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Pflegeheime in Ebersberg:"Man kann es nie zu 100 Prozent verhindern"

Eine Aufnahme der Tagespflege des Pflegestern in Grafing in Vor-Corona-Zeiten.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Überall kursiert das Virus. In zwei Pflege-Einrichtungen im Kreis Ebersberg sind die Bewohner bislang dennoch von Infektionen verschont geblieben. Wie kann das sein?

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Im gesamten Landkreis Ebersberg gibt es 15 stationäre Pflege-Einrichtungen für Seniorinnen und Senioren - in allen von ihnen kam es unter den Bewohnerinnen und Bewohnern oder unter dem Pflegepersonal zu Infektionen mit dem Coronavirus. Nur bei zwei von ihnen bislang nicht. Wie kann es sein, dass die beiden Häuser komplett vom Virus verschont bleiben, während es in einem anderen Extremfall im Landkreis zu 63 Infektionen und unter den Bewohnern und 24 unter den Beschäftigten gekommen ist?

Die zwei Corona-freien Pflegeheime sind das Seniorenzentrum des Pflegesterns in Grafing und das Abaton-Pflegeheim in Eglharting. Zunächst liegen wohl zwei Vermutungen nahe: Entweder stehen dort strengere Hygiene- und Schutzvorkehrungen auf der Tagesordnung stehen als in den Einrichtungen, in denen es zu Corona-Ausbrüchen gekommen ist. Oder das Personal in den Häusern mit Infektionen nimmt es mit den Maßnahmen nicht ganz so genau. Aber ist es auch tatsächlich so?

Nachfrage bei Marion Wolinski. Sie ist die Leiterin des Bereichs Sozialhilfeverwaltung und Asyl im Landratsamt Ebersberg und als Mitglied des Corona-Krisenstabs für die Seniorenheime des Kreises zuständig. Sie sagt: "Auf die Hygiene- und Schutzkonzepte kann es nicht abgestellt werden." Und weiter: "Wenn es so einfach wäre, dann könnte man ja dementsprechend reagieren und nachbessern, aber so ist es eben nicht."

Wolinski erklärt, dass sich die Konzepte immer an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sowie an den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege orientierten. In manchen Fällen würden sie dann an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasst.

Außerdem ist in der aktuellen Bayerischen Verordnung über Infektionsschutzmaßnahmen geregelt, dass ein jeder Beschäftigte sich mindestens an drei verschiedenen Tagen pro Woche, in der er zum Dienst eingeteilt ist, einen Corona-Test unterziehen muss, entweder im Rahmen eines PCR-Tests oder eines Antigen-Schnelltests. Für Pflegekräfte ambulanter Dienste lautet die Regelung übrigens, dass sie sich regelmäßig möglichst an drei verschiedenen Tagen pro Woche testen lasen müssen.

Darüber hinaus herrscht FFP2-Maskenpflicht für Besucher und Beschäftigte, sofern sie in direktem Kontakt zu den Bewohnern stehen. Zusätzlich müssen Besucher ein negatives Corona-Test-Ergebnis bei Betreten der Einrichtung vorweisen. All diese Maßnahmen gelten für jede Pflegeeinrichtung - auch für die, bei denen es zu Infektionen gekommen ist. Und: "Die Einrichtungen sind sich alle ihrer Verantwortung bewusst und verhalten sich dementsprechend", versichert Wolinski.

Wenn die so stark unterschiedliche Zahl der Corona-Fälle nicht an einem mehr oder weniger sorgfältigen Qualitätsmanagement liegt, woran dann? "Es gehört auch Glück dazu." Das sagt Peter Haile. Er ist der Geschäftsführer des Pflegesterns, insgesamt werden unter dem Dach des Pflegesterns fünf Einrichtungen betrieben: zwei im Landkreis Erding und drei im Landkreis Ebersberg - darunter auch das Haus in Grafing, in dem es bislang zu keiner Infektion unter den Bewohnerinnen und Bewohnern gekommen ist.

Lediglich einer von insgesamt gut 50 Mitarbeitern, der keinen Kontakt zu den Senioren hat, habe sich vor kurzem nach einem positiven Testergebnis in Isolation befunden, so Haile. "Wir testen alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dreimal die Woche - egal ob sie in der Pflege oder der Verwaltung arbeiten." Trotzdem: "Man kann nie zu 100 Prozent verhindern, dass es zu einer Infektion kommt - und jeder, der etwas anderes behauptet, der lügt."

Das Problem schildert Haile anhand eines Beispiels wie folgt: Angenommen ein Mitarbeiter hat sich mit dem Corona-Virus infiziert, aber die Virenlast ist bei dem Test noch so gering, dass er negativ ausfällt. Damit besteht keine Gefahr, dass der Mitarbeiter einen Bewohner ansteckt - noch nicht. Denn bereits am nächsten Tag könnte die Virenlast ein dementsprechendes Level erreicht haben. Der nächste Corona-Test steht aber erst für den darauffolgenden Tag an. Damit bliebe eine infizierte Person in der Einrichtung einen ganzen Tag lang unentdeckt und laufe Gefahr, den Virus an andere weiterzutragen. "Das ist dann einfach unglaubliches Pech, das sich leider nicht komplett ausschließen lässt", sagt der Pflegestern-Geschäftsführer.

So lässt sich auch erklären, weshalb das Grafinger Pflegestern-Haus bislang Corona-frei ist, es hingegen im Poinger Seniorenzentrum zu einem größeren Ausbruch mit mehr als 20 infizierten Bewohnern gekommen ist, obwohl beide Einrichtungen denselben Betreiber haben und mit dem gleichen vom Gesundheitsamt geprüften Schutzkonzept arbeiten.

Ob die Heimleitung der zweiten Pflegeeinrichtung im Landkreis, in der es bislang keinen bestätigen Corona-Fall gab, die Einschätzung von Pflegestern-Geschäftsführer Haile teilt, ist nicht bekannt - trotz mehrerer Anfragen der Ebersberger SZ konnte leider kein Gespräch zustandekommen.

Marion Wolinski vom Landratsamt schätzt die Lage jedenfalls genau wie Haile ein. "Absolut verhindern kann man eine Infektion leider nie komplett, auch nicht in einem Pflegeheim", sagt sie. "Das gehört bei dem Virus tragischerweise eben dazu."

© SZ vom 15.02.2021/koei
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