Lange läuft die Veranstaltung noch nicht, da stellt Josef Peis schon fest, dass er nicht den allergrößten Fanclub im Saal hat. „Der Uli hat ein totales Heimspiel, mal schauen, mit wem ich mich noch verbinde“, sagt er und fügt eilig an: „Nein, Scherz!“ Eigentlich müsste es für Peis laufen, der 52-Jährige tritt schließlich nicht nur als Kandidat der Wählervereinigung Pro Ebersberg an, sondern auch als Empfehlung der CSU, die zum ersten Mal seit Jahrzehnten mit keinem Bürgermeisterkandidaten aus den eigenen Reihen aufwartet. Doch bei der Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie im Alten Speicher erhält Amtsinhaber Ulrich Proske, der wieder als parteiloser Kandidat für die SPD antritt, deutlich mehr Applaus.
In einem langen, aber kurzweiligen Abend lädt Moderator Manfred Ruopp die beiden Bewerber für das Amt des Rathauschefs zu kleinen Spielen ein und fragt sie nach ihrer Lieblingsfarbe, ihrem Hochzeitstag, ihren Hobbys. Doch es geht auch zur Sache – etwa bei der Frage an Peis, warum er, der ja Pro Ebersberg vor sieben Jahren als Gegenentwurf zur CSU mitgegründet hatte, sich nun mit der CSU zusammengetan habe. Ja, sagt Peis, anfangs habe es durchaus unterschiedliche Positionen gegeben. Aber bei den Haushaltsberatungen habe man gemerkt, dass man auf einer Wellenlänge liege und gemeinsam eine Veränderung an der Stadtspitze herbeiführen wolle.

Um die Haushaltsberatungen geht es mehrmals, und einmal frieren Proske ein wenig die Gesichtszüge ein – nämlich als Josef Peis behauptet, es gebe zwischen ihm und dem Amtsinhaber gute „Vibrations“. Die spüre er im Stadtrat nicht immer, merkt Proske an: „Viel Geschimpfe, wenig Lösungsansätze.“ Auf die Frage, wo er denn konkret sparen würde, bleibt Peis vage, auf lautstarke Forderungen aus dem Saal nennt er dann doch ein paar Beispiele: die Straßenlampen selbst betreiben etwa. „Wollen Sie es so konkret wissen oder ist Ihnen ein Bürgermeister lieber, der Prozesse einleitet, der schaut, wie wir die Ausgaben insgesamt in den Griff bekommen?“, fragt er ins Publikum.
Der Herausforderer sieht bei der Gewerbepolitik Defizite
Dass in den vergangenen sechs Jahren in Ebersberg trotz schwieriger Umstände – Stichwort Corona und Ukraine-Krieg – viel passiert ist, darauf wirft Proske bei seinen Antworten auf die Fragen aus dem Publikum immer wieder Schlaglichter: Kinderbetreuung, Wohnungsbau, Demokratieförderung. Letztere bewahre Ebersberg vielleicht auch in Zukunft davor, dass die AfD hier Fuß fasse, sagt der Bürgermeister und erntet damit wahrscheinlich den lautesten Applaus des Abends.
Peis schaltet beim Thema Gewerbepolitik auf Angriff und wirft Proske vor, sich nicht genügend um die Unternehmer zu kümmern, während er sie „hegen und pflegen“ würde. Proske kontert, das größte Problem für Gewerbe sei, dass es zu wenige Flächen im Stadtgebiet für Firmenerweiterungen gebe, hier wolle man aber mit den Plänen in Langwied Abhilfe schaffen.
Natürlich spielt auch der Dauerbrenner Verkehr in der Diskussion eine Rolle. Proske macht dabei klar, dass er sich nach wie vor nicht für eine Umgehungsstraße ausspricht. Doch auch Peis, der in den vergangenen Jahren das Thema immer wieder aufs Tapet gebracht hat, verspricht diesbezüglich nichts: Einen gemeinsamen Beschluss im Stadtrat dazu sehe er derzeit nicht, und einen Bürgerentscheid wolle er nicht initiieren, sagt er.

