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Bevölkerungsentwicklung im Landkreis:Ebersberg ist nicht mehr Wachstumsmeister

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Viele Menschen haben in Ebersberg ihr neues Zuhause eingerichtet.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Mehr als zwölf Prozent mehr Bürger: Der Zuzug in den Landkreis Ebersberg hält an, allerdings ist er beim Wachstum nicht mehr Rekordhalter in der Region.

Von Wieland Bögel

Es gibt Rekorde, die nicht ausschließlich Jubel hervorrufen, einen davon hat der Landkreis Ebersberg in den vergangenen Jahren des öfteren errungen: Wachstumsmeister. Nirgends in Oberbayern stieg die Bevölkerungszahl prozentual so stark wie in Ebersberg. Diesen Titel hat der Landkreis nach einer aktuellen Studie des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München zwar abgegeben, für die Vize-Meisterschaft reicht es aber weiterhin. Und das Wachstum insgesamt ist eher noch mehr geworden.

Um 12,3 Prozent hat die Zahl der Einwohner im Landkreis Ebersberg zwischen 2009 und 2019 zugenommen, das ist der mittlerweile höchste ermittelte Zehn-Jahres-Wert. Übertroffen wird Ebersberg in diesem Zeitraum lediglich vom Landkreis Dachau, hier kamen die Statistiker auf eine Wachstumsrate von knapp 12,5 Prozent. Für Ebersberg bedeutet das, dass - Stand Ende 2019 - genau 143 649 Personen im Landkreis wohnten, knapp 15 400 mehr als zehn Jahre zuvor.

Für den Zuwachs ist laut den Experten nicht ausschließlich der Zuzug verantwortlich, auch wenn dieser den größeren Teil davon ausmacht. Aber auch einen Geburtenüberschuss hatte es 2019 im Landkreis gegeben: Die Statistik verzeichnet für 2019 knapp 1180 Sterbefälle, dem stehen rund 1300 Geburten gegenüber. Im gleichen Jahr zogen zwar insgesamt knapp 10 700 Personen aus dem Landkreis Ebersberg fort, 12200 entschieden sich aber dafür, ihren Lebensmittelpunkt von anderswo hierher zu verlegen.

Insgesamt ergibt sich für die Jahre 2009 bis 2019 eine jährliche Fluktuation von 15,4 Prozent der Gesamtbevölkerung, damit liegt der Landkreis etwa im Mittelfeld der Region, der Durchschnitt aller Umlandkreise und der Landeshauptstadt liegt bei 15,5 Prozent. Bayernweit ermittelten die Statistiker eine jährliche Fluktuation von 13,4 Prozent. Unter diesem Wert liegt in der Region aber lediglich der Landkreis Landsberg am Lech mit 13,3 Prozent. Deutliche Spitzenreiter sind hier die Landkreise München mit 17,6 und Freising mit 17,7 Prozent. Der neue Wachstumsmeister Dachau kommt auf 14,8 Prozent.

Auch zu den Anteilen der Jugendlichen und der Senioren an der Gesamtbevölkerung gibt die Statistik Auskunft. Demnach waren 2019 im Landkreis Ebersberg 18,6 Prozent der Einwohner jünger als 18 Jahre, das ist genau ein Prozentpunkt weniger als zehn Jahre zuvor. Trotzdem ist Ebersberg damit Spitzenreiter in der Region, kein anderer Landkreis hatte 2019 einen höheren Anteil an jungen Einwohnern. Auf den zweiten Platz kommt der Landkreis München mit 18,1 Prozent, auf den letzten die Landeshauptstadt mit 15,9 Prozent an unter 18-Jährigen. Der regionale Durchschnitt beträgt 16,9, der für Bayern 16,5 Prozent.

Beim Anteil der Senioren liegt der Landkreis Ebersberg im Mittelfeld, regionsweit sind 18,5 Prozent der Einwohner älter als 65 Jahre, hier sind es 18,7 und damit 0,2 Prozentpunkte mehr als ein Jahrzehnt zu vor. Den geringesten Seniorenanteil hat der Landkreis Freising mit 16 Prozent, den höchsten gibt es in Fürstenfeldbruck mit 21,7 und in Starnberg mit 23 Prozent. Dies liegt sogar noch über dem Bayernschnitt von 20,5 Prozent.

Da die Zahlen für diese Statistiken immer erst mit einiger Verzögerung vorliegen - hier eben der Jahresabschluss 2019 - sind die Folgen der Corona-Krise noch nicht eingepreist. Allerdings hat der Planungsverband für die Region insgesamt und für die ersten drei Quartale des Krisenjahres 2020 vorläufige Daten untersucht - mit einem interessanten Ergebnis: Zwar fallen die Zuzüge geringer aus, der Effekt ist aber fast ausschließlich auf die Landeshauptstadt begrenzt. Die Statistiker erklären dies unter anderem mit der geringeren Zahl von Personen, die in die Stadt ziehen, um ein Studium, eine Ausbildung oder einen neuen Job zu beginnen. Dennoch wuchs die Einwohnerzahl Münchens zwischen Januar und September 2020 um 1474 auf dann 1 485 700 Personen.

Im Umland gab es 2020 sogar einen Zuwachs um 2010 Personen, damit stieg die Gesamtbevölkerung hier bis Ende September des vergangenen Jahres auf insgesamt 1 445 500 Leute. Und im Gegensatz zur Landeshauptstadt, wo die Zuzüge 2020 bis auf die ersten beiden Monate des Jahres stets unter den Werten von 2019 lagen, hat Corona in den Umlandkreisen offenbar nur zu einer Verzögerung geführt: Im Juli und August 2020 zogen dort sogar mehr Leute zu als ein Jahr zuvor.

Die Statistiker erwarten darum auch keine langfristigen demografischen Auswirkungen der Corona-Krise. Die Experten gehen davon aus, dass bis 2039 weitere 226 000 Personen in die Region ziehen werden, diese würde dann insgesamt etwa 3,15 Millionen Einwohner zählen - auch dies ist ein Rekord, der wohl nicht ausschließlich bejubelt werden dürfte.

© SZ vom 20.04.2021/vewo, van
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