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Kulturprojekt in Ebersberg:"Welt-Raum" in drei Akten

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Einsendungen

„Unwirklich, leer, hoffnungsfroh, trist, weit, ruhig, stumm, ungewiss, sanft, anstrengend, schön: Corona ist für mich Vieles und Unterschiedliches. Manchmal an einem Tag“, sagt Christoph von Schierstädt. Seine Bilder porträtieren diese Stimmung – gekrönt von Marias Corona, Marias Lichtkrone.

(Foto: Veranstalter)

Von Anja Blum, Ebersberg

Die Corona-Pandemie hat der Kulturlandschaft im Landkreis großen Schaden zugefügt, doch zumindest ein Projekt ist nicht gestorben: der Ebersberger "Welt-Raum". Das Alte Kino nämlich hat mal wieder große Flexibilität bewiesen und anstatt mit einem Theaterstück das gesteckte Ziel auf vielen anderen, verschlungenen Pfaden erreicht.

Was dabei herausgekommen ist, bündelt nun ein wunderbares Buch: Die Publikation versammelt Texte, Bilder und Auszüge aus Interviews, dazu gibt es umfangreiches digitales Material. Das Ergebnis sei "wie ein Zeitzeugnis aus dem Jahr 2020, ein kleines Abbild davon, wie die Gesellschaft in den vergangenen Monaten mit der Pandemie umgegangen ist", sagt Violetta Ditterich, die das Projekt zusammen mit ihrem Kollege Max Weis betreut hat.

Im März war das Alte Kino gerade dabei, den "Welt-Raum" zu eröffnen, ein neues, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördertes Projekt. Geplant waren regelmäßige Proben für ein offenes Theaterprojekt. Dazu sollte sich eine möglichst diverse Gruppe aus dem Landkreis zusammenfinden, ein kleiner Querschnitt durch die Gesellschaft - die Welt in einem Raum eben.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt sollte Menschen versammeln, die ihre Reflexionen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, über das Zusammenleben in der Diversität, über Offenheit gegenüber Andersartigkeit auf die Bühne bringen. Doch dann spitzte sich die Corona-Situation so zu, dass keine Treffen stattfinden konnten. "Darin sahen wir die Chance, den Welt-Raum neu zu denken und virtuell für mehr Leute zugänglich zu machen", erklärt Ditterich. Außerdem dachte sich das Team, zu dem auch der Ebersberger Sozialpädagoge Thomas Rauch und die Ebersberger Theaterpädagogin und Künstlerin Andrea Kilian gehören: "Warum nicht genau die skurrile Situation selbst, die gerade alle beschäftigt, zum Thema machen?"

Aufruf zum mitmachen

In einem ersten Akt veröffentlichte das Alte Kino also einen Aufruf zum Mitmachen und stellte ein "Corona-Kreativ-Kit" als Inspiration zur Verfügung. Jetzt waren alle gefragt, die Lust hatten, ein Teil vom Welt-Raum zu sein: Sie sollten Erlebnisse, Gedanken, Beobachtungen, Ideen und Visionen zum Thema Corona einschicken. In welcher Form war absolut frei: ob als Text, Musik, Video, Bild, Foto oder Skulptur. Und es funktionierte: "Wir waren und sind begeistert von all den tollen Einsendungen, die uns von den unterschiedlichsten Menschen erreicht haben. Das sind richtige Schätze", schwärmt Ditterich.

Das Buch präsentiert nun die kreativen Einsendungen, darunter Fotos, Zeichnungen, Songs, Videos, zwei Märchen für die Enkelin, ein Rezept für Corona-Glückseligkeit, ein Comic, eine Runde "Dingsda", ein "Aerosol-Verteiler" und sogar ein Tipp für abstandskonformes Kuscheln. "Was mich unglaublich überrascht und berührt hat, ist, wie großzügig und offenherzig uns die Leute ihre Werke und Gedanken überlassen haben", sagt Theaterpädagogin Kilian. "Geradezu mutig haben sie Kunst und Privates mit uns geteilt." Nur dank dieser vielen tollen Einsendungen sei der Ebersberger Welt-Raum zum Leben erwacht.

In einem zweiten Akt interviewte das Team Menschen aus dem Landkreis. Dabei durften die Gäste ein ihnen wichtiges Objekt vorstellen. Ob Rad, Kassettenrecorder, Babywindeln, Buch oder Bahncard - die Bandbreite war groß. Die Gegenstände sowie jeweils eine Frage wurden an andere Gesprächspartner weitergereicht. So entstand trotz der Vereinzelung eine Verbindung, die eine Auseinandersetzung mit dem "Anderen" erlaubte, eine "Chance, spielerisch mit Vorurteilen und Stigmata aufzuräumen und Menschen zusammenzubringen, die sich eventuell nie miteinander beschäftigt hätten", sagt Sozialpädagoge Rauch (siehe unten).

Aus diesen spannenden Begegnungen hat der Glonner Filmer Valentin Winhart schließlich im dritten Akt eine Dokumentation erschaffen: "Willkommen im Welt-Raum". Der Film vereint alle Interviews zu einem großen Ganzen und lässt die Zuschauer an den Geschichten hinter den Gesichtern teilhaben. Dazu - wie auch zu den Einsendungen und Einzelinterviews - ist im Buch ein QR-Code hinterlegt. Alternativ lassen sich die Materialien von Samstag, 19. Dezember, an unter www.kultur-in-ebersberg.de im Internet aufrufen.

"Es war ein skurriles und gleichzeitig sehr aufregendes Jahr, von dem Ihr nun ein kleines Zeitzeugnis in Händen haltet", heißt es im Vorwort zum Buch. Außerdem freue sich das Team sehr darüber, "dass trotz aller Kontaktbeschränkungen ein Austausch und Kennenlernen zustande gekommen" sei. Nichtsdestotrotz will Max Weis die Hoffnung nicht aufgeben, "eine Theatergruppe ins Leben zu rufen, die ein eigenes Stück auf die Bühne bringt".

D ie in limitierter Auflage erscheinende "Welt-Raum"-Dokumentation, mit viel Gespür und Humor gestaltet von der Glonnerin Sophie Kreutzer, ist gratis erhältlich. Das Alte Kino bietet für alle Interessenten eine Lieferung frei Haus beziehungsweise den Versand per Post. Das Buch kann bis Samstag, 19. Dezember, um 10 Uhr bestellt werden, und zwar per Mail an weltraum@alteskino.de. Zudem ist das Team des Alten Kinos gespannt, wen es in Zukunft noch im Welt-Raum begrüßen darf - dieser "ist und bleibt offen für Euch!" Wer also Ideen, Wünsche, Anregungen oder Fragen hat, darf sich gerne melden.

© SZ vom 17.12.2020/koei
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