Regen über der Alten Mühle in Bruck verheißt eigentlich nichts Gutes. Wenn nämlich zu viel davon fällt, tritt ein Bach über die Ufer, überschwemmt Koppeln und Ställe. Doch die Menschen und Tiere hier haben eine besondere Art entwickelt, mit Widrigkeiten umzugehen. „Regen schenkt uns Zeit“, heißt es in einem Social-Media-Reel des Gnaden- und Therapiehofs. „Zeit füreinander. Zeit für Begegnung im Stall.“ Im Video sieht man, wie Kinder ganz in Ruhe ihre Ponys bürsten, kraulen und streicheln oder sie einfach umarmen – ganz lang. Offenbar genießen beide Seiten die Nähe. Ungeachtet des Regens da draußen.
Die Alte Mühle Bruck bietet seit 35 Jahren Pferden, Kindern und Träumen ein Zuhause. Sie ist Gnaden- und Therapiehof zugleich. Sowohl Menschen als auch Tiere, die aufgrund ihrer Handicaps wenig Platz haben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, werden dort liebevoll aufgenommen. Doch dieses Paradies ist in Gefahr: Seitdem der Bereich der Stallungen als Hochwasser-Ausweichfläche ausgewiesen wurde, sind diese Bauten von den Behörden nur geduldet. Bereits Ende 2025 hätten sie abgerissen werden sollen, eine neue Frist läuft Ende Juni aus.
Für die Menschen und Tiere der Alten Mühle geht es dabei „um alles“, wie Chefin Julia Rogg es formuliert. Denn ohne Ställe kann die Einrichtung nicht weiter bestehen. Pädagogische und therapeutische Angebote würden wegbrechen, die Tiere ihr Zuhause und damit vermutlich auch ihr Leben verlieren. „Die allermeisten sind zu alt und krank, als dass sie einen Umzug überstehen würden“, erklärt Rogg. Einen anderen Hof haben sie und ihre Mutter Regina Peter aber bislang ohnehin nicht gefunden.
Deshalb möchten die Frauen gerne in Bruck bleiben und auf einer hochwasserfreien Wiese nebenan einen neuen Stall bauen – doch bislang lehnen die Behörden eine Genehmigung dafür ab. Der Grund: Die Alte Mühle ist nicht als landwirtschaftlicher Betrieb anerkannt, weshalb ihr Vorhaben nicht als privilegiertes Bauvorhaben gilt.

Wie viele Menschen das Schicksal der Alten Mühle bewegt, hat eine Petition zur Rettung des Gnaden- und Therapiehofs gezeigt: Mehr als 5000 Unterschriften wurden beim Landtag eingereicht. Zwei Abgeordnete aus dem Petitionsausschuss, Benjamin Miskowitsch von der CSU und Ursula Sowa von den Grünen, haben sich des Themas angenommen. Auf ihren Vorschlag hin soll es nun ein Treffen bei der Alten Mühle geben, bei dem mit allen Beteiligten nach einer Lösung gesucht wird.
„Unsere Idee ist, dass alle – Bauministerium, Landratsamt, Gemeinde – mal miteinander reden und so hoffentlich ein Kompromiss gefunden werden kann“, sagt Miskowitsch. Schließlich verfolge die Alte Mühle ein „sehr ehrenwertes Ansinnen“, dem auch der Ebersberger Landrat seine volle Unterstützung zugesagt habe. Deswegen sei er persönlich zuversichtlich, dass sich gemeinsam ein Weg zur Rettung des Hofes finden lasse, so der CSU-Abgeordnete.

Außerdem müsse sich das Team der Alten Mühle vorerst keine allzu große Sorgen machen wegen der auslaufenden Duldung: „Es ist ein gentle agreement, dass bei Petitionen solche Fristen ausgesetzt werden, bis eine finale Entscheidung gefallen ist.“ Miskowitsch hofft, dass der Termin in Bruck noch vor der Sommerpause stattfinden kann. Danach – vermutlich erst im Herbst – werde die Causa noch einmal im Petitionsausschuss verhandelt.
„Über diese Chance, gemeinsam einen Weg zu suchen und auch unsere Sicht der Dinge noch einmal vorstellen zu dürfen, sind wir sehr glücklich“, sagt Julia Rogg. „Das ist das Beste, was uns passieren konnte!“ Schließlich wolle man von den Behörden ja nichts geschenkt: „Wir versuchen schon lange und mit aller Kraft, eine rechtlich sichere, fachlich fundierte Lösung zu erarbeiten.“
Schlaflose Nächte werden Rogg und ihre Mutter vermutlich weiterhin haben. „Das alles bringt unfassbaren Druck und große Sorgen mit sich“, sagt die Chefin der Alten Mühle. „Doch die Verantwortung für unsere Tiere und Kinder geben wir nicht einfach auf. Denn wir haben ihnen ein Versprechen gegeben.“

