Reaktion auf zerstörtes Plakat:"Ekelhafte Aktion"

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Dieses Plakat der Kolpingjugend wirbt für Frieden und Toleranz - das gefällt offenbar nicht allen. (Foto: Christian Endt)

Nach mutmaßlich rechtsradikalem Vandalismus in Ebersberg fordert das Bündnis "Bunt statt Braun" mehr Einsatz für die Verteidigung der Demokratie.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Das Bündnis "Bunt statt Braun" fordert angesichts des mutmaßlich von Rechtsradikalen begangenen Vandalismus an einem Plakat der Kolpingjugend Ebersberg mehr Einsatz für die Demokratie. Vorige Woche war ein Plakat, das eigentlich ein Zeichen für Toleranz und gegen Extremismus setzen sollte, von Unbekannten beschmiert worden. Statt des ursprünglichen Textes: "Frieden ist, wenn Herkunft egal ist" hatten Unbekannte das erste Wort durch "Invasion" ersetzt - was einer unter Neonazis gebräuchlichen Wortwahl entspricht.

Aus diesem Milieu vermutet man bei der Kolpingjugend auch die Urheber der Schmiererei und verweist auf andere rechtsradikale Vorfälle in der Kreisstadt. Etwa ein Stadelfest in Neuhausen, wo es zu Sprechchören mit "Sieg Heil"-Rufen gekommen war. Genau gegen solche rechtsradikalen Umtriebe sollte sich die Aktion eigentlich richten, Ende April entstanden im Rahmen der 72-Stunden-Aktion die Plakate mit Aufrufen zu Vielfalt und Zusammenhalt.

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Eigentlich wollte sich die Ebersberger Kolpingjugend mit ihrer Aktion für Vielfalt und gegen Ausgrenzung einsetzen. Nun ist eines der Plakate von Unbekannten verunstaltet worden.

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Dass nun ausgerechnet das Wort "Frieden" durch "Invasion" ersetzt wurde, habe "die Bedeutung des Satzes in sein Gegenteil verkehrt", so die Stellungnahme von "Bunt statt Braun". Dies sei "in unseren Augen eine auf mehrfache Weise ekelhafte Aktion: Das Engagement der jungen Leute wird ad absurdum geführt. Statt Unterstützung zu erfahren, werden die Jugendlichen verhöhnt - eine sicherlich demotivierende und frustrierende Erfahrung".

Nicht zuletzt, so schreibt das Bündnis weiter, "wird die Kolpingjugend insgesamt in ein falsches, volksverhetzendes Licht gerückt und verleumdet, da das Kolping-Logo einwandfrei zu erkennen ist und die Organisation als Urheberin des Plakats ausweist. Dasselbe gilt für die Stadt Ebersberg, die die Genehmigung zur Aufstellung des Plakats erteilt hat".

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Die Verunstaltung des Plakats zeige "einmal mehr, dass rechtsradikale und demokratiefeindliche Kräfte in unserem Landkreis aktiv sind und wir die Feinde unserer Werte wachsam im Auge behalten müssen", fordert Bunt statt Braun: "Jede Demokratin und jeder Demokrat ist aufgefordert, sich stets für den Erhalt und die Verteidigung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung einzusetzen."

Wofür, so heißt es weiter, die jungen Leute, welche sich an der Plakataktion beteiligt haben, ein Vorbild seien: Man solle "dankbar dafür sein, dass wir in unserer Gesellschaft Jugendliche haben, die nicht davor zurückscheuen, offensiv und öffentlich gegen Rechtsradikalismus und für eine offene Gesellschaft einzutreten".

Das Bündnis "Bunt statt Braun" ging aus einer überparteilichen Aktion gegen Rechtsradikalismus hervor, konkret gegen einen Wahlkampfauftritt der NPD im Jahr 2005 in Ebersberg. Zwei Jahre später wurde dann das gleichnamige Bündnis gegründet. Dieses versteht sich als überparteilich, die Kreisverbände sowohl der CSU wie der SPD, der Grünen und der Freien Wähler gehören zu den Unterstützern, genau wie zahlreiche Verbände und Vereine, die beiden Volkshochschulen des Landkreises sowie einige Kirchengemeinden, Feuerwehren und Kulturorganisationen. Auch die Kolpingfamilie ist Kooperationspartner des Bündnisses.

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