Dreh "Der Kaiser von Schexing" Zurück im Provinzrathaus

"Eine Tendenz zum Cäsarenwahn": Regisseur und Autor Franz-Xaver Bogner dreht neue Folgen der Kultserie "Der Kaiser von Schexing".

Von Rita Baedeker

Gut, dass die Rosi wieder da ist und im Rathaus von Schexing nach dem Rechten sieht. Die Rosi Specht hatte alles im Griff. Sogar dem Bürgermeister hat sie auf die Finger geschaut - und wenn es sein musste, auch geklopft. Dann aber hat sie Urlaub genommen...

Alfons Schuhbeck, Dieter Fischer und Franz Xaver Bogner (von links) bei der Vorstellung der dritten Staffel von "Der Kaiser von Schexing" 2009 in München.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit vergangener Woche dreht Autor und Regisseur Franz-Xaver Bogner die fünfte Staffel seiner Kultserie "Der Kaiser von Schexing". Die Kulissen des Rathauses samt Amtsstuben und Aktenordnern sind in den Studios des Bayerischen Fernsehens in Unterföhring aufgebaut, gedreht wird aber auch an Schauplätzen in Niederseeon bei Glonn, in Markt Isen und in Rain am Lech. Im Herbst 2011 werden die neuen Geschichten ausgestrahlt.

"Ich finde, wir sind auch ohne die Rosi wunderbar zurechtgekommen", sagt Dieter Fischer, Darsteller des Schexinger Gemeindeoberhaupts Andreas Kaiser, während einer Drehpause und feixt. "Der Andi Kaiser hat halt so eine Tendenz zum Cäsarenwahn, nur die Rosi hat ihn stets in die Schranken gewiesen. Keine Frage: Ohne sie war das Regieren leichter."

Da protestiert die Rosi (Dorothea Hartinger) aber prompt. "Ich bin doch die einzig kompetente Person in diesem Rathaus", sagt sie und Fischer lächelt dieses treuherzige Lächeln, mit dem er in seiner Rolle als "Kaiser von Schexing" immer ziemlich gut gefahren ist und allen den Wind aus den Segeln genommen hat. "Schexing, das ist fast so real wie in einer Familie", erzählt Dorothea Hartinger. Die Figuren kenne man inzwischen so gut wie einen langjährigen Kollegen. "Wenn wir jetzt nach einem Jahr Pause ins Studio kommen, um zu drehen, dann ist es, als wären bloß acht Tage vergangen", bestätigt Dieter Fischer.

Schexing, das ist mehr als eine Fernsehserie, Schexing ist ein Lebensgefühl, ein Spiegel, in dem das Leben in einem bayrischen Provinzrathaus satirisch verdichtet, aber trotzdem hochpolitisch erzählt wird. "Bogner liefert uns mit seinen Drehbüchern eine hohe Qualität", sagt Dorothea Hartinger. In den Texten kommen Menschen vor, die es wirklich geben könnte. Da fühle auch ich mich in meiner Rolle echt." Vom ersten Durchsprechen bis zu Dreh arbeite Bogner ruhig und sehr behutsam, erzählt Fischer.

Der kann als Bürgermeister in den neuen Folgen Aufregungen überhaupt nicht gebrauchen. Nicht nur, weil Rosi Specht nach ihrer Rückkehr ins Amt wieder mitregiert, sondern weil er auf einmal Hahn im Korb ist zwischen zwei Frauen, die sich seinethalben am liebsten an die Gurgel gehen würden. Denn während Rosis Abwesenheit hat Geschäftsführerin Hannelore Herbst (die Rolle spielt die Kabarettistin Monika Gruber) nicht nur den Sessel der Konkurrentin, sondern auch den Hausherrn (fast) erobert. Ein Gutmensch wie er durchschaue nun mal weibliche Intrigen nicht, sagt Fischer. "Weil er ein netter Kerl ist, geht der Kaiser immer davon aus, dass alle anderen auch so lieb sind."

Es bleibt also beinahe alles beim Alten in Schexing. Nachdem die Serie so erfolgreich war - Zuschauerquote im zweistelligen Bereich - werden die neuen Geschichten als Doppelfolgen gesendet. "Für die dichte Erzählform reichen 25 Minuten nicht", erklärt Bogner. Schließlich hat der in Markt Schwaben geborene und in Waldperlach lebende Autor und Regisseur fleißig die Kommunalpolitik nach Themen durchforstet. In der neuen Staffel wird Bogner sich - in Person von Andreas Kaiser - der Bauern annehmen.

Rosi Specht, zuletzt wegen Amtsmüdigkeit in Urlaub geschickt - in Wahrheit hat Burg-Schauspielerin Dorothea Hartinger, die die Rolle verkörpert, ein Baby bekommen -, wird bei ihrer Rückkehr nicht nur feststellen, dass sich ihr Andi zu Frau Herbst hingezogen fühlt, sondern auch ein wenig selbstherrlich und machthungrig geworden ist.

Eine Metamorphose macht auch Kämmerer Hermann Nelz (Gerd Anthoff) durch. Der "zwiderne" Erbsenzähler und Misanthrop entdeckt kurz vor der Pensionierung die Lebenslust. So wenigstens hat Bogner die Figur angelegt. "Er dreht sich jetzt um 180 Grad, aber keine Sorge, Anthoff bleibt immer noch Anthoff", versichert der Regisseur.

Was sonst noch alles schief geht, und wie er enden wird, der "Zickenkrieg" um den Kaiser, verrät Bogner nicht. Nur soviel: Für den wird es ein gutes Ende geben, er wird sich weiter entwickeln. Darunter kann man sich jetzt alles Mögliche vorstellen: Beförderung zum Kreisrat, Vaterschaft, Ruf in die Staatskanzlei. Aber wie es auch immer kommen mag: Die Rosi wird's schon richten.