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Ebersberg:Ausgedehnte Auszeit

Gottlieb Fauth verlängert überraschend seinen Urlaub um zwei Wochen. Dies nährt erneut Spekulationen um die Dienstfähigkeit des Ebersberger Landrates.

Erneut gibt es Spekulationen um eine mögliche Dienstunfähigkeit von Landrat Gottlieb Fauth (CSU). Nachdem der Landrat Ende Juli krankheitsbedingt mehrere Termine nicht wahrnehmen konnte, hieß es, er werde seinen Urlaub zur Genesung nutzen und in der letzten Augustwoche seine Dienstgeschäfte wieder aufnehmen. Doch nun wurde bekannt, dass Fauth seinen Urlaub um zwei Wochen verlängert hat. Zu den Gründen dafür äußert man sich seitens des Landratsamtes nicht.

Normalerweise wäre der verlängerte Urlaub eines Amtsträgers eigentlich unspektakulär, nicht jedoch im Falle des Ebersberger Landrats. Dieser leidet seit inzwischen sieben Jahren an einer schubförmig verlaufenden, chronischen Erkrankung des Nervensystems. Aufgrund dessen konnte der Landrat in der Vergangenheit bereits mehrmals für längere Zeit sein Amt nicht ausüben. Erst im Juli hatte sich Fauth überraschend in stationäre Behandlung gegeben. Laut einer Presseerklärung des Landratsamtes soll dies eine reine Vorsorgemaßnahme gewesen sein. Angekündigt war, dass der Landrat wenig später eine anstehende Kreistagssitzung leiten könne. Doch diese Einschätzung erwies sich als zu optimistisch, Fauth wechselte nahtlos vom Kranken- in den Urlaubsstand.

Dessen nun bekannt gewordene Verlängerung kommt offenbar sehr überraschend. "Ich bin davon ausgegangen, dass er heute wieder da ist", äußerte sich ein Mitarbeiter des Landratsamtes am Montag gegenüber der SZ. Auch Fauths Stellvertreter, Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU), erklärte, es sei "ursprünglich so abgemacht" gewesen, dass er den Landrat nur bis Ende der vergangenen Woche vertreten sollte.

Nun wird Brilmayer eine weitere Woche die Behörde in der Eichthalstraße leiten. Dann allerdings will er wie geplant seinen eigenen Urlaub antreten. In der kommenden Woche soll dann der Leiter der Zentralabteilung des Landratsamtes übernehmen. Warum Fauth seinen Urlaub um zwei Wochen verlängert habe, sei ihm aber nicht bekannt, versichert Brilmayer. Die Pressesprecherin der Behörde, Evelyn Schwaiger, möchte zu den Gründen für Fauths verlängerten Urlaub überhaupt keine Erklärung abgeben. Der Landrat selbst war am Montag nicht zu erreichen.

Für den CSU-Fraktionssprecher im Kreistag, Martin Wagner, ist der zweiwöchige Zusatzurlaub des Landrates indes völlig unspektakulär. Fauth wolle sich "einfach voll und ganz erholen", so Wagner, dafür brauche er eben ein paar Tage länger als ursprünglich geplant. Auf keinen Fall, so versichert Wagner, bereite der Landrat seinen Rücktritt vor. "Ich gehe fest davon aus, dass er bis zum 10. September wieder fit ist und ins Landratsamt zurückkommt." Wie Wagner erklärt, sei Fauth bereits auf dem Weg der Besserung, er habe den Landrat erst am vorvergangenen Wochenende auf einem Sommerfest getroffen. Wagners Eindruck über den Parteifreund: "Es geht ihm gut."

Diesem Eindruck widersprechen jedoch viele Personen, die mit dem Landrat des Öfteren zu tun haben. Fauth wirke zunehmend schwächer, er habe Schwierigkeiten beim Gehen und Sprechen. Bereits nachdem sich der Landrat im Juli krankgemeldet hatte, wurde innerhalb der Behörde über einen bevorstehenden Rücktritt Fauths spekuliert.

Aber nicht nur seine Mitarbeiter, auch Fauths Parteifreunde sind offenbar besorgt über den Gesundheitszustand des Landrates. Laut Angaben des Grünen-Kreisrates Benedikt Mayer, hätten mehrere Mitglieder der CSU-Fraktion am Tag der Juli-Sitzung des Kreistages, an welcher Fauth krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, sehr offen über die Erkrankung des Landrates gesprochen. Mayers Eindruck sei gewesen, man müsse sich "große Sorgen" um den Landrat machen, erklärte er bereits am Freitag. Ebenfalls besorgt ist der parteilose Grafinger Stadtrat Heinz Fröhlich. Dieser hatte kürzlich in einem Schreiben an die Fraktionssprecher des Kreistages eine amtsärztliche Untersuchung über die Dienstfähigkeit des Landrates gefordert.

© SZ vom 28.08.2012

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