Auf der Raserei, das wird auch die Polizei nicht müde zu betonen, da liegt kein Segen drauf: Wer mit 180 in der Spielstraße geblitzt wird, kann sich schon mal nach einem guten Fahrrad umtun, und hat dabei wohl noch Glück gehabt. Schließlich gehen manche Fälle von überhöhter Geschwindigkeit dramatisch aus – zugegeben aber manchmal auch ein bisschen komisch. Das gilt für die seltenen Gelegenheiten, wenn zum Glück niemand verletzt, aber ein für den Normaunternommenen unerschwingliches, edles Luxusvehikel durch einen Aufprall zu gänzlich unedlem Alteisen wird.
Dies im Sinn, ist man auf dem abendlichen Heimweg dann doch ein wenig genervt, wenn sich eben dieser wegen eines das Gegenteil von Raserei praktizierenden Verkehrsteilnehmers unnötig verlängert – was beispielsweise auf der B304 allerdings eher der Regelfall denn die Ausnahme ist. Warum ausgerechnet und auch zu Randzeiten immer vor dem eigenen Auto dieser eine Betonmischer oder Traktor unterwegs sein muss, oder warum ausgerechnet jetzt irgendjemand nicht mehr weiß, ob man auf der Landstraße 100 oder doch nur 50 fahren darf, siehe oben, scheint eines der großen Rätsel der Gegenwart zu sein.
Manchmal wird das Ganze indes noch viel rätselhafter, wie nun an einem Abend auf der B 304. Dass man sich dort in einen Konvoi hinter einem sehr langsam fahrenden Fahrzeug einreiht, gehört quasi zur Routine, und wie jeden Abend stellt sich dabei die Frage: Was ist es denn diesmal? Baumaschine, Landmaschine, fehlende Kaffeemaschine?
Die nächste Kurve erlaubt schließlich einen Blick auf das so gemütlich den übrigen Verkehr verzögernde Fahrzeug: Ein Kleinlieferwagen mit der Aufschrift „Eilige Arzneimittel“ zuckelt gemütlich über die Bundesstraße. Im Sinne aller auf diese Medikamente angewiesenen Personen kann man nur hoffen, dass die Ware in diesem Moment bereits ausgeliefert ist und sich der Fahrer nach seinem ganzen eiligen Tagesgeschäft auf dem Heimweg lediglich etwas Entschleunigung gönnt.

