Ebersberg:Priol baut eine aktuelle Nachricht von Mario Gomez ein

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Wie Priols Interpretation bei Jurys und Journalisten ankommt, interessierte im Alten Speicher niemand, weil die meisten zu beschäftigt damit waren zuzuhören. Priol rechnete in gewohnter Manier mit der versammelten bayerischen CSU-Prominenz ab, Söder, Seehofer und Stoiber kanzelte er als drei selbstradikalisierte Einzeltäter ab: "Bei der CSU ist längst nichts mehr alles christlich und sozial". Anschließend drang er in die Europapolitik vor, "Kettenhund Erdoğan" sei "zum Türsteher der europäischen Wertegemeinschaft" mutiert.

Priols Programm, das er am Freitag in der Nähe von Würzburg spielt, heißt "Jetzt. Schon wieder aktueller". Priol hat es sich zur Aufgabe gemacht, aktuelle Nachrichten, sogenannte Breakingnews, in sein Programm einfließen zu lassen. Die Zuschauer in Ebersberg konnten sich also auf mögliche Überraschungen freuen. Um dem Versprechen gerecht zu werden, hat Priol neben dem Stehpult mit dem Weißbierglas einen Tisch mit einem Tablet-Computer aufgebaut, den er in der Pause auch dieses Mal benutzte.

Satire soll verletzen dürfen

So präsentierte er die Nachricht, dass der Fußball-Nationalspieler Mario Gomez wegen der politischen Situation in der Türkei nicht zu seinem Verein Besiktas Istanbul zurückkehren werde. Einen Witz dazu sparte sich Priol, auch Humor habe seine Grenzen, wie er nach der Vorstellung verriet.

Und Priol blieb politisch, beschäftigte sich mit der AFD, kritisierte die Agrarsubventionen der EU und dass Autos mit Maiskolben betrieben werden ("eine neue Form von Essen auf Rädern"). Priol ist direkter als sein Anstalts-Kollege Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, hat wenige nachdenklichere Elemente, bringt die Dinge aber pointiert auf den Punkt.

"Wenn Satire nicht mehr verletzt, brauchen wir sie nicht mehr", sagte Priol. Wer zu Urban Priol geht, hört einem Mann zu, dem eine chronische Unzufriedenheit mit der Weltpolitik anhängt - was es unwahrscheinlich macht, dass ihm einmal der Stoff ausgeht.

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