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Kommunalwahl:Ebersberg: Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2020 im Porträt

EBE Bgm-Kandidaten Podium

Die Ebersberger sind gespannt darauf, ihre Kandidaten kennenzulernen. Das hat sich auch bei einer Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie im Alten Speicher gezeigt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Fünf Bewerber gehen ins Rennen um die Nachfolge von Amtsinhaber Walter Brilmayer, der aus Altergründen aufhört. Die Bewerber setzen recht unterschiedliche Akzente.

Mit dem Ausrufen einer neuen Ära soll man ja zurückhaltend sein, es ist allerdings keine Übertreibung, dass in der Kreisstadt am 15. März mindestens ein neues Kapitel in der Stadtpolitik aufgeschlagen wird. Bei den Wahlen wird sich, so viel kann man jetzt schon absehen, vieles ändern. Das betrifft zum einen natürlich das höchste Amt der Stadt, das Walter Brilmayer (CSU) seit nunmehr 26 Jahren innehat, der aus Altersgründen aber nicht erneut antreten kann. Das bedeutet einen Wahlkampf ohne Amtsbonus, was ganz offenbar die Lust an der Kandidatur befeuert: Fünf Bewerber - tatsächlich nur Männer - schicken sich an, Brilmayers Nachfolge anzutreten. Hier werden sie kurz vorgestellt.

Aber auch im Stadtrat wird sich nach der Wahl wohl einiges verändern, denn diesmal gibt es so viele Bewerbungen, wie noch nie. Denn neben den bereits im Gremium vertretenen Parteien CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne und FDP will auch die neue Gruppierung "Pro Ebersberg" in den Stadtrat einziehen.

Der Langfristige

Alexander Gressierer

Alexander Gressierer (CSU).

(Foto: Privat)

Wer sich in den vergangenen Jahrzehnten daran gewöhnt hat, dass Ebersberger Bürgermeister lange im Amt bleiben, sollte sich für Alexander Gressierer entscheiden. Denn mit 24 Jahren ist er der jüngste unter den Kandidaten und könnte - so ihn die Ebersberger immer wieder wählen - bis in die 2060er Jahre im Amt bleiben. In der Politik ist Gressierer trotzdem kein Neuling, seit 2014 vertritt er die CSU im Stadtrat, seit 2017 ist er CSU-Ortsvorsitzender. Derzeit arbeitet Gressierer bei der Baywa im Bereich Unternehmenskommunikation.

Auf seinem Weg an die Spitze der Stadt will Gressierer die Ebersberger mit neuen Ansätzen von sich überzeugen, etwa beim Verkehr, wo er im Herbst eine überarbeitete Tunnel-Version ins Spiel gebracht hat (s. unten). Dass er der jüngste Kandidat ist, setzt der studierte Landwirt und Politologe offensiv ein, er präsentiert sich als der Mann fürs Neue. Seine anspruchsvoll gestaltete Wahlkampf-Website wartet mit einem modernen Erscheinungsbild und vielen Videos des Kandidaten auf, sogar eine Online-Petition (Fristende 15. März) für ein zweites S-Bahngleis findet sich dort.

Der Neue

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Josef Peis (Pro Ebersberg).

(Foto: Privat)

In der Stadtpolitik war Josef Peis zwar bisher noch nicht aktiv, etwas kommunalpolitische Erfahrung konnte er aber bereits sammeln. Von 2002 bis 2008 war Peis in seiner damaligen Heimatgemeinde Oberding im Gemeinderat. Schon damals trat er für eine unabhängige Liste, die Wählergemeinschaft Niederding an, wie nun mit der neuen Gruppierung "Pro Ebersberg" (unten). Der 46-Jährige ist Politologe und Erwachsenenpädagoge, vor seinem Studium hat er als Bankkaufmann gearbeitet. Seit acht Jahren ist Peis Geschäftsführer beim Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising.

Was der gebürtige Erdinger, der seit 2008 in Ebersberg lebt, als gute Vorbereitung auf seinen Wunschjob als Bürgermeister betrachtet. Er wolle "keine Ein-Mann Politik", schreibt er dazu auf seiner Website, sondern "eine Politik und Kultur des aktiven Zuhörens" pflegen. Peis ist verheiratet und hat drei Kinder, auch daraus habe er für das Bürgermeisteramt lernen können: "Lebenserfahrung macht gelassen und mutig." Eigenschaften, die auch ein Bürgermeister brauchen kann.

