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Geburten:Babyboom im Landkreis Ebersberg

Babyboom an Universitätsfrauenklinik in Leipzig

Folge von Reformen in der Familienpolitik? In Deutschland steigt die Geburtenrate - hier Babys in der Universitätsfrauenklinik Leipzig - seit fünf Jahren kontinuierlich an.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

Die Zahl der Anmeldungen in der Geburtshilfe der Kreisklinik ist spürbar angestiegen. Und das liegt nicht nur an den Bürgern im Landkreis Ebersberg.

Das wird ein geburtenstarker Jahrgang. Schon zur Halbzeit 2017 steht fest, dass die Rekordmarke der Babys, die in der Ebersberger Kreisklinik voriges Jahr auf die Welt gekommen sind, problemlos geknackt wird. Wurden Ende Dezember 650 kleine Ebersberger gezählt, denen als Geburtsort die Kreisstadt ins Stammbuch geschrieben wurde, rechnet Geschäftsführer Stefan Huber für 2017 mit 720 Kindern. Das liegt auch daran, dass das Erdinger Klinikum am Freitag bekannt gegeben hat, seinen Kreißsaal über die Sommermonate zu schließen, weil es zu wenig Hebammen gibt.

Tatsächlich läutet das Telefon in der Geburtshilfe der Kreisklinik Ebersberg seitdem deutlich öfter. Gleich am Wochenende nach Bekanntwerden der schlechten Nachrichten aus dem Nachbarlandkreis hätten sich zwölf Schwangere aus Erding zur Entbindung in Ebersberg angemeldet, berichtet Geschäftsführer Huber, der mit weiterem Andrang rechnet. Aber auch ohne die Erdinger Babys seien schon jetzt 30 Buben und Mädchen mehr in der Kreisklinik auf die Welt gekommen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Bislang hat Huber keine Sorge, dass die Geburtshilfe seines Hauses überfordert sein könnte. Er geht davon aus, dass auch bei steigenden Geburtenzahlen keine Schwangere weggeschickt werden muss, wie es in München schon geschehen ist. "Das geht gar nicht", sagt der 42-Jährige, der selber vor zehn Monaten Vater geworden ist.

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Er ist voll des Lobes für das "hervorragende Hebammenteam" in Ebersberg, das die Patientinnen einfühlsam versorge. Viele Frauen schätzten darüber hinaus, dass sich das medizinische Personal im Ebersberger Kreißsaal die Zeit nehme, um ihnen eine natürliche Geburt zu ermöglichen, so Huber. Entsprechend liegt die Zahl der Kaiserschnitte mit 21,5 Prozent aus 2016 deutlich unter dem bayerischen Durchschnittes von um die 30 Prozent.

Aushilfe für Erding

Dass der Hebammen-Mangel, weshalb der Erdinger Kreißsaal vorübergehend und die Geburtshilfe im Bad Aiblinger Krankenhaus sogar ganz schließt, Ebersberg nicht trifft, ist auf eine Besonderheit zurückzuführen. Denn im Gegensatz zu anderen Häusern, die in der Regel mit freien Hebammen zusammenarbeiten, sind sieben von acht Hebammen in der Kreisklinik fest angestellt.

"Nun zeigt sich, dass das die richtige Entscheidung war", sagt Huber mit Blick auf die Engpässe in der Region. Wenn es im Ebersberger Kreißsaal doch mal hektisch wird, liegt das nicht an fehlenden Hebammen - derzeit gibt es eine freie Stelle -, sondern daran, dass sich Babys nicht an ihren errechneten Geburtstermin halten, sondern auf die Welt kommen, wann sie wollen. "Letzte Woche hatten wir in einer Stunde drei Geburten", sagt Huber.

Allerdings hat er Verständnis dafür, dass sich nicht alle Hebammen fest anstellen lassen wollten. "Freiberuflich verdienen sie deutlich mehr", sagt Huber. Hinzu komme aber die enorm hohe Haftpflichtversicherung. Das liege daran, dass in keinem anderen medizinischen Fachgebiet als in der Geburtshilfe höherer Schadenersatz geleistet werde, falls etwas schief laufe. Finanziell trifft das auch die Kreisklinik. "Wir bezahlen alleine 550 000 Euro an Haftpflichtversicherung", sagt Huber. Es mache sich eben bemerkbar, wenn man eine Geburtshilfe im Haus habe. Auf der anderen Seite könnten Hebammen in einer Festanstellung Teilzeit arbeiten. Freiberuflich könnten sie sich das gar nicht leisten, wie sich in Erding nun gezeigt habe.

Auch politisch ist das Kinderkriegen für Huber, der für die CSU im Vaterstettener Gemeinderat sitzt, durchaus ein Thema. "Ich finde es erstaunlich, dass die Geburtshilfe nicht in der Grund- und Regelversorgung enthalten ist", sagt der Geschäftsführer der Kreisklinik. Denn fest stehe zwar, dass innerhalb von etwa 30 Kilometern ein Krankenhaus sein sollte. Vorgeschrieben seien aber nur eine internistische Abteilung, Unfallchirurgie und allgemeine Chirurgie sowie eine Anästhesie, alles andere sei eine freiwillige Leistung.

"Ich finde deshalb, dass die Geburtshilfe in die Grund- und Regelversorgung mit hineingehört", fordert Huber. Es dürfe nicht sein, dass werdende Eltern erst einmal eine Stunde Auto fahren müssten, um ein Krankenhaus mit Kreißsaal zu erreichen. Dann riskiere man, dass Babys im Taxi oder im Krankenwagen zur Welt kämen.