungen waren neun ausverkauft, die meisten anderen sehr gut besucht. Rund 3200 Besucher wurden gezählt. Alles in allem standen 115 Musiker auf der Bühne. Ein Drittel der Kosten wurde aus dem Kartenverkauf gedeckt, 45 Prozent kamen von den 32 Sponsoren; der Rest wurde durch öffentliche Förderung finanziert, bilanziert Organisator Frank Haschler von der Jazz-Initiative Grafing.

Woran man sich länger erinnern wird, das ist der Zauber, der rund um das Ensemble Klosterbauhof und Speicher wirkte, das sind die kleinen Geschichten, das sind Freude und Dankbarkeit, die den Veranstaltern entgegenschlagen, etwa in folgender Mail: "Das Konzert von Ron Carter war wie ein Gottesdienst - Danke!" Erinnern wird man sich an kuriose Zufälle, Begegnungen, Pannen und Glücksmomente. "Geschichten, die uns die Arbeit versüßen", sagt Haschler. Sogar die evangelische Kirchengemeinde Grafing sah Grund zum Dank, denn bei der Jazzmesse mit den Chorkindern standen die Leute, so voll war das Haus. Gelobt wird auch das "runde Programm" für Hardcore-Jazzfans ebenso wie für Freunde von Klassik und Bigband-Sound. Kurz: Ebersberg und Grafing haben ihr Herbstmärchen, und nicht nur das: Beide Städte haben sich mit dem Festival identifiziert. "Es ist uns gelungen, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen", sagt Haschler und strahlt.

Ein toller Erfolg war das Festival aber nicht nur aus Sicht der Veranstalter. Auch die Musiker zeigten sich begeistert und zufrieden. Starbassist Ron Carter etwa habe sich explizit für die gute und familiäre Betreuung bedankt und Interesse an Martin Zenkers Arbeit in Ulan Bator gezeigt, wo dieser einen Fachbereich für Jazz aufbaut. Alle Musiker, so Haschler, seien beeindruckt gewesen, wie engagiert man sich hier um den Nachwuchs kümmere.

Vermutlich noch lange wird Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer von dem Moment am Abend des 16. Oktober berichten, als sich Ron Carter im dunklen Anzug und mit strahlendem Lächeln ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Zuvor hatte der Rathauschef entdeckt, dass sich schon mal ein berühmter Jazzmusiker darin verewigt hat - der 2005 verstorbene Posaunist Albert Mangelsdorff, und zwar auch an einem 16. Oktober.

So wie Brilmayer hat nun auch Bernhard Ladstetter, ehemaliger Geschäftsführer der Firma Merck in Grafing, von seinem "Job" als Chauffeur Carters einiges zu erzählen. "Der machte das gern", sagt Haschler zur Erklärung. Saxofonist Chris Potter war angetan vom "Alpine style" seines Ebersberger Hotels. Und Haschler freut sich über die Bekanntschaft mit Drummer Rolando Morales-Matos aus Puerto Rico aus Carters Formation "Foursight". "Wir hatten denselben Lehrer."

Zu dem märchenhaften Erfolg, den sich niemand vorher hätte träumen lassen, haben viele beigetragen, resümiert der Grafinger. "Andere machen so was beruflich, wir organisieren ein Festival ehrenamtlich und mit Herzblut." Vor allem lobt er die gelungene und professionelle Zusammenarbeit mit dem Team vom Alten Kino sowie das leidenschaftliche Engagement der Musikschule.

Ein wenig Selbstkritik gehört freilich auch zur Bilanz. Das Funk-Konzert der sympathischen Band "The Katet" aus Edinburgh sei schlecht besucht gewesen, berichtet Haschler. "Es sollte ein Gig für junge Leute sein, aber offenbar haben wir die nicht richtig angesprochen." Die Musiker aus Schottland hätten sich trotzdem über den herzlichen Empfang gefreut. "Bei einem Zugabekonzert zeigten sie uns schottische Tänze, wir erklärten ihnen, wie man Weißbier einschenkt. Schön war's!" Womöglich habe es auch zu viele Überschneidungen gegeben. Erst ein Doppelkonzert und dann noch eins um 22 Uhr. "Viele waren da überfordert, der enge Zeitplan hat nicht funktioniert." Beim nächsten Mal werde man das Programm entzerren, einen Tanzabend einbauen und eine Sängerin engagieren. Landrat Robert Niedergesäß und Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr hätten den Auftrag für "Jazz-Ebe 2017" schon erteilt.