Der eine montiert die Deko schon, sobald irgendwo das erste Mal "Last Christmas" erklingt, die andere macht auf den letzten Drücker am 23. noch schnell ein paar Platzerl ... Wir haben für unsere Serie "Bunter Advent" Menschen aus dem Landkreis Ebersberg gefragt, wie sie die Tage ab dem ersten Dezember begehen und was auf keinen Fall fehlen darf.
Auf die wohltuende Wirkung von Knoblauch bauen seit Ewigkeiten zahlreiche Völker. In der Slowakei wissen darum sogar schon die Kinder, wie von Barbora Čaplovič zu erfahren ist. Denn beim Weihnachtsessen stehe noch vor den Weihnachtswaffeln (Vianočné oblátky) mit Honig, die es ausschließlich zur Weihnachtszeit gibt und die man auf dem Wochenmarkt und nicht im Discounter kauft, idealerweise von "alten Weiblein", die das Gebäck mit dem passenden Werkzeug in ihren Dörfern hergestellt haben, der absolut unverzichtbaren Sauerkrautsuppe mit Pilzen, dem Kartoffelsalat mit wahlweise geräuchertem Schinken oder Karpfen, das Zerkauen einer rohen Knoblauchzehe an. "So ist die Gesundheit für das ganze kommende Jahr garantiert", sagt die 37-Jährige, die seit zehn Jahren in Ebersberg wohnt.
In Deutschland und Österreich, wo sie vorher lebte, hat sie auch erstmals erlebt, dass man bereits die ganze Adventszeit zelebrieren kann, was ihr sehr gut gefällt. Die vorweihnachtlichen Aktivitäten ihrer Kinderzeit beschränkten sich auf den Gang in die katholische Kirche, den die Großmutter stets mit allen Enkelkindern gleichzeitig unternahm, um ihnen die Krippe zu zeigen. Zwar wurden auch Plätzchen gebacken, aber "alles kam in eine Dose auf den Schrank und durfte vor dem Festmahl am 24. nicht angerührt werden". Denn Weihnachten habe sich in Bratislava praktisch nur zwischen Heilig Abend und dem 26. Dezember abgespielt, nachdem am Vortag der Baum besorgt und dann am Vormittag des 24. mit der ganzen Familie inklusive der Kinder geschmückt worden sei.
Eine ganz besondere, eigene Weihnachtstradition hat die gelernte Krankenschwester, die jetzt als Tagesmutter arbeitet, bei ihren beiden Kindern eingeführt. In Anlehnung an die kleine Jahresbilanz, die ihr eigener Vater stets beim Aperitif vor dem Weihnachtsmahl zog, gibt es für den neunjährigen Sohn und die fünfjährige Tochter einen "Brief vom Christkind". Der wird noch vor der Bescherung verlesen und fasst mit lobenden Worten zusammen, was im Jahr zuvor alles richtig gut gelaufen ist. Gleichzeitig wird angedeutet, in welchen Bereichen die zwei sich noch verbessern können. Und es geht um Werte, um die Tatsache, dass es längst nicht allen Menschen auf der Welt gleich gut geht, kurzum die wahre Bedeutung des "Fests der Liebe" jenseits vom puren Austausch von Geschenken.
Das größte Geschenk seien sowieso die zahlreichen gegenseitigen Verwandtenbesuche überall im Land, die an den Feiertagen und zwischen den Jahren erfolgten. Diese wird Čaplovič heuer vermissen, wenn sie das Fest erstmals in Deutschland und nicht in der Slowakei verbringt, wie das bisher der Fall war, weil ihr Ehemann seine Wurzeln in derselben Stadt hat wie sie. Dennoch freut sie sich sehr darauf und leer wird es trotzdem nicht am Tisch beim traditionellen Mahl. "Wir haben reichlich Freunde eingeladen, denn es ist uns ganz wichtig, dass an Weihnachten keiner alleine ist!" Der Knoblauch ist schon besorgt.
