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Kreisklinik:Landkreis Ebersberg: Neuer Baby-Rekord in Sicht

Weniger Babys in Deutschland geboren

Die einen schreien Hurra, die anderen einfach nur so, in Ebersberg gibt es einen neuen Geburtenrekord.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

Schon jetzt ist absehbar: 2020 wird es mehr Geburten in Ebersberg geben als in den Vorjahren. Corona ist ein Grund dafür - aber nicht der einzige.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Wer derzeit im Landkreis unterwegs ist, dürfte vielerorts auf Holzstörche, bunt bemalte "Hurra"-Poster und an Schnüren baumelnde Babykleidung stoßen. Das Jahr ist gerade mal sieben Monate alt, da zeichnet sich schon ein Trend ab: 2020 wird wohl das geburtenreichste Jahr im Landkreis Ebersberg werden. Waren im vergangenen Jahr bis Ende Juni 335 Kinder im Klinikum Ebersberg zur Welt gekommen, sind es heuer bereits 353 im ersten Halbjahr. "Dieses Jahr rasen wir wieder auf einen neuen Rekord zu", sagt Helen Budiman, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Kreisklinik Ebersberg.

Ein kurzer Blick in die Statistiken zeigt: Der Babyboom im Landkreis setzt sich seit Jahren fort. Im Jahr 2013 gab es 545 Geburten in der Kreisklinik, 2016 kamen dort 649 Kinder zur Welt, und im Jahr 2018 wurde erstmals die 700-Baby-Marke geknackt.

Schon im Januar und Februar, als von Corona und seinen Auswirkungen noch niemand etwas ahnte, hatte das Ebersberger Klinikum ein Plus an 20 Geburten im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. "Eine extreme Steigerung", urteilt Budiman. Dann kam der Shutdown, und die meisten Kliniken im nahen München reglementierten die Geburten ziemlich restriktiv: Oft durfte der Vater nur bei der Geburt dabei sein und musste dann die Klinik verlassen, selten wurde ein Zugang auf die Wochenbettstation gewährt.

"Wir haben bewusst einen anderen als den Münchner Weg gewählt", so Chefärztin Budiman. Viele Paare hätten sich im Vorhinein erkundigt, wie die Corona-Maßnahmen auf der Ebersberger Geburtenstation geregelt würden. Eine vergleichsweise kleine Einrichtung liegt da deutlich im Vorteil: Mit durchschnittlich zwei Geburten am Tag sei man hier in einer gänzlich anderen Situation als Krankenhäuser mit 4000 Geburten im Jahr, so Budiman. So durfte der Partner die Mutter und das Neugeborene auch auf der Wochenbettstation besuchen. Dabei habe man sich an den Leitfaden der Fachgesellschaft für Gynäkologie gehalten, welcher die Begleitung des Vaters als außerordentlich wichtig einstuft.

"Die Leute finden hier eine Geburtshilfe, die etwas persönlicher und individueller ist."

Dass die Geburtenzahl im Landkreis so rasant angestiegen ist, hat also auch mit den Paaren zu tun, die zur Geburt extra nach Ebersberg anreisten. "Wir hatten auch eine Handvoll Mütter aus München oder Starnberg da, weil sie den Partner auch auf der Wochenbettstation unbedingt dabei haben wollten", sagt Helen Budiman. "Die Leute finden hier eine Geburtshilfe, die etwas persönlicher und individueller ist."

Auch mit Blick auf die weiterhin ansteigenden Geburtenzahlen wird derzeit im Klinikum Ebersberg das Hebammen-System umgestellt. Viele Kliniken arbeiten bereits ausschließlich mit Beleghebammen zusammen, also selbständigen Hebammen, die mit der Klinik einen Vertrag ausgehandelt haben. In Ebersberg wird seit einiger Zeit eine Mischform ausprobiert aus Beleghebammen und angestellten Geburtshelferinnen. Während der Corona-Hochzeit gab es im Klinikum Ebersberg eine "Rufbereitschaft toujours", so Budiman; es konnte bei Bedarf immer noch eine Beleghebamme dazu gerufen werden. Dies will die Kreisklinik nun auch langfristig etablieren und ebenfalls auf ein System mit Beleghebammen umstellen.

Sollte sich der Babyboom weiter fortsetzen und die 800-Geburten-Marke erreicht werden, stehen weitere Änderungen in der Geburtenstation an. Derzeit gibt es an der Klinik Ebersberg zwei Kreißsäle und ein Wehenzimmer, das bei Bedarf schon mal zum Kreißsaal umfunktioniert wird.

© SZ vom 30.07.2020/koei
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