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Landkreis Ebersberg:Krawalle an den Badeseen

Müllberge bleiben regelmäßig am Klostersee liegen.

(Foto: Privat)

An den öffentlichen Seen im Landkreis Ebersberg kommt es in den dieses Jahr zu Problemen: laute Musik, Müll und Vandalismus. Der Grund ist offenbar klar.

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Ein Polizeiaufgebot von 14 Beamten und Beamtinnen der Polizeiinspektion Poing war am Samstagabend gegen 20.45 Uhr am Poinger Bergfeldsee im Einsatz. Das berichtt der Zweite Bürgermeister der Gemeinde Reinhard Tonollo (SPD). Sogar eine Hundestaffel ist demnach vor Ort gewesen. "In letzter Zeit hatten wir massive Beschwerden wegen Lärm im Bereich der Bergfeldstraße am Badesee", sagt Tonollo. Eine Gruppe von Jugendlichen sei regelmäßig am nördlichen Seeufer - mit im Gepäck: eine riesige Lautsprecherbox, so groß, dass sie von zwei Personen getragen werden muss. Aus ihr dröhnt zum Teil bis in die Nacht hinein laute Musik.

"Ich habe vollstes Verständnis für die Jugendlichen, die können ja wegen Corona nicht in die Stadt oder in Clubs", so Tonollo weiter. "Aber wenn die Gläser auf den Tischen der Anwohner scheppern, weil der Bass so wummert, dann hört mein Verständnis eben auf." Solche und ähnliche Probleme gibt es nicht nur in Poing zu beklagen, sondern auch an anderen öffentlichen Badeseen im Landkreis Ebersberg - häufiger und extremer, als es für gewöhnlich in den Sommermonaten der Fall ist.

"Ich glaube, denen ist unglaublich langweilig", sagt Steinhörings Bürgermeisterin Martina Lietsch (Freie Liste) und stimmt damit Tonollos Vermutung zu, laut der die großen Probleme mit Jugendgruppen an den Seen eine Folge der Corona-Beschränkungen sind. "Denen fehlt die Schulstruktur." Auch in ihrer Gemeinde gibt es vermehrt Ärger mit Jugendlichen am Maximiliansee. Zwar sei dort laute Musik bislang kein Problem - anders als am Poinger Bergfeldsee sind in Steinhöring die nächsten Anwohner weit weg. Dafür gibt es Lietsch zufolge aber viele Fälle von Vandalismus und Müll, der einfach liegengelassen wird.

Die Bürgermeisterin bedauert die Schäden und Unachtsamkeit besonders in der Hinsicht, dass die Gemeinde viel Arbeit und Mühe investiert hat, den See heuer flott zu kriegen. "Wir haben den tippi-toppi hergerichtet." Und nun das: Graffiti im Bereich des Sees, wie auch auf Straßenschildern im Ort und auf einer historischen Steinsäule, die erst kürzlich aufwendig renoviert wurde, sowie ein zerstörter Badesteg: Herausgerissene Bretter, die ein hohes Verletzungsrisiko sind, so Lietsch. "Da braucht ja nur ein abgebrochener Nagel im Wasser auf dem Boden liegen!"

Steinhöring Schmierereien

In Steinhöring richten Sprayer viel Schaden an.

(Foto: Privat)

Am Ebersberger Klostersee sorgt hauptsächlich der viele Müll für Probleme, aber alkoholisierte Pöbler gibt es auch dort. Seit einigen Wochen gibt es freitags und samstags sogar einen Sicherheitsdienst, der am See für ein zivilisierteres Beisammensein sorgen soll - eine der ersten Amtshandlungen von Bürgermeister Uli Proske (parteilos), wie er selbst sagt. "Das Ziel ist nicht, die Leute von dort zu verjagen", so der Bürgermeister. "Aber es gilt eben, ein paar Spielregeln einzuhalten." Am Klostersee seien es nicht nur Jugendliche, die Regeln brechen, sondern laut Proske Frauen und Männer mehrerer Altersgruppen. Und: Nicht immer sind es Ebersberger; auch mit Gruppen aus anderen Kreisgemeinden gibt es Schwierigkeiten. Der Sicherheitsdienst habe schon Platzverweise erteilt, weil sich einige der Unruhestifter nicht beruhigen ließen, so Proske weiter.

Die Probleme mit herumliegenden Müll gibt es in Ebersberg alle Jahre wieder, wie der Bürgermeister sagt. Da unterscheidet sich der Ebersberger Badesee nicht von denen in Poing und Steinhöring. Aber die Dimension sei im Pandemie-Jahr 2020 noch einmal eine ganz andere. Proske berichtet von Partys am Südufer, bei denen ungegrilltes Billigfleisch in geöffneten Verpackungen liegen gelassen wurde, mitsamt Grill, leeren Getränkeflaschen und anderem, was wohl nicht mehr als wertvoll genug erschien, um mit nach Hause getragen zu werden. "Da haben wir in kürzester Zeit eine Rattenplage, das geht einfach nicht."

Müll am Klostersee

Auch ein verlassener Einkaufswagen steht am See herum.

(Foto: Privat)

Laute Musik ist laut Proske genau wie in Steinhöring bisher kein großes Problem gewesen. Aber: Immer wieder liegen abgebrochene Flaschenböden in den Sandkästen oder im Nichtschwimmerbereich. Eigentlich sind Glasflaschen auf dem gesamten Gelände am Klostersee verboten. "Da fehlen mir die Worte!", so Proske. Und sie liegen nicht nur am Klostersee, sondern auch an anderen Orten in Ebersberg. An einem Weiler in der Nähe des Klostersees sei sogar ein Fischersteg zerstört worden, so Proske. Auf dem Steg wurde ein offenes Feuer entfacht - da braucht es nicht die Profi-Kenntnisse von Proske als langjähriger Feuerwehrler um zu wissen: Das kann nicht gut gehen. Der Steg wurde vollkommen zerstört.

Was also tun gegen all diesen Lärm, die Vermüllung und den Vandalismus? Die Ansätze sind durchaus unterschiedlich: In Poing versuchen Erster Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) sowie sein Stellvertreter Tonollo, mit den Jugendgruppen in ein persönliches Gespräch zu kommen und ihnen die Problematik ihres Verhaltens klarzumachen. Martina Lietsch unternimmt in Steinhöring Ähnliches. Regelmäßig sind sie oder ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am See in der Hoffnung, die Gruppen dort anzutreffen, um mit ihren zu sprechen. Beide Gemeinden setzen aber auch auf Polizeipräsenz, wie in Poing der Einsatz am Wochenende zeigt. Auch Lietsch ist mit der Ebersberger Polizei in Kontakt und hat darum gebeten, dass am Maximiliansee nun häufiger eine Streife vorbeischaut.

In Ebersberg sieht man derzeit noch ab von polizeilicher Unterstützung. Wie Bürgermeister Proske sagt, sei bereits eine leichte Verbesserung der Situation durch die Anwesenheit des Sicherheitsdienstes zu erkennen. "Ich möchte erst einmal weiter versuchen, den persönlichen Kontakt herzustellen", so Proske, "um herauszufinden, was da überhaupt los ist und wo der Hund begraben liegt." Aber eines ist für ihn auch klar: "Wir können nicht wegdiskutieren, dass wir da ein Problem haben."

© SZ vom 07.08.2020/koei
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