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Landwirtschaft:Rind-Bestand im Kreis Ebersberg geht zurück

Prozess um Kuhglockengeläut

Kühe brauchen Glocken, um nicht verloren zu gehen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Grund ist der Strukturwandel, Fleckvieh ist weiterhin die beliebteste Rasse. Spitzenreiter in Oberbayern ist ein Ebersberger Nachbarlandkreis.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Sie gehört zur typischen Bayern-Postkarten-Idylle wie der Alpenblick: die Kuh. Vorzugsweise die weiß und braun gemusterten Tiere, das sogenannte Fleckvieh. Dieses kann man auch im Landkreis treffen, laut Statistischem Landesamt sind es genau 33 089 Vertreter dieser Rinderart. Damit ist die Kuh von der Postkarte mit weitem Abstand Spitzenreiter, insgesamt gibt es im Landkreis 36 822 Rinder. Vor zehn Jahren waren es mit 41 147 noch deutlich mehr.

Dieser Trend lässt sich für ganz Bayern konstatieren, so lebten im Freistaat Ende 2009 noch knapp 3,4 Millionen Rinder, aktuell sind es knapp 2,9 Millionen. Damals wie heute gibt es in Oberbayern am meisten Kühe, eine Million waren es vor zehn Jahren, gut 885 000 sind es derzeit. Die allermeisten sind und waren Milchkühe: vor zehn Jahren 1,24 Millionen im gesamten Freistaat, heute 1,12 Millionen. In Oberbayern geben aktuell 346 000 Kühe Milch, 373 000 waren es vor zehn Jahren. Ähnlich ist es im Landkreis Ebersberg, hier wurden Ende 2009 insgesamt 17 178 Milchkühe gezählt, aktuell sind es noch 15 687.

Die Gründe für den Rückgang der Rinderzahlen seien bayernweit dieselben, sagt Florian Greißl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg: Strukturwandel und zu hohe Kosten bei Modernisierungen. Für viele Landwirte rechne sich der Betrieb nicht mehr, sie geben die Milchviehhaltung auf.

Im Münchner Umland komme auch noch der Siedlungsdruck dazu, also die Konkurrenz zwischen Bauland und landwirtschaftlicher Fläche. Dazu passt eine andere Statistik des Landesamtes, wonach die Siedlungs- und Verkehrsfläche im Landkreis Ebersberg seit 1980 von zwölf auf aktuell 18 Prozent gestiegen ist, während der Anteil landwirtschaftlicher Flächen von fast 60 Prozent auf nur noch knapp 50 zurückging.

Dennoch sei der Rückgang bei der Rinderhaltung kein Indiz für einen solchen bei der Anzahl der Betriebe, sagt Greißl, diese sei im Landkreis in den vergangenen Jahren in etwa konstant geblieben. Viele kleinere Höfe hätten auch die Übergabe an die nächste Generation geschafft, die den Betrieb weiterführen will.

Aber vermutlich nicht immer mit Milchwirtschaft oder anderer Rinderhaltung. In diesem Bereich spielt der Landkreis Ebersberg ohnehin eine eher untergeordnete Rolle. So gibt es etwa im Nachbarlandkreis Erding 85 807 Rinder, davon 24 307 Milchkühe. Ähnlich sieht es in Mühldorf aus, hier gibt es 84 939 Rinder von denen 29 012 Milchkühe sind.

In Traunstein gibt es sogar mehr Milchkühe - 44 171 -, als im Landkreis Ebersberg insgesamt Rinder gehalten werden, die Gesamtzahl in Traunstein beträgt 106 541. Absoluter Spitzenreiter bei der Rinderhaltung in Oberbayern ist der Landkreis Rosenheim, wo es 60 611 Milchkühe und insgesamt 129 495 Rinder gibt. Das ist nicht nur bayernweit die höchste Zahl an Milchkühen pro Landkreis, sondern auch mehr als es im gesamten Regierungsbezirk Unterfranken insgesamt Rinder gibt, nämlich 109 778.

Bei der Art der Rinder gibt es bayernweit indes wenig Unterschiede, am beliebtesten sind die weißbraunen Exemplare. Von den 2,9 Millionen bayerischen Rindern macht das Fleckvieh einen Anteil von 2,25 Millionen aus. Mit sehr weitem Abstand folgen Braunvieh mit 210 498 und die Schwarzbunten Holsteiner mit 157 771 Exemplaren. Andere Rinderrassen sieht man im Freistaat kaum, aber es gibt auch einige Exoten, wie etwa die 741 Büffel und Bisons in Bayern.

Um diese im Landkreis Ebersberg zu sehen, muss man allerdings den Wildpark Poing besuchen, auf den Weiden geht es eher traditionell zu. Insgesamt 2425 Holsteinrinder gibt es im Landkreis, davon 1371 schwarzbunte und 1054 rotbunte - letztere sind enge Verwandte der bayerischen Postkartenkuh.

© SZ vom 29.09.2020/koei
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