Der Quereinsteiger

Uli Proske SPD Bgm Kandidat EBE

Uli Proske (parteilos/SPD).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Den meisten Ebersbergern dürfte Uli Proske kein Unbekannter sein, als Wassermeister - offiziell Leiter der Abteilung Wasserversorgung - der Stadt und als Feuerwehrkommandant kommt man schon einigermaßen herum. Dass diese Prominenz bislang nicht in ein Engagement in der Stadtpolitik gemündet hat, liegt gewissermaßen in der Natur der Sache - als städtischer Angestellter ist ein Sitz im Stadtrat tabu. Für den Kreistag gibt es indes kein solches Hindernis, seit 2016 ist der parteilose Proske dort Mitglied der SPD-Fraktion.

Die Genossen waren es auch, die den 49-jährigen gebürtigen Ebersberger, der mit Frau und drei Kindern im Süden der Kreisstadt wohnt, zur Kandidatur überredeten - beigetreten ist er aber bislang nicht. Sollte er Chef im Rathaus werden, sei es sein Ziel, "unparteiisch und sachorientiert" Politik zu machen. In diesem Sinne macht Proske das, was andere vielleicht als Manko sehen, zum Alleinstellungsmerkmal: Entweder wird er Bürgermeister oder nimmt gar nicht an der Stadtpolitik teil - mit dem Vorteil, sich nicht an eine Fraktion oder Partei binden zu müssen.

Der Stellvertreter

Toni Ried (Freie Wähler).

(Foto: Christian Endt)

Würde Toni Ried von den Freien Wählern das Rennen um den Chefsessel im Rathaus für sich entscheiden, wäre er mit diesem zumindest schon ein bisschen vertraut. Denn der 1953 in Ebersberg geborene Ried, der dem Stadtrat seit 1984 angehört, wurde 1993 zum Dritten Bürgermeister der Stadt gewählt, seit 2008 ist er erster Stellvertreter des Amtsinhabers. Außerdem wurde Ried, der auch dem Kreistag angehört, von diesem 2014 zu einem der weiteren Stellvertreter des Landrates gewählt.

Und genau mit diesem Portfolio an kommunalpolitischer Erfahrung und mit seinem beruflichen Werdegang - Ried war bis in die 1990er im Controlling eines großen Unternehmens tätig und hat später einen Teehandel mit Ladengeschäft am Viktualienmarkt eröffnet, den er mittlerweile an seine Tochter übergeben hat - will er bei den Ebersbergern punkten. Auch damit, dass ihm aufgrund der Altersgrenze lediglich eine Amtszeit zur Verfügung steht, geht Ried offensiv um. Dadurch könne er unabhängiger agieren als ein Amtsinhaber, der sich um eine eventuelle Wiederwahl Sorgen machen müsste, sagt er.

Der Einzelkämpfer

Bernhard Spötzl (FDP).

(Foto: Christian Endt)

Ein bisschen geht es Bernhard Spötzl mit seinem Stadtratsmandat wie jemandem der am 29. Februar Geburtstag hat. Er kommt zwar nicht nur jedes vierte Jahr zum Zuge, sondern sogar vier Mal im Jahr, was aber deutlich weniger ist, als bei den übrigen Stadtratsmitgliedern. Denn da die FDP nur einen Sitz im Gremium hält, ist sie von den Ausschüssen - wo in Ebersberg alles Wichtige vorentschieden wird - ausgeschlossen. Trotzdem kann der 57-Jährige auf einiges an kommunalpolitischer Erfahrung zurückblicken.

Denn der selbständige Vermessungsingenieur und Vater zweier erwachsener Söhne gehörte dem Stadtrat bereits von 1990 bis 2002 an, damals aber noch für die CSU. Bei den Christsozialen begann 1980 sein politisches Engagement, später war er Geschäftsführer des Kreisverbands Ebersberg der Jungen Union. Sein Wechsel zu den Liberalen habe ausdrücklich nichts mit den CSUlern in Ebersberg zu tun, sagt Spötzl, sondern mit der Parteiführung in München seit der Ära Seehofer. Seitdem engagiert sich Spötzl bei der FDP, von 2012 bis 2016 war er Ortsvorsitzender.

© SZ vom 08.02.2020
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