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Corona im Landkreis Ebersberg:Das Ebersberger Impfzentrum ist fertig

Der Umbau der früheren Schalterhalle des Ebersberger Sparkassengebäudes ist abgeschlossen. Bis zu 750 Menschen können dort und mit den mobilen Teams künftig täglich gegen das Coronavirus geimpft werden. Nur das Wichtigste fehlt momentan noch.

Von Nathalie Stenger, Ebersberg

Der Ablauf ist simpel: Vorherige Terminvergabe, Anmeldung vor Ort, ein kurzer Aufenthalt im Wartebereich, ein Abstecher in eines der vier Behandlungszimmer, ein Schlenker zur Abmeldung und dann nach draußen. Schon ist man geimpft.

So die Theorie, nach der vom 5. Januar an Ebersberger Bürgerinnen und Bürger mit den neuen Corona-Impfstoffen versorgt werden sollen. "Die räumlichen Voraussetzungen sind geschaffen", so verkündete Landrat Robert Niedergesäß (CSU) es Montagmorgen bei der Vorstellung des Impfzentrums der Kreisstadt. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Rinkes aus Grafing und Firma Tresec aus Taufkirchen hat das Landratsamt einen Teil des ehemaligen Sparkassengebäudes, das seit 2018 im Besitz des Landkreises ist, innerhalb kurzer Zeit - der Auftrag an Tresec wurde am 4. Dezember erteilt - zum Impfzentrum umfunktioniert.

Tatsächlich sei der Umbau überschaubar gewesen, so Niedergesäß. "Das ist der Vorteil des Objekts." Statt Bankschaltern befindet sich unter dem großen Glasdach nun ein Wartebereich mit zwanzig Stühlen und ausreichend Sicherheitsabstand, die ehemaligen Büros sind Behandlungs- und Notfallzimmer, und auch für genügend Sitzmöglichkeiten zur Nachbeobachtung ist gesorgt. Wichtig ist dabei die Anonymität: "Wir achten auf den Datenschutz", sagt Liam Klages, Projektleiter der Firma Tresec, "man wird nicht wie bei vielen Haushaltspraxen mit dem Namen, sondern mit einer Nummer aufgerufen."

20 bis 25 Minuten sind pro Impfung angesetzt

Der Landrat führt durch Absperrbänder in Behandlungszimmer Nummer eins, wo bald die Aufklärung und die Impfung selbst stattfinden werden. Auf wenigen Quadratmetern stehen hier Schränke, zwei Schreibtische, eine Liege und eine mobile Waschstation, außerdem gibt es medizinische Grundausrüstung, ein EKG und einen Defibrillator. Über dem Teppich sei nun ein PVC-Boden, erklärt Niedergesäß, die Wände seien frisch geweißelt und auch die Milchfolien am Fenster seien neu. "Computer und Spuckschutz kommen noch", heißt es von Liam Klages.

20 bis 25 Minuten sind in Ebersberg pro Impfung für eine Person anberaumt, bei dem Regelbetrieb von 8 bis 18 Uhr lassen sich so 250 Impfungen ausführen. Mit einer Ausweitung von 6 bis 22 Uhr und dem zusätzlichen Einsatz der mobilen Teams für Impfungen in Altenheimen sind sogar bis zu 750 am Tag möglich. Das Impfzentrum wird an sieben Tagen in der Woche geöffnet sein. "Ein kleines Produkt fehlt aber noch", so Niedergesäß, "der Impfstoff." Wann dieser zugelassen und geliefert werde, sei noch ungewiss. Damit man dann aber gleich starten könne, werde es vorab einen Probelauf geben, verkündet Niedergesäß.

Noch ist unklar, welcher Impfstoff verabreicht wird

Auch welcher Impfstoff letztendlich in der Kreisstadt verabreicht wird, ist noch unklar. "Es kann also sein, dass zwei verschiedene, also der Impfstoff von Biontech/Pfizer und Astra-Zeneca, geimpft werden", so Liam Klages. In diesem Fall habe man sich überlegt, tageweise zu impfen. "Und natürlich bekommt jeder Bürger beim zweiten Impfvorgang dasselbe Vakzin wie beim ersten Termin."

Gelagert werden die Impfdosen im Keller, genauer im Vorraum des Tresors der ehemaligen Bank. Einer der großen Arzneimittelkühlschränke - er hat ein Fassungsvermögen von 640 Litern - steht noch verpackt im Eck des hellen Warteraums, bald wird er ein Stockwerk tiefer für die Vakzine bereitstehen. Dort unten sollen diese auch geliefert werden. "In kleinen Bindungen von 900 Impfdosen", sagt Liam Klages. Sogar die ehemalige Geldschleuse könne dann wieder zum Einsatz kommen.

Das Tresor allerdings soll zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Gebrauch genommen werden. Immerhin gebe es rund um die Uhr einen Sicherheitsdienst, so Klages. Sollte es aber erforderlich werden, sagt Brigitte Keller, Leiterin der Abteilung Zentrales im Landratsamt, könne man durchaus vom Tresor Gebrauch machen.

Corona-Impfzentrum LKR EBE

Liam Klages von der Firma Tresec ist Projektleiter des Ebersberger Impfzentrums.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Mindestens vier Ärztinnen und Ärzte, sechs medizinische Fachangestellte und sechs Verwaltungskräfte werden zusätzlich zum Personal der Reinigungsfirma und des Sicherheitsdiensts im neuen Impfzentrum arbeiten. Auch Norbert Neugebauer, der ehemalige Büroleiter des Landrats, ist dabei. Ehrenamtlich sei dieser das Verbindungsglied zwischen Landratsamt und Impfzentrum, sagt Brigitte Keller, und "einen besseren Mann hätten wir nicht finden können". Das Büro von Neugebauer, Lagerräume und Umkleiden der Mediziner befinden sich im ersten Stock.

Ohne Termin gibt es keinen Einlass

Die Kosten für den Betrieb des Impfzentrums werden dabei vom Freistaat Bayern übernommen. "Wahrscheinlich ist es eines der billigsten Zentren, weil es das Gebäude schon gab", vermutet Keller.

Die Terminvergaben für die Impfungen - es sind schließlich immer zwei Impftermine pro Person - sollen von Januar an über eine Telefonhotline mit Ebersberger Nummer erfolgen, so Liam Klages. Dieselbe Nummer, die noch in dieser Woche bekannt gegeben werden soll, diene Bürgern auch zur Information. Generell gelte im Impfzentrum, genau wie im Diagnostikzentrum in einem anderen Teil des Gebäudes: "Ohne Termin kein Einlass."

© SZ vom 15.12.2020
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