SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München:Der Kaiser von Herrmannsdorf

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SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Andi Kaiser (Dieter Fischer) zeigt seiner Freundin Hannelore Herbst (Monika Gruber) die Stallungen auf dem "Schexhof". Die Szenen dort wurden bei den Herrmannsdorfer Landwerkstätten gedreht.

Andi Kaiser (Dieter Fischer) zeigt seiner Freundin Hannelore Herbst (Monika Gruber) die Stallungen auf dem "Schexhof". Die Szenen dort wurden bei den Herrmannsdorfer Landwerkstätten gedreht.

(Foto: Günther Reisp/BR)

Zwischen 2008 und 2011 war ein neuer Ort im Landkreis Ebersberg zu Gast: Schexing. In der fiktiven Gemeinde regierte ein Politikneuling als Bürgermeister, der "Kaiser von Schexing". Darsteller Dieter Fischer erinnert sich gerne an die Dreharbeiten zurück und spricht über die Ähnlichkeiten zwischen seinem Alter Ego und Donald Trump.

Von Merlin Wassermann, Ebersberg

Planstädte, die innerhalb weniger Jahre aus dem Boden gestampft wurden, gibt es viele, von Brasilien über Chandigarh zu Dubai. Doch sie alle verblassen vor Schexing, das buchstäblich über Nacht im Landkreis Ebersberg entstand. Geschaffen wurde das urige Anti-Atlantis von Franz Xaver Bogner, für seine Serie "Der Kaiser von Schexing", die zwischen 2008 und 2011 vom Bayerischen Rundfunk produziert wurde.

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(Foto: SZ-Grafik)

Bogner, der durch Serien wie "Irgendwie und Sowieso" oder "Café Meineid" bekannt geworden war, erzählt in vier Staffeln die Geschichte des Andreas Kaiser: Nach 15 Jahren Odyssee und Herumtingeln in der Welt kehrt er in sein Heimatdorf zurück und wird von der Geschäftsführerin des Rathauses, Rosi Specht (Dorothee Hartinger), sowie dem Stadtkämmerer Hermann Nelz (Gerd Anthoff) ins Bürgermeisteramt gehievt. Wider Erwarten entpuppt Kaiser sich als fähiges - wenn auch unkonventionelles - Gemeindeoberhaupt.

"Das waren sehr schöne Tage"

Dieter Fischer, der "Kaiser", erinnert sich gerne an die Dreharbeiten zurück. "Das waren sehr schöne Tage", erzählt er. Vorbereitet habe er sich auf seine Rolle kaum, nur einmal sei er bei einer Gemeinderatssitzung mit dabei gewesen. Schließlich war auch sein Alter Ego ein Politikneuling, der sich erst in der Kommunalpolitik zurechtfinden musste.

SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Für die BR-Serie erhielt der Landkreis Ebersberg kurzerhand eine neue Gemeinde namens "Schexing".

Für die BR-Serie erhielt der Landkreis Ebersberg kurzerhand eine neue Gemeinde namens "Schexing".

(Foto: privat)

Franz Xaver Bogner, der selbst im Landkreis Ebersberg, in Pliening nämlich, geboren wurde, verlegte das fiktive Schexing kurzerhand in diese Gegend. Die Gemeinde liege "nördlich des Ebersberger Forsts", wie es in einer Folge heißt. Im Laufe der Serie greift Bogner dann auch typische Themen auf, die im Landkreis von Relevanz waren und sind: die Spannung zwischen Stadt und Land, die Frage, was Heimat ist, die Frage nach der Wertschätzung der Bauern.

Von Klischees frei ist die Serie freilich nicht. Die weiblichen Charaktere werden häufig als intrigant und rachsüchtig dargestellt, die Beamten der Gemeindeverwaltung als grundsätzlich faul. Die Darstellung, wie Politik funktioniert, orientiert sich ebenfalls an gängigen Serien-Tropes. Die Verwaltung, insbesondere die Kämmerei, wird als verkrusteter, konservativer Apparat dargestellt, der den unerfahrenen Bürgermeister als Marionette sieht - sehr ähnlich wie in der britischen Serie "Yes, Prime Minister". Die Berufspolitik wiederum, verkörpert durch Landrat Gabriel Herbst (Horst Kummeth), wirkt verlogen und nur auf den eigenen Vorteil bedacht.

SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Bürgernah oder populistisch? Andi Kaiser (Dieter Fischer) reizt die Grenzen des Legalen mehrfach aus.

Bürgernah oder populistisch? Andi Kaiser (Dieter Fischer) reizt die Grenzen des Legalen mehrfach aus.

(Foto: Christian A. Rieger/BR)

Als Gegenpol wird der männliche Macher Andi Kaiser inszeniert, den Vorschriften nicht unbedingt kümmern, der wohlhabend ist und der einfach mal tut, was getan werden muss. Ein Kaiser also? Oder gar ein Trump-ähnlicher Charakter? Dieter Fischer sieht das nur teilweise so: "Der entscheidende Unterschied ist, dass Andi Kaiser sich am Gemeinwohl orientiert. Trump tut alles nur für sich."

Bogner schrieb die Drehbücher teilweise vor Ort

Jenseits aller Serienkonventionen finden sich aber auch sehr menschliche Momente im "Kaiser von Schexing". So etwa, als die junge Landwirtin Lisa Deimer (Julia Loibl) davon erzählt, wie ihr Vater nicht mit der zunehmenden Modernisierung klarkam und dem Alkoholismus verfiel. Die Situation der Landwirte ist aus einer psychohygienischen Perspektive tatsächlich alles andere als rosig.

Das sei die große Stärke Bogners, meint Fischer. "Er nimmt das auf, was er um sich herum sieht, und verarbeitet es." Das erkläre auch, weshalb das Skript bei Drehbeginn oft nur zur Hälfte fertig gewesen sei: "Den Rest hat er dann vor Ort geschrieben und seine Beobachtungen eingebaut", so Fischer.

Der Großteil der Serie wurde außerhalb Ebersbergs gedreht

Vor Ort, das war hauptsächlich außerhalb des Landkreises. Die Dreharbeiten fanden insbesondere in Rain am Lech statt, wo auch das in der Serie sichtbare Rathaus steht. Pate für die Gemeinde war außerdem der Ort Isen im Landkreis Erding, in dem viele Außenaufnahmen gedreht wurden, und dessen Name auf einer Karte in der Folge "Himmelfahrt" durch "Schexing" ersetzt ist.

Doch scheuten Bogner und sein Team keine Mühen, den Anschein zu erwecken, dass man sich tatsächlich in Ebersberg befinde: Alle Kennzeichen zeigen "EBE" an, die gelben Ortsschilder markieren geflissentlich den Landkreis, und auch die Zeitung, der Süddeutsche Merkur, verspricht "Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg".

Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten bieten die Kulisse des "Schexhof"

Im Landkreis Ebersberg wurde aber natürlich auch gedreht, vor allem auf dem Gelände der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. "Die Dreharbeiten fanden dort oft im Herbst statt", erinnert sich Dieter Fischer. Deswegen habe es oft bis 13 oder 14 Uhr Nebel gegeben, das ganze Tagespensum musste dann am Nachmittag erfüllt werden. Ansonsten habe es am Set selten Schwierigkeiten gegeben. "Wir haben viel gelacht, waren aber auch sehr fokussiert", so Fischer.

SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Andi Kaiser (Dieter Fischer, links) zieht in den "Schexhof" ein. Oft war es so nebelig, dass die Dreharbeiten in Herrmannsdorf erst nachmittags beginnen konnten.

Andi Kaiser (Dieter Fischer, links) zieht in den "Schexhof" ein. Oft war es so nebelig, dass die Dreharbeiten in Herrmannsdorf erst nachmittags beginnen konnten.

(Foto: Günther Reisp/BR)

Die Landwerkstätten mit dem schönen Herrenhaus stellen in der Serie den "Schexhof" des reichen Bauers Ludwig Kaiser (Michael König) dar, Vater des Bürgermeisters. Mehr als einmal spielt der arrogante und herrische Kaiser-Senior die Rolle des Bösewichts, dem sein von ihm entfremdeter Sohn die Stirn bieten muss. Der Schexhof ist dabei das genaue Gegenteil eines Sehnsuchtsorts für Andi Kaiser, er will jeden Besuch dort vermeiden und weigert sich - fast bis zum Schluss - den Hof zu übernehmen.

"Ich bin nicht der Mister Sentimental"

Heute sind die Landwerkstätten immer noch kein richtiger Sehnsuchtsort für Dieter Fischer, doch manchmal verschlägt es ihn dennoch dorthin, so erst im August. "Ich habe mich damals mit ein paar Leuten dort ein bisschen angefreundet. Und ich hole mir dort immer gerne Speck und Käse", erzählt der Schauspieler.

SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Andi Kaiser (Dieter Fischer) zeigt Hannelore Herbst (Monika Gruber) die Ländereien des "Schexhofs". Noch heute zieht es Fischer gelegentlich zu den Landwerkstätten zurück.

Andi Kaiser (Dieter Fischer) zeigt Hannelore Herbst (Monika Gruber) die Ländereien des "Schexhofs". Noch heute zieht es Fischer gelegentlich zu den Landwerkstätten zurück.

(Foto: Günther Reisp/BR)

Aus dem Landkreis mitgenommen hat Fischer einst auch die Erinnerungen an den Untergang Schexings, also das vorzeitige Ende der Serie: Trotz Cliffhanger wurde sie damals vom BR eingestellt. "Ich bin nicht der Mister Sentimental, aber ein bisschen Wehmut hat mich schon gestreift", so Fischer.

Doch nicht nur gutes Essen und Erinnerungen reizen Fischer an Ebersberg. Er findet, der Landkreis sei "touristisch noch nicht so versaut", und scheut sich nicht, das Wort "wahrhaftig" in den Mund zu nehmen, um die Region und ihre Menschen zu beschreiben. Schexing mag nicht in Ebersberg liegen, aber gemein haben sie doch etwas: Sowohl der fiktive Ort als auch der Landkreis selbst bewegen sich irgendwo zwischen wahrhaftigem Mythos und mythischer Wahrhaftigkeit.

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